Denkmaldatenbank
Landhaus von der Schulenburg
09096355 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Westend |
Adressen | Mohrunger Allee 2A |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Einfamilienhaus |
Datierung | 1935 |
Entwurf | Schweitzer, Heinrich (Architekt) |
Bauherr | Schulenburg, Wolf Werner von der (Graf) |
Südlich der Sensburger Allee errichtete das Baugeschäft Erich Poltze (1) 1935 auf dem Grundstück Mohrunger Allee 2A das Landhaus von der Schulenburg (2) nach Plänen von Heinrich Schweitzer. (3) Im Oeuvre des für seine Wohngebäude bekannten Architekten ist das eingeschossige Landhaus mit Walmdach eines der letzten realisierten Bauvorhaben. Bauherr war Graf Wolf-Werner von der Schulenburg, (4) der sich den neuen Wohnsitz nahe des Deutschen Sportforums (5) aufgrund seiner Stellung als Referent des Reichssportführers errichten ließ. Mit seiner vierachsigen Längsseite ist der gestreckte Baukörper des Landhauses zur Arysallee ausgerichtet, während die Schmalseiten lediglich zwei bzw. drei Fenster umfassen. Prägend sind die weiß gestrichenen Sprossenfenster mit dunklen Läden, die zurückhaltend mit den sandfarbenen Putzfassaden harmonieren. Biberschwänze in Kronendeckung, breite Schleppgauben und zwei auf Symmetrie angelegte Kaminzüge zeichnen hingegen das hohe Walmdach aus. Der Hauszugang im Norden und die gesprosste Gartentür im Süden brechen aufgrund ihrer ausmittigen Lage mit der ansonsten strengen Symmetrie der Gebäudeansichten und lockern die Fassadengliederung etwas auf. Eine Teilunterkellerung im Westen und Norden nimmt Wachküche sowie Wirtschafts- und Kohlenkeller auf. Eben zum Gartenniveau angelegt, orientiert das Erdgeschoss hingegen Wohn-, Ess- und Herrenzimmer nach Süden, während im Norden zur nahen Parzellengrenze Diele, Küche und Damenzimmer angeordnet sind. In der ausgebauten Dachebene folgen schließlich das Schlafzimmer mit Ankleideraum im Süden zum Garten und das Bad nach Norden. Heinrich Schweitzer orientierte seinen Entwurf an der Architektur um 1800 und gestaltete ein intimes Wohnhaus, das ein zurückgezogenes aber zugleich bequemes Leben im Sinne spartanischer Ideale des preußischen Adels ermöglicht. Bis zu Ihrem Tod 1987 bewohnte die Ehefrau des Bauherren, Gräfin Gisela von der Schulenburg, geb. Freiin von Stralenheim, das von einem Küchenausbau im Dachgeschoss abgesehen, (6) unverändert erhaltene Landhaus.
(1) Bauakte BWA-Charlottenburg, Mohrunger Allee 2A, Band 1, fol. 58.
(2) Bauakten BWA-Charlottenburg, Mohrunger Allee 2A, Band 1-2.
(3) Heinrich Schweitzer, 1871-1953, Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart und der Technischen Hochschule München, Mitarbeit bei Alfred Messel vor Bürogründung mit Martin Altgelt 1903, eigenes Büro seit 1906, neben zahlreichen Wohngebäuden u.a. Admiralspalast (1910-11) an der Friedrichstraße und Kapelle auf dem Waldfriedhof in Dahlem (1931-32).
(4) Graf Wolf-Werner von der Schulenburg, 1899-1944, Bruder von Fritz-Dietlof von der Schulenburg, der dem inneren Kreis der Gruppe um das gescheiterte Attentat am 20.07.1944 auf Adolf Hitler angehörte und am 10.08.1944 in Plötzensee hingerichtet wurde. Graf Wolf-Werner von der Schulenburg, Wehrmachtsoffizier und SA-Brigadeführer, war hingegen nicht in den Kreis der Widerstandsbewegung involviert und bereits vor dem Attentat an der Westfront in Saint-James, Frankreich gefallen.
(5) Deutsches Sportforum, 1926-28; Ausbau 1934-36 von Werner March in Vorbereitung der Olympischen Sommerspiele.
(6) Bauakte BWA-Charlottenburg, Mohrunger Allee 2A, Band 1, fol. 93.
Literatur:
- Kardorff, Ursula von, Berliner Aufzeichnungen. Aus den Jahren 1942-45, München 1981 / Seite 160-161, 317-318
- Ritter, Gerhard, Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, Stuttgart 1954 / Seite 534
- Krebs, Albert, Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg. Zwischen Staatsraison und Hochverrat, Hamburg 1964 / Seite 27, 38, 42, 48, 51, 65, 95, 304
- N.N./ Villa Ramm in Dahlem-Grunewald, Cäcilien-Allee, Architekt/ Heinrich Schweitzer =Berliner Architekturwelt 14 (1912) 1 / Seite 23-27, möglicherw. auch Berliner Architekturwelt 13 (1911)
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 470 (Georg-Kolbe-Hain)
- Posener, Berlin auf dem Wege, 1979 / Seite 303, 304, 631
Kontakt
Juliane Stamm
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