Denkmaldatenbank
Haus Urban
09096476 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Westend |
Adressen | Ulmenallee 32 Eschenallee 12 |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Wohnhaus & Garage & Einfriedung |
Entwurf | 1911 |
Datierung | 1912 |
Umbau | 1924 |
Umbau | 1925, 1925 |
Entwurf | Renner, Paul (Architekt) |
Entwurf | Mies van der Rohe, Ludwig (Architekt) |
Bauherr | Urban, Eduard (Verlagsbuchhändler) |
Ausführung | H. Leist (Baugeschäft) |
Ausführung | Hermann Schäler (Baugeschäft) |
Auf der exponierten, großen Eckparzelle Ulmenallee/Eschenallee präsentiert sich seit 2010 die Botschaft der Republik Kamerun im 1911-12 errichteten Landhaus Ulmenallee 32. (1) Auftraggeber war Dr. Eduard Urban, Leiter des naturwissenschaftlich-medizinischen Verlags Urban & Schwarzenberg, planender Architekt der überwiegend in Berlin tätige Paul Renner. (2)
Das Gebäudeäußere entspricht weitgehend seinem bauzeitlichen Erscheinungsbild. Es ist ein wichtiges Beispiel für die Reformarchitektur der späten Kaiserzeit. Zwei verschiedenartige Baukörper mit unterschiedlichen Dachformen sind hier harmonisch vereint. Die Fassaden zeigen eine freie, asymmetrische Gliederung. Prägendes Motiv sind die hochrechteckigen Fenster, die in unterschiedlichen Formvarianten und Gruppierungsarten den Baukörper gliedern. Die Kombination von drei schlitzartigen Fenstern zu einer Einheit war zur Bauzeit sehr modern. Ein hochwertiges Erscheinungsbild besitzt das Haus durch feine Putzkanten, die markante Türeinfassung aus Werkstein und kunstvollen, schmiedeeisernen Ziergitter. Ihre Dekorformen korrespondieren mit jenen der bauzeitlich erhaltenen schmiedeeisernen Einfriedung des Grundstücks. Originell ist die Gestaltung der Eingangspforte mit Steinkugeln und Torbogen mit Kugellaterne. Zwei zeitgenössische Mosaikfelder bilden die Köpfe von Kamerun-Löwen ab. Im großzügig konzipierten Inneren der Villa bezeugen Wandvertäfelungen, Schiebetüren, Kamine die bauzeitlich repräsentative Ausstattung des Landhauses. 1925-26 erfolgten Umbauten nach Entwürfen des berühmten Architekten Mies van der Rohe. (3) Der ehemalige Wintergarten der Südostecke wurde zu einem Damenzimmer verändert. Schiebetüren und Deckenstuck feiner klassizistischer Manier nach Entwürfen von Mies bezeugen heute den Respekt, den er dem Rennerschen Bau und seiner Ausstattung entgegenbrachte. Im südlichen Grundstücksbereich ist die 1912 errichtete ehemalige Autogarage mit zwei Doppeltoren erhalten (Eschenallee 12). Ihre nördliche Erweiterung von einer Bauachse sowie ihre Aufstockung mit einem Mansardwalmdach erfolgten bereits 1924 nach Entwürfen von Mies. Sie dienten dem Zugewinn einer Wohnung von etwa 42 Quadratmetern für das Chauffeurehepaar.
(1) Der Profanbau 8 (1912), S. 232-34; Renner, Paul: Sammelwerk moderner Bauten und Architektur, Berlin 1913, S. 61-63; Deutsche Bauhütte 17 (1913), S. 592; Berliner Architekturwelt 17 (1915), S. 265; Berliner Architekturwelt 20 (1918), S. 285 f.; Alexander Kochs Handbuch neuzeitlicher Wohnungskultur, Bd. 7: Speise-Zimmer und Küchen, Darmstadt 1920, S. 180; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Textband u. Tafelband, Berlin 1961, S. 413; Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Berlin, bearb. v. Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke u. a., 3. Aufl., durchgesehen u. ergänzt v. Michael Bollé, München-Berlin 2006, S. 280.
(2) Paul Renner (1884- nach 1958).
(3) Marx, Andreas u. Weber, Paul: Konventionelle Kontinuität. Mies van der Rohes Baumaßnahmen an Haus Urban 1924-26. Anlass zu einer Neueinschätzung seines konventionellen Werkes der 1920er Jahre. In: Cramer, Johannes, Sack, Dorotheé (Hrsg.): Mies van der Rohe. Frühe Bauten. Probleme der Erhaltung. Probleme der Bewertung (Berliner Beiträge zur Bauforschung und Denkmalpflege 1), Petersberg 2004, S. 163-78.
Literatur:
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 413
- Berliner Architekturwelt 17 (1915) / Seite 265
- Berliner Architekturwelt 20 (1918) / Seite 232-234
- Der Profanbau 8 (1912) 9 / Seite 592
- Deutsche Bauhütte 17 (1913) / Seite 61-63
- Renner, Paul: Sammelwerk moderner Bauten und Architektur, Berlin 1913 / Seite .
- Marx, Andreas; Weber, Paul: Konventionelle Kontinuität. Mies van der Rohes Baumaßnahmen an Haus Urban 1924-26; Anlaß zu einer Neueinschätzung seines konventionellen Werkes der 1920er Jahre, in: Cramer, Johannes (Hg.): Mies van der Rohes frühe Bauten. Prob / Seite 180 (Küche im Kellergeschoß von Haus Urban)
- Koch, Alexander: Handbuch neuzeitlicher Wohnungskultur, Bd. Speisezimmer und Küchen, Darmstadt 1921,
Kontakt
Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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