Denkmaldatenbank
S-Bahnhof Messe Süd (vormals S-Bahnhof Eichkamp)
09096479 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Westend |
Adressen | Waldschulallee |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Bahnhof (S) |
Datierung | 1927-1930 |
Umbau | 1935 |
Entwurf | Brademann, Richard (Architekt) |
Entwurf | Hane, Fritz & Röttcher, Hugo (Architekt) |
Bauherr | Deutsche Reichsbahn |
Einen großen Einfluss auf die Entwicklung Eichkamps hatte die Anbindung an das Berliner Vorortbahnnetz. Dies bezeugt der heutige S-Bahnhof Messe Süd an der Waldschulallee, der 1927-28 vom Reichsbahnarchitekten Richard Brademann als Bahnhof Eichkamp errichtet wurde. (1) Die moderne Schnellbahnstation der Spandauer Vorortbahn (2) entstand im Zuge der Neutrassierung und der Elektrifizierung der Bahnanlagen westlich des Bahnhofs Charlottenburg an der nach Südwesten verlegten Verbindungsbahn nach Spandau. So schuf man Platz für das neue Messegelände, das zur gleichen Zeit den Haltepunkt Ausstellung (heute S-Bahnhof Westkreuz) ebenfalls an der Trasse erhielt. Die Station Eichkamp, die den alten, 1896 an der Wetzlarer Bahn eröffneten Bahnhof ersetzte, sorgte vor allem für eine bessere verkehrliche Erschließung der neuen Siedlungen und Sportstätten. Sie gehört zu den ersten Bahnhofsbauten, die das moderne großstädtische Bild des elektrifizierten Berliner Nahverkehrs verkörperten. Hierfür schuf Richard Brademann, der als leitender Architekt (3) der Reichsbahndirektion Berlin durch die Anwendung einheitlicher Entwurfsprinzipien einen regelrechten Reichsbahnstil kreierte, sachliche Funktionsgebäude mit rotbunten Klinkerfassaden, anfangs wie hier mit expressionistischen Details, flachen Dächern und einem klaren, übersichtlichen Aufbau zur Orientierung für den Fahrgast. In Eichkamp legte Brademann das Empfangsgebäude auf die Südseite des tief im Einschnitt liegenden Mittelbahnsteigs, orientierte es eingeschossig zum Bahnhofsvorplatz und entwickelte es aufgrund der Hanglage zu einem dreigeschossigen Bau zur Gleisseite. Die symmetrische Platzfront besticht durch einen breiten Eingangsvorbau mit dreieckigen expressionistisch anmutenden Wandvorlagen. Darüber zeichnet sich zurückgesetzt die hohe Schalterhalle mit bandartig gereihten Oberlichtern ab. Von der großzügigen Halle mit gelben Keramikwandfliesen führt eine überdachte, dreifach gestufte Brücken- und Treppenanlage in Eisenkonstruktion hinab zum Bahnsteig, die mehrfach erweitert wurde. Zunächst wurde 1935 durch einen weiteren Zugang auf der gegenüberliegenden Böschung das sich entwickelnde Messegelände mit der neu erbauten Deutschlandhalle verbunden; nach Plänen der Reichsbahnarchitekten Fritz Hane und Hugo Röttcher entstand eine spiegelbildliche Brückenverlängerung. Im Rahmen der Bahnhofssanierung für die Wiederinbetriebnahme nach der Stilllegung des S-Bahnverkehrs 1984 sowie zur Bewältigung des Besucherverkehrs zum massiv ausgebauten Messegelände wurden bis Ende der 1990er Jahre neue Zugänge geschaffen: Parallel zum oberen Brückenübergang entstand ein verglaster Stahlgang mit einem Personenaufzug. Zusätzlich richtete man an den Enden des jetzt überdachten Bahnsteiges Ausgänge zur Messedammbrücke und zum Sonderzugang der Messe Berlin ein. Bei der Instandsetzung des Eingangsgebäude 1999/2000 verzichtete man auf die Wiederherstellung der charakteristischen Diagonal-Sprossenteilung der Oberlichtfenster; auch Kiosk, Bahnhofsgaststätte und Fahrkartenschalter wurden nicht wiederbelebt. 2002 erhielt die zuvor Eichkamp genannte Station ihren heutigen Namen. (4)
(1) Verkehrstechnik 8 (1927), S. 555 f.; Verkehrstechnische Woche 21 (1927), S. 219-223; 30 (1936,) S. 703 f.; Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen 68 (1928), S. 926; ZBV 48 (1928), S. 429 f.; 57 (1937), S. 812-818; ZfW 80 (1930), S. 25-29, 35; Röttcher, Hugo: Empfangsgebäude der Personenbahnhöfe, Berlin, 1933, S. 125; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 591; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil X, Bd. B (2), Fernverkehr, Berlin-München-Düsseldorf 1984, S. 66 f., 176; Dost, Susanne: Richard Brademann (1884-1965), Architekt der Berliner S-Bahn, Berlin 2002, S.130-133; Elektropolis Berlin, Architektur- und Denkmalführer, hrsg. v. Thorsten Dame, Berlin 2014, S. 289, 349 f.
(2) Die Spandauer Vorortbahn (auch Westbahn, Grunewaldbahn, Olympiabahn) führt seit ihrer Verlegung 1928 vom Bahnhof Westkreuz an der verlängerten Stadtbahn zum Bahnhof Spandau. Sie wurde 1908-11 zur Erschließung der neu entstandenen Siedlungsgebiete am nördlichen Rand des Grunewalds bzw. für den Vorortverkehr nach Spandau erbaut.
(3) Richard Brademann (1884-1965) war als Hausarchitekt der Deutschen Reichsbahn für alle ihre Hochbauten in Berlin zuständig. Ab 1922 entwarf er die Neubauten für die Stromversorgung und den Betrieb der S-Bahn, die mit ihrem sachlichen, von der Funktion geprägten Stil zu einem Markenzeichen der expandierenden Metropole Berlin wurden.
(4) Bis 1936 Eichkamp, bis 1946 Deutschlandhalle, bis 2002 Eichkamp.
Literatur:
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 591
- BusB X B 2 1984 / Seite 66 f., 176
- Berlin und seine Eisenbahnen, 1896 / Seite 316, 337 125
- Remy, Dr. Ing., Bahnhofsumbauten im Rahmen der Elektrisierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen in
Zentralblatt der Bauverwaltung 48 (1928) / Seite 421-425, 429-433, 470-473, - Zeitschrift für Bauwesen 80 (1930) / Seite 25, 27, 35
- Röttcher, Hugo, Empfangsgebäude der Personenbahnhöfe, Berlin 1933 / Seite 125
- Verkehrstechnische Woche (1936) / Seite 704
Kontakt
Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem
- Tel.: (030) 90259-3653
- Fax: (030) 90259-3700
- E-Mail juliane.stamm@lda.berlin.de
Verkehrsanbindungen
-
U-Bahn
-
Bus
-
Jüdenstr.
- 248
- 300
-
Nikolaiviertel
- N8
- N40
- N60
- N65
-
Jüdenstr.