Denkmaldatenbank
Haus Höcker mit Garten
09096374 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Westend |
Adressen | Nußbaumallee 8 Lindenallee 6 |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Wohnhaus & Garten |
Datierung | 1929 |
Umbau | 1955 |
Entwurf | Gellhorn, Alfred (Architekt) |
Bauherr | Höcker, Paul Oskar (Schriftsteller) |
Ausführung | Jacob Koch (Baugeschäft) |
Nördlich der stadtgeschichtlich bedeutenden Lindenallee 7 prägt das Haus Höcker mit der Adresse Nußbaumallee 8 den Platz, obwohl es in der Tiefe des Grundstücks liegt. (1) Das 1928-29 von dem bedeutenden Architekten Alfred Gellhorn für das befreundete Schriftstellerehepaar Grete und Paul Oskar Höcker entworfene Einfamilienhaus repräsentiert den Baustil der gemäßigten Moderne. (2) Der kubische, gestaffelte Baukörper mit Balkon adaptiert die Errungenschaften des Neuen Bauens der frühen 1920er Jahre. Das Ziegel gedeckte, flache Walmdach, die grobkörnigere Putzstruktur und die untergliederten Holzfenster jedoch belegen den Wandel in den späten 1920er Jahren vom Haus der radikalen Moderne, etwa mit Flachdach, Glattputz und ungegliederten Stahlrahmenfenstern, zur "gefälligeren" Wohnarchitektur für das vermögende Bürgertum. Das Haus wurde 1955 durch Karla Höcker, die Tochter der Bauherren, an der Westseite um einen zweigeschossigen Anbau erweitert, der sich formal dem originalen Bestand angleicht. (3)
Um die Fläche des Gartens so groß als möglich zu halten, wurde das Haus 1929 nahe an die westliche Grundstücksgrenze gerückt. Der Hauseingang liegt an der Nußbaumallee, dort wo sich die bauzeitlich angelegte Garage mit "Auto-Rampe" befindet. Der historische Grundriss zeigt einen innovativen kombinierten Ess- und Wohnbereich, der sich durch Fenstertüren zum Außenraum öffnete.
Die Besonderheit des großbürgerlichen Einfamilienhauses lag einst in der engen Beziehung von Haus und Garten. Letzter war von dem bekannten Gartenkünstler Gustav Allinger angelegt worden und muss Plänen und historischen Fotos zufolge eine wahrhaft großartige Schöpfung seiner Zeit gewesen sein. (4) Die Konzeption dieses "Wohngartens" haben Grete Höcker und Alfred Gellhorn 1932 in der Zeitschrift "Gartenschönheit" erläutert. (5)
(1) Gartenschönheit 13 (1932), S. 83 f.; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IV, Wohnungsbau, Bd. C, Die Wohngebäude, Einfamilienhäuser; Berlin-München-Düsseldorf 1975, S. 338 f., 401; Haddenhorst, Michael/Börsch-Supan, Helmut: Westend, Berlin 1997, S. 36 f.; Bußmann, Annette: Zu Adaption und Demontage von Architekturgeschichte im "Neuen Bauen" der Weimarer Republik: Alfred Gellhorn (1885-1972). Bauten, Projekte, Schriften 1920 bis 1933, 2 Bde., Diss. Philipps-Universität Marburg 2003, Bd. 1: S. 49, 256, 259, 308, 335, 338, 364, 391-392, Bd. 2: Abb. 31, 31.1-3.
(2) Alfred Gellhorn (1885-1972), vgl. Bußmann, Annette: Zu Adaption und Demontage von Architekturgeschichte im "Neuen Bauen" der Weimarer Republik: Alfred Gellhorn (1885-1972). Bauten, Projekte, Schriften 1920 bis 1933, 2 Bde., Diss. Philipps-Universität Marburg, 2003. Das Haus Nußbaumallee 8 ist das zweite Bauprojekt des Schriftstellerehepaars Höcker in Westend. Zuvor ließen sie sich ein Haus in der Lindenallee 21 errichten.
(3) Karla Höcker, Musikerin und Schriftstellerin, ist erst in hohem Alter aus ihrem Elternhaus ausgezogen. In einigen ihrer Romane lassen sich Anspielungen sowohl auf das "alte" Haus Höcker, Lindenallee 21, und das "neue" Haus Höcker, Nußbaumallee 8, finden.
(4) Pläne und Fotos vgl.: Gartenschönheit 13 (1932) (bzw. Bußmann 2003, Bd. 2: Abb. 31, 31.1-3). Mit Allinger hatte Gellhorn bereits 1927 beim Haus für den Bankier Franz Ebstein (Milinowskistraße 35, Zehlendorf) zusammengearbeitet.
(5) Gellhorn, Alfred: Ein Wohngarten. Hausgarten Höcker. In: Gartenschönheit 13 (1932), S. 83 f.; Höcker, Grete: Mein Garten und ich, ebd., S. 84 f.
Literatur:
- BusB IV C 1975 / Seite Obj. 338, 2211
- Gellhorn und Höcker/ Ein Wohngarten =Gartenschönheit 13 (1932) / Seite 83 f.
Kontakt
Juliane Stamm
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