Denkmaldatenbank

Mietshaus Carmerstraße 3

Obj.-Dok.-Nr. 09096120
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Charlottenburg
Adressen Carmerstraße 3
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Mietshaus
Datierung 1890-1891
Umbau
Ausführung Carl, Otto (Zimmermeister)
Bauherr Hirschfeld, Otto
Entwurf Reimer und Körte

Neben der Villa Herter in der Uhlandstraße ist die Villa Hirschfeld, Carmerstraße 3 das zweite Bauwerk, das heute auf die einstige Villenbebauung um den Steinplatz verweist, wie sie vereinzelt noch in den 1890er Jahren entstand. Das frei stehende Haus wurde 1890-91 nach dem Entwurf der Regierungsbaumeister Konrad Reimer und Friedrich Körte für den Althistoriker Otto Hirschfeld erbaut. (1) Allerdings enthielt es anfangs zwei Wohnungen - Walter Benjamin hat hier einen Teil seiner Kindheit verlebt. (2) Erst 1910 wurde durch Herrmann Dernburg das Gebäude für den Kommerzienrat Felix Deutsch zum Einfamilienhaus umgebaut. Materialien und Baugestalt orientieren sich mit ihrer Kombination aus Sichtziegel und der in Putz ausgeführten architektonischen Gliederung an der nordischen Renaissance. 1932 wurde das Haus für den Berliner Apotheker-Verein im Inneren umgebaut. Trotz kleinerer baulicher Veränderungen in den 1970er und 80er Jahren und einem Dachgeschossausbau zeigt es sich weitgehend in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild.


(1) Konrad Reimer (1853-1915) und Friedrich Körte (1854-1934) gründeten nach ihrem Studium an der Berliner Bauakademie 1888 die Sozietät Reimer & Körte. Ihr erstes gemeinsames Werk war 1888 der Umbau der 1825-27 errichteten Singakademie. Neben einem Wohnhaus in Zehlendorf gehörte die Villa Hirschfeld zu den ersten Wohnbauten des Architektenduos, das bis zum Ersten Weltkrieg mit Wohn- und Verwaltungsbauten sowie Industriebauten für Borsig erfolgreiche war. Auch das 1901-02 errichtete ehemalige Motivhaus, in das 1926 das Renaissance-Theater eingebaut wurde, ist ein Werk von Reimer & Körte. Siehe Hardenbergstraße 6.

(2) Walter Benjamin wohnte während der Schulzeit in der Carmerstraße 3 und ging von hier aus zur Schule über den Savignyplatz zur Knesebeckstraße 24. Nach dem Verkauf des Hauses 1910 erwarben die Eltern eine Villa in der Villenkolonie Grunewald, Delbrückstraße 23, in der Walter Benjamin später auch mit seiner Ehefrau wohnte. Nach der Trennung zog er in 1930 in die Prinzregentenstraße 66 nahe dem Schöneberger Stadtpark. Dort schrieb er einzelne Artikel seiner "Berliner Kindheit um 1900" und von dort aus emigrierte er 1933. Vgl. www.flanieren-in-berlin.de/themen/flanieren/vergessenes-zur ueckgewinnen.html

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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