Denkmaldatenbank
Städtisches Bürgerhaus-Hospital
| 09096203 | |
| Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
| Ortsteil | Charlottenburg-Nord |
| Adressen | Heinickeweg 1, 9, 11, 13, 15 Heckerdamm 269 Schweiggerweg 2, 8, 12, 16, 18, 24 Toeplerstraße 12 |
| Denkmalart | Baudenkmal |
| Sachbegriff | Altenheim |
| Datierung | 1939-1942 |
| Fertigstellung | 1951-1952 |
| Entwurf | Binder, Wolfgang (Architekt) |
Östlich der Gagfah-Wohnzeilen wirkt ein lang gezogener Baukomplex in Form eines seitenverkehrten eckigen S wie ein Fremdkörper. Es ist das ehemalige Altenwohnheim Heinickeweg 1, 9/15 u.a. (1), das als einziger baulicher Zeuge an eine gigantische Planung für eine monumentale Wohnstadt während des Dritten Reichs erinnert. Der Entwurf für das Heim stammt von Karl Bonatz, der neben anderen Privatarchitekten mit dem Wohnstadtprojekt Charlottenburg-Nord betraut war. Mit der Erbauung des Heims wurde 1939 von der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) begonnen, die dann aber 1942 aufgrund des Krieges eingestellt und erst 1951-52 durch das Hochbauamt des Bezirks Charlottenburg als Heimstatt Jungfernheide vollendet wurde. Die Monumentalstadt für bis zu 36.000 Einwohner (2), geplant unter der Regie des Generalbauinspektors Albert Speer für die Reichshauptstadt von Wolfgang Binder vom Hauptplanungsamt der Stadt Berlin, sollte im Norden bis zum Heckerdamm, im Süden bis zur Spree und im Osten bis zum Westhafen reichen. (3) Im Anschluss an die Großsiedlung Siemensstadt erbaut, hätten die monumentalen Steinbauten mit ihren lang gezogenen, wenig differenzierten Hausreihen und steilen Satteldächern sich besonders stark von den Zeilenbauten der Großsiedlung abgesetzt. (4) Eine annähernde Vorstellung von der geplanten Architektur der nationalsozialistischen Mustersiedlung, die Machtanspruch verkörperte und den menschlichen Maßstab sprengte, belegt anschaulich die fünfflügelige Anlage des ehemaligen Altenheims. Die langen nüchternen drei- und viergeschossigen Fronten, die mit überhöhten Kopfbauten zwei Gartenanlagen umschließen, vermittelten mit ihrer gleichförmigen Fensterreihung, den von Balken gestützten vorkragenden Steildächern, eher ein kasernenartiges Wohnen als eine Heimstatt für die Alten. Heute sind die Hausseiten durch vorgesetzte Balkone etwas aufgelockert, die im Zuge umfassender Umbauten im Inneren entstanden. Zur Eröffnung 1952 bestand der städtische Sozialbau aus einem Alterswohnheim und einem Altersheim. 1956 zog in den nördlichen kleineren Bauteil zum Heckerdamm ein Hospital ein, das spätere Max-Bürger-Krankenhaus. Diese zweiteilige Nutzungsstruktur hat sich bis heute bewahrt. Das Krankenhaus wurde nach 2001 geschlossen und zu Wohnungen mit Balkonen ausgebaut. Der übrige Komplex wurde Anfang der 1990er Jahre modernisiert für ein mehrstufiges seniorengerechtes Wohnen mit einem Heimbereich für Pflegebedürftige. Hierbei entstanden die blauen Balkonvorbauten in einer Stahlkonstruktion, die das ursprüngliche Erscheinungsbild verunklaren. Der Name Heimstatt Jungfernheide blieb erhalten.
(1) Petrick, Gerhard: Der Wohnungsbau im Siedlungsgebiet Charlottenburg-Nord. In: Die Kunst im Deutschen Reich 3 (1939), Die Baukunst, S. 474; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 41, 211, 462; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IV, Wohnungsbau, Bd. B, Die Wohngebäude, Mehrfamilienhäuser, Berlin-München-Düsseldorf 1974, S. 37; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil VII, Bd. B, Sozialbauten, Berlin 2003, S. 76 f., 340.
(2) Im Zuge der Speer-Planung für die Umgestaltung Berlins war geplant, zahlreiche Mietshäuser abzureißen. Für diese benötigte man Ersatzwohnungen.
(3) Albert Speer beauftragte Hans Stephan, zuständig in seinem Stab für den Wohnungsbau, und Gerhard Petrick, Leiter des Hauptplanungsamtes der Stadt Berlin, die Wohnstadt zu entwerfen. Wolfgang Binder leitete die architektonische Durcharbeitung des Lageplans, wofür auch Privatarchitekten herangezogen wurden. Vgl.: Stephan, Hans: Der Wohnungsbau in der Neugestaltung der Reichshauptstadt. In: Die Kunst im Deutschen Reich 3 (1939), Die Baukunst, S. 463-468; Petrick, Gerhard: Der Wohnungsbau im Siedlungsgebiet Charlottenburg-Nord. In: Die Kunst im Deutschen Reich 3 (1939), Die Baukunst, S. 469-474; Wolters, Rudolf: Neue Deutsche Baukunst (hrsg. v. Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer), Berlin 1941, S. 86 f.
(4) Um dieses zu überspielen, aber sicherlich auch um über dem geschmähten Baustil des Neuen Bauens nachträglich zu triumphieren, war geplant, die flach gedeckten Wohnhäuser der Ringsiedlung mit Steildächern auszustatten.
Literatur:
- Inventar Charlottenburg, 1961
Kontakt
Juliane Stamm
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