Denkmaldatenbank

Postamt, Mietshaus, Geschäftshaus Ratzeburger Allee 1 Reichsstraße 21 Rüsternallee 45

Obj.-Dok.-Nr. 09096398
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Westend
Adressen Ratzeburger Allee 1

Reichsstraße 21

Rüsternallee 45
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Postamt & Mietshaus & Geschäftshaus
Datierung 1930-1931
Entwurf Caro, Georg (Architekt)
Ausführung Emil A. Bopst (Baugeschäft)
Bauherr Oberpostdirektion Berlin-Charlottenburg

Am südlichen Westrand der Villenkolonie, in städtebaulich markanter Lage, steht das Wohn- und Geschäftshaus mit ehemaligem Postamt Ratzeburger Allee 1, Reichsstraße 21, Rüsternallee 45. Es gehört zu den eindrucksvollsten Berliner Beispielen dieser Baugattung in der Formensprache des Neuen Bauens. (1) Ursprünglich befand sich im Kopfbau zur Rüsternallee die Postschalterhalle, im Flügel zur Ratzeburger Allee die Diensträume des Postamts Charlottenburg 11. Heute nutzt den Erdgeschossbereich ein Postbank Finanzcenter der Deutschen Post. Die übrigen vier Gewerbeeinheiten in der Erdgeschosszone des Hauses sind durch Gastronomie und Einzelhandel belebt und wichtiger Bestandteil des regen Einzelhandels am Steubenplatz als nordwestlichem Endpunkt der geschäftigen Reichsstraße.

Das auf einem trapezförmigen Grundstück errichtete Gebäude im Kreuzungsbereich dreier Straßenzüge entstand 1930-31 nach Entwürfen des Architekten Georg Caro für den Grundstückseigentümer und Bauunternehmer Emil A. Bopst sowie die Oberpostdirektion Berlin-Charlottenburg. Die hohe Qualität des Miets- und Geschäftshauses liegt in der differenzierten Verteilung der Baumassen, dem spannungsvollen Zusammenspiel von Quadrat- und Kreisformen sowie in der handwerklichen Sorgfalt der Bauausführung.

Der Flügel an der Reichsstraße mit Dreizimmerwohnungen und der konkav einschwingende Gelenkbau zur Rüsternallee mit Fünfzimmerwohnungen zählen sechs Geschosse. Der ehemals für die Postnutzung angelegte Gebäudeflügel zur Ratzeburger Allee weist vier Geschosse auf. Der höhengestufte, kubische Baukörper ist in seinem weitansichtigen Winkel an der Rüsternallee effektvoll durch einen Treppenhausrisalit mit übereck gezogenen Fensterbändern akzentuiert. Er erinnert an die Formensprache des Neuen Bauens der 1920er Jahre. Der halbrund ausschwingende Eingangsvorbau mit expressivem Haupteingang schafft einen harmonischen Übergang zwischen Haus und vorplatzartig aufgeweitetem Straßenraum.

Der hell verputzten Baukörper ist sachlich und gleichmäßig gerastert mit Betonung der Horizontalen durch querrechteckige Fenster. Untergeschoss, Fensterlaibungen, Eck- und Mittelpfosten sowie kräftige und zarte Gesimsbänder sind mit gelbbraunen Travertinplatten verkleidet, die dem Wohn- und Geschäftshaus mit Postamt eine exklusive, elegante Note verleihen.


(1) Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IV, Wohnungsbau, Bd. A, Die Voraussetzungen, Die Entwicklung der Wohngebiete, Berlin 1970, S. 279, Nr. 123, XXI; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil X, Bd. B (4), Anlagen und Bauten für den Verkehr - Post- und Fernmeldewesen, Berlin 1987, S. 80, 195, Abb. 158.

Literatur:

  • BusB X B 4 1987 / Seite 80, 195

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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