Denkmaldatenbank

Internationales Congress Centrum Berlin (ICC)

Obj.-Dok.-Nr. 09097889,T
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Westend
Adressen Messedamm 11, 12

Hammarskjöldplatz & Neue Kantstraße
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Kongressgebäude
Datierung 1973-1979
Entwurf Schüler, Ralf & Schüler-Witte, Ursulina
Bauherr Land Berlin

Für den über den Grenzübergang Dreilinden einfahrenden Besucher von West-Berlin bildete das Internationale Congress Centrum (ICC) am Messedamm 11-12 einen der ersten markanten Blickpunkte der Stadt. Zwölf mit Fachwerkträgern verbundene Binder sitzen als Außenskelett auf der Hülle des langgestreckten aluminiumverkleideten Baus und werden beidseitig von je vier in Paaren angeordneten Treppentürmen unterstützt. Diese Dachkonstruktion überfängt einen Baukörper, der an beiden Enden über diese hinausragt und Parkhaus und Haupteingang aufnimmt, sowie den Übergang zum Vorplatz mit darunterliegendem 'Autofoyer' bildet.

Von der Großform bis zu den kleinsten Ausstattungsdetails haben die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte dem 1973-79 errichteten Bauwerk eine aufeinander abgestimmte Gestalt gegeben. Dem Besucher bietet sich eingepasst zwischen Stadtautobahn und Messedamm ein Innenraum, der sinnlich und akustisch vom lärmenden Außenraum entkoppelt ist. Sein komplexes Raumprogramm mit 80 Sälen erschließt sich durch ein von Frank Oehring entworfenes Leitsystem aus Leuchtröhren, das seinen Höhepunkt in einer zentralen Lichtskulptur findet. Ausgehend von einer den Baukörper im Erdgeschoss durchziehenden Eingangshalle werden die darüberliegenden Foyers erreicht, die als Kommunikations- und Verteilerräume für die neben und oberhalb liegenden Säle dienen.

Die von Rainer G. Rümmler entworfene und 1974-75 erbaute Verteilerhalle unter der Kreuzung Masurenallee, Neue Kantstraße und Messedamm bietet Kreuzungsfreiheit zwischen Fußgänger- und Automobilverkehr und verbindet das ICC mit dem Omnibusbahnhof, der Ringbahn und dem Vorplatz der Messe, sowie ehemals mit dem Autobahnbus. Die orangen Fliesen der Halle kehren wieder an den unterirdischen Zufahrten zum Autofoyer und markieren diese Ebene.

Als Nachfolger der Kongresshalle im Tiergarten (Hugh Stubbins, 1956-57) bezeugt das ICC die gewachsenen Anforderungen an die Bauaufgabe, für die es ein bedeutendes und prägendes Bauwerk darstellt. Mit einer Kapazität von bis zu 20.000 Besuchern war es eins der größten Kongresszentren seiner Zeit und avancierte schnell zu einem Symbol West-Berlins.

Literatur:

  • Riedel, Robert: Kongresshalle und Kongresszentrum, in: Berlin und seine Bauten. Teil IX Industriebauten Bürohäuser, Berlin/München/Düsseldorf 1971 / Seite 250-254
  • Peters, Paulhans (Hrsg.): Kongresszentren Kongresshotels (e+p Entwurf und Planung), München 1973 / Seite .
  • Reclam. Kunstführer Berlin, Stuttgart 1977 / Seite 297
  • Ausstellungs-Messe-Kongress-GmbH (Hrsg.): Internationales Congress Centrum Berlin. 2. April 1979 Eröffnung, Berlin 1979 / Seite .
  • Rave, Rolf; Knöfel, Hans-Joachim; Rave, Jan: Bauen der 70er Jahre in Berlin, Berlin 1981 / Seite 373
  • Wörner, Martin; Mollenschott, Doris; Hüter, Karl-Heinz: Architekturführer Berlin, Berlin 1997 / Seite 132
  • Meyer-Bohe, Thomas und Walter: Bauten für Schulungen, Tagungen und Kongresse, Leinfelden-Echterdingen 1983 / Seite 116-123
  • Meyer-Bohe, Thomas und Walter: Kongresszentren, in: Deutsches Architektenblatt (DAB) 10/81 / Seite 184
  • Klotz, Heinrich: Moderne und Postmoderne. Architektur der Gegenwart 1960-1980, Braunschweig/Wiesbaden 1987 / Seite 83
  • Klingmann, Anna: Synthese von Architektur und Technik. Das Internationale Congress Centrum, in: Lepik, Andres; Schmedding, Anne; Gahl, Christian (Hrsg.): Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland. Architektur in Berlin, Köln 1999 / Seite 86-87
  • Kleihues, Josef Paul; Becker-Schwering, Jan Gerd; Kahlfeldt, Paul (Hrsg.): Bauen in Berlin 1900-2000, Berlin 2000 / Seite 326
  • Pehnt, Wolfgang: Deutsche Architektur seit 1900, München 2005 / Seite 367
  • Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Berlin. Dehio-Berlin, Berlin 2006 / Seite 240
  • Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Berlin. Dehio-Berlin, Berlin 1994 / Seite 198
  • Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Berlin. Dehio-Berlin, Berlin 2000 / Seite 182
  • GCB German Convention Bureau e. V. (Hrsg.), Die deutsche Tagungs- und Kongressbranche im Wandel der Zeit, Leimen 2013 / Seite 26-28
  • Schüler, Ralf; Schüler-Witte, Ursulina: Das neue Kongresszentrum Berlin, in: werk 2/1975 Begegnungsorte - Kongresszentren / Seite 159-163
  • Neue Heimat, Monatshefte für neuzeitlichen Wohnungsbau, Internationales Congress Centrum Berlin, Heft 3, April 1979 / Seite 18-95, 110-112, 119
  • Ein Bau namens ICC Berlin, in: Bauwelt 17/1979 / Seite 676-705
  • Sack, Manfred: Kongresszentrum Berlin, Riesen-Spielzeug, Großartig, perfekt, beängstigend, in: Die Zeit, 30. März 1979 / Seite .
  • Schüler, Ralf: Centre International des Congrés, Berlin, in: Architecture D`Aujourd´hui, Nr. 212, 1980 / Seite 26-30
  • Hoffmann, Hans Wolfgang: Der zweite Blick: Das Internationale Congress Centrum Berlin, in: Deutsches Architektenblatt (DAB) 3/2001 / Seite 18
  • Düttmann, Martina: Dem ICC zum fünfundzwanzigsten Geburtstag, in: Bauwelt 13/2004 / Seite 32-37
  • Schmitz, Frank: Ungeliebtes Mutterschiff, in: Quest Magazin 12/2004 / Seite 60-67
  • Rogall, Wolfgang: ICC Berlin ist das weltweit führende Kongresszentrum, in: Baukammer Berlin (Hrsg.): Baukammer Berlin. Mitteilungsblatt für die im Bauwesen tätigen Ingenieure 2/2005 / Seite 34-36
  • Baukammer Berlin und Architektenkammer Berlin (Hrsg.): ICC, ein architektonisches Unikat und eine baukulturelle Visitenkarte Berlins. Sonderheft für das Fortbestehen des funktionsfähigen ICC, Berlin 2014 / Seite 136f.
  • Lorenz, Werner; May, Roland; Staroste, Hubert: Ingenieurbauführer Berlin, Petersberg 2020

Teilobjekt Verteilerhalle und Fußgängertunnel (Passerelle)

Teil-Nr. 09097889,T,001
Sachbegriff Fußgängertunnel
Datierung 1974-1975
Entwurf Rümmler, Rainer Gerhard (Architekt)
Adressen Hammarskjöldplatz & Messedamm & Neue Kantstraße

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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