Denkmaldatenbank

Wohnhaus, Steingartenanlage Branitzer Platz 5

Obj.-Dok.-Nr. 09096116
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Westend
Adressen Branitzer Platz 5
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Wohnhaus & Steingartenanlage
Entwurf 1889
Datierung 1890-1891
Umbau 1928
Entwurf Uterwedde, F. (Architekt)
Entwurf Tessenow, Heinrich
Bauherr Becker, Joseph (Kaufmann)
Bauherr Bernstein, Benno
Entwurf & Ausführung Zaar und Vahl (Baumeister)
Entwurf & Ausführung Ludwig Späth (Gartenbaufirma)

Das zuerst entstandene und besterhaltene Haus am Platzrondell ist die repräsentative Villa Branitzer Platz 5. (1) Ihre Entstehung ist mit Persönlichkeiten der Berliner Architektur- beziehungsweise Gartengeschichte verknüpft: Der stattliche, weiße Putzbau im Südwesten des Branitzer Platzes wurde 1889 nach Entwürfen des Zimmermeisters F. Uterwedde für den Fabrikbesitzer Joseph Becker begonnen. 1890 wechselte die Verantwortlichkeit für den damals bis zum Erdgeschoss gediegenen Bau an das Architektenbüro von Carl Zaar und Rudolf Vahl. Die Fertigstellung datiert ins Jahr 1891. Noch heute bezeugt die Straßenfassade den qualitätsvollen Entwurf des Büros. 1928 erfolgte eine behutsame Neugestaltung des Inneren und der Anbau eines Wintergartens im Südwesten durch den berühmten Architekten Heinrich Tessenow. Von der renommierte Gartenbaufirma Ludwig Späth stammt die zeitgleiche, mehrstufig terrassierte Steingartenanlage.

Zum Branitzer Platz hin präsentiert sich die Villa als eindrucksvolles Beispiel des Spätklassizismus: Der blockhaft-geschlossene Baukörper mit symmetrischer Gliederung besitzt in der Mitte eine mit Pilastern und Säulen gegliederte Veranda. Darüber liegt ein Balkon mit Balustrade, der von einer giebelgerahmten Wappenkartusche inmitten der Attikabrüstung des Altans bekrönt wird. Die beiden Fenster der Beletage rahmen markante Ädikulä. Die Fenster im niedrigeren Obergeschoss werden von linearem Putzdekor eingefasst und von einem fein gearbeiteten Fries überspannt. Die Südostfassade prägt ein 1901 ergänzter Erker sowie der 1922 erfolgte Anbau der klassizistischen Loggia. (1) Die Gartenfassade nach Südwesten ist geprägt durch Tessenows Wintergarten, einer kubisch-sachlichen Glas-Stahl-Konstruktion, entworfen 1928 für den Bankier Benno Bernstein.

Den Niveauunterschied zwischen Terrasse und Garten geschickt ausnutzend, entwarf Tessenow eine aus Haustein-Trockenmauern gefügte Steingartenanlage, die in vielfach gestaffelten rechteckigen Pflanzenterrassen und fünf Treppenläufen einen tektonischen und zugleich mediterran-heiter wirkenden Übergang zum Garten schafft. Der Entwurf schließt an eine Gestaltungsidee an, die Tessenow gleichfalls 1928 für die in Hanglage zu errichtende Villa Freudenberg bei Heidelberg konzipiert hatte, die dort aber nicht realisiert werden konnte. Die Ausführung und möglicherweise auch die Detailplanung oblag der Gartenbaufirma Ludwig Späth.


(1) Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Textband u. Tafelband, Berlin 1961, S. 405 u. Abb. 510; Weber, Annemarie/Safft, Nikolaus von: Westend. Ein Berliner Ortsteil in Geschichte und Gegenwart, Berlin 1986, Abb. S. 45; Spohn, Jürgen/Posener, Julius: Villen und Landhäuser in Berlin, Berlin 1989, S. 12 f.; De Michelis, Marco: Heinrich Tessenow (1876-1950). Das architektonische Gesamtwerk, Stuttgart 1991, S. 293; Besser, Kathrin (Bearb.): Baumschule Ludwig Späth. Digitalisierung und Zuordnung von Glasplattendias, historischen Fotos, Abbildungen in Kat. und Publikationen aus dem Archiv der Baumschule Ludwig Späth, Bd. 1: Anlagen in Berlin und Ausstellungen, Berlin, S. 25 f.; Die Gartenkunst 20 (2008) 1, S. 127-142.

(2) Der trapezförmige Erker entstand 1901 durch Zimmermeisters Hans Hoepke.

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 405
  • BusB IV C 1975 / Seite Nr. 405
  • Posener, Spohn/ Villen und Landhäuser, 1989 / Seite 12f.
  • Michelis, Marco de, Heinrich Tessenow, Stuttgart 1991 / Seite 293

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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