Denkmaldatenbank
Allianz-Haus
09096212 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Charlottenburg |
Adressen | Joachimsthaler Straße 10, 11, 12 |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Büro- und Geschäftshaus |
Datierung | 1953-1955 |
Entwurf | Gunzenhauser, Alfred & Schwebes, Paul (Architekt) |
Ausführung | Arge Allianz-Haus |
Bauherr | Allianz-Versicherungs-AG |
Darüber hinaus trug die Neubebauung für die Allianz Versicherungs-AG auf Grundstücken von drei kriegszerstörten Mietshäusern dazu bei, dem Platz ein völlig neues Erscheinungsbild zu geben. Der 1953-55 nach Entwurf von Alfred Gunzenhauser und Paul Schwebes erbaute mehrteilige Büro- und Geschäftshauskomplex mit dem 14-geschossigen Allianz-Hochhaus, Joachimsthaler Straße 10-12, war der erste, der nicht nur die übliche Traufhöhe am Kurfürstendamm deutlich überschritt, sondern auch die städtebauliche Struktur der Blockrandbebauung aufbrach. (1) Mit der Anordnung der Hochhausscheibe und des nach Norden anschließenden sechsgeschossigen Flügels mit siebengeschossigem Kopfbau am Kurfürstendamm wurde an der Joachimsthaler Straße eine platzartige Erweiterung geschaffen. Ursprünglich zum Teil als Parkplatz genutzt, wurde diese Fläche 2002-03 vom Schweizer Landschaftsarchitekten Guido Hager umgestaltet und mit der Skulptur "Pendelobelisk" von Karl Schlamminger ausgestattet. (2) Bei umfassenden Sanierungsmaßnahmen 2001 wurden an den Gebäuden die Fenster erneuert, das Innere umgebaut und das Firmenlogo am Hochhaus durch den Schriftzug auf dem Dach ersetzt. Die Natursteinverkleidung der Fassaden und das zeittypische, nierenförmig geschwungene Treppenhaus blieben jedoch erhalten. Das Allianz-Gebäude stellt als das erste Hochhaus am Kurfürstendamm, das Vorbild für weitere Geschäftshäuser wurde, ein wichtiges Zeugnis für Wiederaufbau und City-Bildung in den 1950er Jahren dar.
1952 war bei einem Wettbewerb der Entwurf von Alfred Gunzenhauser mit dem ersten Preis ausgezeichnet und in Zusammenarbeit mit dem zweiten Preisträger Paul Schwebes zur Ausführung bestimmt worden. (3) Dabei ging die Gestaltung des mit seiner Breitseite parallel zum Kurfürstendamm stehenden Hochhauses mit Travertin-Verblendung und vertikalen Rippen, die das Fensterraster über alle Geschosse hinweg überlagern und der Fassade eine monumentale Wirkung verleihen, wohl auf Alfred Gunzenhauser zurück. Dagegen war Paul Schwebes vor allem für die Ladenzeile vor dem niedrigeren, leicht konkav geführten Flügel mit den zum Teil aus der Bauflucht gedrehten, filigran gerahmten Schaufenstern und dem weit auskragenden, geschwungenen Vordach verantwortlich, die dem Bau die Leichtigkeit und Eleganz der Architektur der 1950er Jahre hinzufügte. Auch der schmale Kopfbau, der sich mit geschosshohen Fensterelementen zum Joachimsthaler Platz wendet, lockert die Strenge des auf Repräsentation bedachten Versicherungsgebäudes auf. (4)
(1) BW 43 (1952), H. 43, S. 685-687 (Wettbewerb); BW 46 (1955), H. 47, S. 953-957; Hagemann, Otto: Hauptstadt Berlin, Berlin 1956, S. 37, Abb. 122; Das neue Gesicht Berlins, ein Bildbuch von Otto Hagemann, Berlin 1957, Abb. 12-13; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 660, Abb. 858, 859; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IX, Industriebauten - Bürohäuser, Berlin-München-Düsseldorf 1971, S. 164 f., 209, Abb. 234, 235; Bauen in Berlin, 1900-2000, hrsg. v. Josef Paul Kleihues, Jan Gerd Becker-Schwering, Paul Kahlfeldt, Ausstellungskat., Berlin 2000, S. 233; Wörner, Martin/Mollenschott, Doris/Hüter, Karl-Heinz: Architekturführer Berlin, 6. Aufl., Berlin 2001, S. 165; Dorsemagen, Dirk: Büro- und Geschäftshausfassaden der 50er Jahre, Konservatorische Probleme am Beispiel West- Berlin, Diss. Berlin 2004, Kat. Nr. 20; Baukunst der Nachkriegsmoderne, Architekturführer Berlin 1949-1979, hrsg. v. Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Berlin 2013, 172 f.
(2) Die Gestaltung von Guido Hager umfasste die Neupflasterung des ehemaligen Parkplatzes, die Aufstellung von steinernen Bänken sowie vier neu gepflanzte Platanen am Straßenrand. Im nördlichen Bereich um Verkehrskanzel und Obelisk sind einige Bodenplatten in einem unregelmäßigen Muster mit grünen Streifen versehen. Vgl. Wikipedia, Stichwort "Joachimsthaler Platz".
(3) In dem beschränkten Wettbewerb wurden die beiden ersten Preisträger mit der Ausarbeitung und Durchführung des Projekts beauftragt. Auf einer Tafel am Gebäude wird nur Gunzenhauser als Entwerfer genannt. Vgl. BW 43 (1952), H. 43, S. 685-687; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 660. Zu Leben und Werk von Alfred Gunzenhauser (geb. 1899) ist wenig bekannt. Zu Paul Schwebes (1902-1978) siehe Schilling, Martina: Paul Schwebes und Hans Schoszberger. In: Baumeister, Ingenieure, Gartenarchitekten, hrsg. v. Jessica Hänsel u.a., Berlin 2016, S. 383-403.
(4) Dorsemagen 2004, S. 65 f.; Kat.-Nr. 20.
Literatur:
- Bauen in Naturstein/ Zeidler und Wimmel, 1960 / Seite 72
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 660
- Bauwelt 43 (1952) 43 / Seite 685-687
- Bauwelt 46 (1955) 47 / Seite 953-957
- Hagemann, Otto, Hauptstadt Berlin, Berlin 1956 / Seite 37
- BusB IX 1971 / Seite 209
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