Denkmaldatenbank
Europacenter
09096462 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Charlottenburg |
Adressen | Tauentzienstraße 9 Budapester Straße 45 |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Büro- und Geschäftshaus |
Datierung | 1963-1965 |
Entwurf | Hentrich, Helmut & Petschnigg, Hubert (Architekt) |
Ausführung | Arge Europahaus |
Bauherr | Europahaus Grundstücksgesellschaft mbH und Co. KG |
An der Ostseite des Breitscheidplatzes wurden Wiederaufbau und Neugestaltung erst 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch das Büro- und Geschäftshaus Europa-Center, Tauentzienstraße 9, vorerst vollendet. (1) Mit dem 1963-65 nach Plänen von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg (HPP) erbauten Gebäudekomplex, bestehend aus dem 22-geschossigen Bürohochhaus mit weithin sichtbarem Mercedes-Stern und einer niedrigeren Sockelbebauung, signalisierte der Bauherr, der Unternehmer Karl Heinz Pepper, seinen Durchhaltewillen nach dem Mauerbau 1961, als viele andere Firmen im Gegensatz zu ihm die Stadt verließen. Er hatte das traditionsreiche Grundstück, auf dem einst das Neue Romanische Haus von Franz Schwechten mit dem Romanischen Café gestanden hatte und das nach der Enttrümmerung lange unbebaut geblieben war, erworben, um dort nahe dem Zentrum am Zoo und der neuen Gedächtniskirche einen weiteren spektakulären Neubau zu schaffen. (2) Mit der Konzeption einer von internen Straßen erschlossenen Ladenpassage, einer vielfältigen Nutzungsmischung und der architektonischen Gestaltung des mit insgesamt 103 Metern damals höchsten Gebäudes der Stadt griff Pepper für das Europa-Center bewusst amerikanische Vorbilder auf. (3) Die Ballung urbaner Funktionen sollte den Breitscheidplatz auch nach Geschäftsschluss beleben; dementsprechend fanden in dem Gebäude neben fast 100 Läden auch Gaststätten, Bars, Cafés, Kinos, Kabarett, Galerien, ein Hotel und eine Eislaufbahn Platz. (4) Heute wird das Europa-Center trotz zahlreicher Umbauten und Veränderungen innen wie außen noch immer als Einkaufscenter, Bürogebäude und Hotel genutzt. Mit seiner markanten Architektur ist es zu einem Wahrzeichen der City West geworden.
Über der zweigeschossigen Sockelbebauung, die das gesamte Grundstück zwischen Budapester Straße, Breitscheidplatz und Tauentzienstraße ausfüllt, erheben sich vier höhere Bauteile: Neben dem Bürohochhaus, das als Stahlskelettbau mit Stahlbetonkern und Vorhangfassade ausgeführt ist (5), sind das zum Breitscheidplatz das aufgeständerte dreigeschossige Bürogebäude, an der Budapester Straße das heute neungeschossige Hotel Palace und an der Tauentzienstraße ehemals ein Kaufhaus mit Kino, das 2006 durch einen Geschäftshausneubau ersetzt wurde. (6) Das ursprüngliche Konzept der offenen Höfe und Ladenstraßen im Inneren, das Vorbild war für weitere Einkaufszentren wie Kudamm-Eck und Kudamm-Karree, war bereits 1974-76 durch die Schließung der Zugänge durch Glastüren und die Überdachung der Innenhöfe aufgegeben worden. (7) Der fußläufige Anschluss an den Breitscheidplatz erfolgte erst nach 1980, als die Straßenverbindung zwischen Budapester- und Tauentzienstraße ("Schnalle") geschlossen und der Weltkugelbrunnen aufgestellt wurden. (8) Von den ursprünglichen Ausstattungselementen sind im Inneren Leuchten aus Murano-Glas erhalten. Der zehn Meter hohe Mercedes-Stern auf dem Dach erhielt 2006 einen neuen Motor. Die gläserne Wasseruhr von Bernard Gitton im Innenhof wurde 1982 aufgestellt, der Lichtobelisk von Heinz Mack steht seit 1987 an der Tauentzienstraße.
(1) BW 54 (1963), S. 648, 1002-1004; Berliner Bauwirtschaft (1964), S. 256-259; BW 55 (1964), S. 256-259; BW 56 (1965), S. 962-969; db 69 (1964), S. 803-811; db 70 (1965), S. 447; db 100 (1966), S. 268-273; DBZ 14 (1966), S. 357-364; Glasforum (1966), S. 24-28; Rave, Rolf/Knöfel, Hans-Joachim: Bauen seit 1900 in Berlin, Berlin 1968, Nr. 12; Stahlbauten in Berlin, hrsg. v. Deutschen Stahlbau-Verband, Köln 1971, S. 90 f.; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IX, Industriebauten - Bürohäuser, Berlin-München-Düsseldorf 1971, S. 178 f., 213; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil VIII, Bauten für Handel und Gewerbe, Bd. A, Handel, Berlin 1978, S. 270-272, 294; Metzger, Karl-Heinz/Dunker, Ulrich: Der Kurfürstendamm, Leben und Mythos des Boulevards in 100 Jahren deutscher Geschichte, Berlin 1986, S. 230-234; Sedlmaier, Alexander: Berlin's Europa-Center (1963-65), Americanisation, Consumerism, and the Uses of the International Style. In: Greve, Cordula (Hrsg.): From Manhattan to Mainhattan: Architecture and Style as Transatlantic Dialogue 1920-1970 (Bulletin of the German Historical Institute, Supp. 2), Washington D.C. 2005 (2006), S. 87-99; Buttlar, Adrian von: "Germanic" Structure versus "American" Texture in German High-Rise-Building. In: Greve 2006, S. 65-86; Baukunst der Nachkriegsmoderne, Architekturführer Berlin 1949-1979, hrsg. v. Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Berlin 2013, S. 187 ff.; Liebing, Hagen u.a.: Berlins Weg in die Wolken, 50 Jahre Europa-Center im Herzen der City West, Berlin 2015.
(2) Als künstlerische Berater waren Senatsbaudirektor Werner Düttmann und Egon Eiermann berufen worden. Das zugrunde liegende Entwurfsraster sollte sich an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche orientieren.
(3) Das Hochhaus des Europa-Centers stellt eine Paraphrase des Lever House in New York dar, das 1951-52 nach dem Entwurf von Gordon Bunshaft (SOM) erbaut worden war. Auch für die Eisbahn gab es ein amerikanisches Vorbild, das New Yorker Rockefeller Center. Vgl. Baukunst der Nachkriegsmoderne 2013, S. 187 f.
(4) Das Palace Hotel wurde 1968 an der Budapester Straße eröffnet, das 1988 das Gebäude der Spielbank Berlin übernahm. 1992-93 wurde das sechsgeschossige Hauptgebäude um drei weitere Etagen aufgestockt, 2002 der Spa- und 2004 der Veranstaltungsbereich mit Ballsaal erweitert. Vgl. Wikipedia, Stichwort "Palace Hotel" und "Europa-Center"
(5) Die Fassade des Hochhauses mit der gleichmäßigen horizontalen Reihung von Fensterbändern und grauen Glasbrüstungen sowie vertikalen Aluminiumprofilen wurde 2001 erneuert. Die neuen Isolierglasfenster bewirken den Verlust der ursprünglichen Transparenz.
(6) An der Nürnberger Straße wurde ein Parkhaus für das Europa-Center errichtet, auf dem Karl Heinz Pepper 1979 den vorgeschriebenen Feuerlöschteich als Bade- und Saunalandschaft, die "Thermen am Europa-Center, ausbauen ließ. An der Ecke Budapester und Nürnberger Straße schließt sich das vierzehngeschossige Apartmenthaus Eden an, das 1964-65 von Bernhard Binder errichtet wurde. Das Kino Royal Palast war 1966 eines der größten Kinos in West-Berlin mit einer gebogenen Breitwand-Leinwand, die mit 9,5 x 25 Metern damals weltweit die größte war. Vgl. Liebing, Hagen u.a.: Berlins Weg in die Wolken, 50 Jahre Europa-Center im Herzen der City West, Berlin 2015, S. 36, 46.
(7) Die Eisbahn wurde 1979 geschlossen. Vgl. Liebing, Hagen u.a.: Berlins Weg in die Wolken, 50 Jahre Europa-Center im Herzen der City West, Berlin 2015, S. 50 f.
(8) Entsprechend dem damaligen städtebaulichen Leitbild der "autogerechten Stadt", das forderte, Verkehrswege zu trennen, war das Europa-Center durch Fußgängerbrücken über die Budapester Straße mit dem Zentrum am Zoo sowie über die Tauentzienstraße mit dem Pylon an der Marburger Straße verbunden. An der Nordseite ist noch ein externer Treppenaufgang erhalten, der einst auf die nördliche Brücke führte. Vgl. Baukunst der Nachkriegsmoderne 2013, S. 188.
Literatur:
- Bauwelt 55 (1964) / Seite 256-259
- Bauwelt 54 (1963) / Seite 648, 1002-1004
- Bauwelt 56 (1965) / Seite 962-969
- Deutsche Bauzeitung 69 (1964) / Seite 803-811
- Deutsche Bauzeitung 70 (1965) / Seite 447
- Deutsche Bauzeitung 100 (1966) / Seite 268-273
- Deutsche Bauzeitschrift 14 (1966) / Seite 357-364
- Glasforum (1966) / Seite 24-28
- Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite Nr. 12
- Stahlbauten in Berlin (1971) / Seite 90 f.
- BusB IX 1971 / Seite 177-179, 213
- BusB VIII A 1978 / Seite 294
Kontakt
Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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