Denkmaldatenbank
Deutsche Oper Berlin
09096099,T | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Charlottenburg |
Adressen | Bismarckstraße 35 Krumme Straße 20 Richard-Wagner-Straße 10 Zillestraße |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Opernhaus & Magazin & Werkstatt & Verwaltungsgebäude |
Datierung | 1934-1936, 1956-1961 |
Die Gebäude der Deutschen Oper Berlin, Bismarckstraße 35 u.a., die den gesamten Block zwischen Bismarck- und Zille- sowie Richard-Wagner- und Krumme Straße einnehmen, bilden einen heterogenen Baukomplex, der die mehr als einhundertjährige Geschichte des Berliner Opernhauses widerspiegelt. Von dem 1911-12 vom Charlottenburger Stadtbaurat Heinrich Seeling errichteten Deutschen Opernhaus blieben nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs das Bühnenhaus und seine Nebentrakte im Kern der Anlage erhalten. Auch ein Erweiterungsbau für Verwaltung und Werkstätten, die von Paul A.O. Baumgarten (1) 1935 an der nordwestlichen Ecke des Areals angefügt worden waren, überstanden den Krieg. Diese Bauteile mussten beim Wiederaufbau 1956-61 integriert werden. Der Neubau des Zuschauergebäudes an der Bismarckstraße nach Entwurf von Fritz Bornemann gilt als einer der spektakulärsten Opernbauten der Nachkriegszeit. (2) Die Ergänzungsbauten (Magazine, Garderoben, Werkstätten, Parkdeck) an Zille- und Richard-Wagner-Straße, die bis 1963 vom Hochbauamt der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen errichtet wurden, schließen sich nördlich an den historischen Kern an. (3) Das Gebäude an der Krumme Straße, das im Erdgeschoss ein Restaurant beherbergt, wurde 1976-77 ebenfalls vom Berliner Hochbauamt ausgeführt. Von den nachfolgenden zahlreichen Umbauten in den Funktionsräumen des Opernhauses ist die Studiobühne erwähnenswert, die 2011-12 nach Entwurf von Stephan Braunfels im Technikgebäude der 1930er Jahre eingebaut wurde. 2014 wurden umfassende Sanierungsarbeiten beendet.
Während für den Wiederaufbau des Bühnenhauses die bis 1964 von Bruno Grimmek geleitete Entwurfsabteilung des Hochbauamtes zuständig war, wurde für das Zuschauergebäude 1953 ein zweistufiger Wettbewerb ausgelobt, den der Berliner Architekt Fritz Bornemann 1955 mit einem spektakulären Entwurf gewann: Die architektonische Gestaltung des Stahlbetonskelettbaus ist charakterisiert durch den reizvollen Kontrast zwischen einer geschlossenen, steinernen Straßenfront, die das Gebäude optisch und akustisch von der lauten Verkehrsschneise abschirmt, sowie den verglasten, filigran gerasterten Seitenwänden, die einzigartige Blickbeziehungen zwischen den großzügigen Foyer- und Treppenbereichen und dem Großstadttreiben auf der Bismarckstraße ermöglichen. Die 70 Meter lange und 12 Meter hohe, mit Kieselsteinen besetzte Betonwand an der Straße ragt weit über das Untergeschoss hinaus und schützt so die vier unauffälligen Eingangstüren in der Mitte. Vor der Wand setzt die frei stehende abstrakte Stahlplastik von Hans Uhlmann ein expressives dreidimensionales Zeichen - zugleich bildet die Wand für die Skulptur und ihre wechselnden Schattenwürfe den geeigneten Hintergrund. (4) Im Inneren ist der trapezförmige Zuschauerraum so angelegt, dass er den knapp 2.000 Sitzplätzen in Parkett, Rängen und Seitenbalkonen an jeder Stelle eine uneingeschränkte Sicht und eine perfekte Akustik bietet. Die schlicht-elegante Gestaltung, die sich durch eine puristische Formensprache, Wandverkleidungen aus edlem Holz sowie ein Farbkonzept in Grau- und Gelbtönen auszeichnet, setzt sich in den Foyers, Treppen und Wandelgängen fort.
Dagegen wurden die Neubauten für Verwaltung, Magazine und Werkstätten nach rein funktionalen, den Erfordernissen des Theaterbetriebs angepassten Gesichtspunkten sowie unter Bewahrung der vorhandenen Bausubstanz ausgeführt. Eine schmuck- und teilweise fensterlose Fassadenverkleidung aus hellgrauen Eternitplatten fasst die Bauten zusammen, die das viergeschossige Verwaltungs- und Technikgebäude von Paul Baumgarten unauffällig rahmen. Einzig das Magazingebäude mit Malerateliers und Werkstätten an der Nordostecke des Komplexes fällt durch ein ungewöhnliches, mit grauen Schieferplatten verkleidetes Schrägdach mit großen Atelierfenstern an der Nordseite und einem Außentreppenhaus auf, die dem Funktionsbau eine expressive Wirkung verleihen. (5)
(1) Wie das Schiller Theater war das Opernhaus in der NS-Zeit von Paul Baumgarten im Inneren aufwendig umgebaut worden. Im Zuschauerraum wurden Logen für die NS-Prominenz, Wandverkleidungen in Werkstein, Mahagoni etc., Bronzeornamente und rote Sitze eingebaut, in den Foyers Marmorböden und Spiegel sowie separate Empfangsräume für die Regierung. Vgl. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 316 f.
(2) ZdB 31 (1911), S. 625 f.; db 47 (1913), S. 85-90, 97-99, 113-118; BW 44 (1953), S. 621 f., 734; (46) 1955, S. 456, 799; 47 (1956), S. 193-197, 208, 376; 52 (1961), S. 805-807, 1285-1289; Bühnentechnische Rundschau 55 (1961), H. 6, S. 13-39; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 318 f.; Architektur und Wohnform 10 (1962), S. 172-177; Baukunst und Werkform 1962, S. 128-131, 150-152; DBZ 10 (1962), S. 679-686; Die Bauverwaltung 11 (1962), H. 5, S. 6-13; 12 (1963), S. 508; Bollert, Werner: 50 Jahre Deutsche Oper Berlin, Berlin 1962; Goerges, Horst: Deutsche Oper Berlin, Berlin 1964; Rave, Rolf/Knöfel, Hans-Joachim: Bauen seit 1900 in Berlin, Berlin 1968, Nr. 32; Der Baumeister 63 (1966), S. 933; Hannelore Schubert, Moderne Theaterbauten, Stuttgart/Bern 1971, S. 134-137; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil V, Bd. A, Bauten für die Kunst, Berlin-München 1983, S. 74 f., 77, 94, 98-100, 116 f., 126; Geschichtslandschaft Berlin, Orte und Ereignisse, Bd. 1, hrsg. v. Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue, Charlottenburg, Teil 1, Die historische Stadt, Berlin 1986, S. 443-458; Karl-Heinz Hüter, Architektur in Berlin 1900 - 1933, Berlin 1987, S. 272; Beseler, Hartwig/Gutschow, Niels: Kriegsschicksale Deutscher Architektur, Verluste, Schäden, Wiederaufbau, Eine Dokumentation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1: Nord, Neumünster 1988, S. 149; Wörner, Martin/Mollenschott, Doris/Hüter, Karl-Heinz: Architekturführer Berlin, 5. Aufl. Berlin 1997, S. 127, Nr. 203; Bauen in Berlin, 1900-2000, hrsg. v. Josef Paul Kleihues, Jan Gerd Becker-Schwering, Paul Kahlfeldt, Ausstellungskat., Berlin 2000, Kat.-Bd., S. 249; Inszenierte Moderne, Zur Architektur von Fritz Bornemann, hrsg. von Susanne Schindler, unter Mitarbeit von Nikolaus Bernau, Berlin 2003, S. 68-71; Baukunst der Nachkriegsmoderne, Architekturführer Berlin 1949-1979, hrsg. v. Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Berlin 2013, S. 84 f.
(3) Sämtliche neu errichteten Nebengebäude, die sich nördlich an das Zuschauergebäude anschließen, sowie die Wiederherstellung des Bühnenbereichs entstanden nach Entwurf und unter Leitung des Hochbauamtes der Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen. Leiter war Bruno Grimmek, einer der beteiligten Architekten war Werner Düttmann, der seit 1951 in der Entwurfsabteilung des Hochbauamtes tätig war. Es gibt Hinweise darauf, dass Düttmann für die Bauten der Deutschen Oper zuständig war. Vgl. Bauen in Berlin 1900-1964, Ausstellungskat. Akademie der Künste Berlin 1964, S. 128; Werner Düttmann, verliebt ins Bauen: Architekt für Berlin 1921-1983, bearb. von Haila Ochs, Basel/Berlin/Boston 1990, S. 281; Bauen in Berlin 2000, S. 249.
(4) Im Bereich der Oper wurden dafür extra die Speerschen Lampen entfernt.
(5) Diese Gebäude ist im Nachlass Werner Düttmanns als sein Werk verzeichnet. Vgl. Düttmann 1990, S. 281.
Literatur:
- BusB V A 1983 / Seite 116, 126
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 312
- Rave/ Knöfel: Bauen seit 1900 / Seite Obj. 32
- Sasse, Barbara: Deutsche Oper, in: Geschichtslandschaft, Charlottenburg 1, 1986 / Seite 443-458
Teilobjekt Verwaltungsgebäude & Werkstatt
Teil-Nr. | 09096099,T,001 |
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Sachbegriff | Verwaltungsgebäude & Werkstatt |
Datierung | 1934-1936 |
Entwurf | Baumgarten d. Ä., Paul (Architekt) |
Literatur:
- Berliner Stahl-Hochbauten, 1936 / Seite 56-59
- Zentralblatt der Bauverwaltung 56 (1936) / Seite 45-52
- Theaterbauten und Feierstätten, Band 2, Berlin 1939 / Seite 47-53
- Deutsche Bauzeitung 69 (1935) / Seite 942-949
Teilobjekt Deutsche Oper Berlin
Teil-Nr. | 09096099,T,002 |
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Sachbegriff | Opernhaus & Magazin |
Entwurf | 1955 |
Datierung | 1956-1961 |
Umbau | 1970-1975, 1977-1978 |
Entwurf | Bornemann, Fritz (Architekt) |
Bauherr | Senator für Bau- und Wohnungswesen |
Literatur:
- Bauwelt 46 (1955) 23 / Seite 456
- Bauwelt 46 (1955) 40 / Seite 799
- Bauwelt 47 (1956) 9 / Seite 194-197
- Baumeister 63 (1966) / Seite 933
- Die Bauverwaltung (1962) / Seite 6-13
- Die Bauverwaltung (1963) / Seite 508
- Deutsche Bauzeitung 67 (1962) / Seite 679-686
Teilobjekt Abstrakte Freiplastik
Teil-Nr. | 09096099,T,003 |
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Sachbegriff | Plastik |
Datierung | 1961 |
Entwurf & Ausführung | Uhlmann, Hans (Bildhauer) |
Literatur:
- Endlich, Stefanie ; Wurlitzer, Bernd: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin 1990 / Seite 2
- Endlich, Stefanie: Stählernes Ausrufezeichen für reinen Klang. Uhlmanns Skulptur für Bornemanns Oper, in: Schindler, Susanne; Bernau. Nikolaus (Hrsg.): Inszenierte Moderne. Zur Architektur von Fritz Bornemann, Berlin 2003 / Seite 68-71
- Wuthe, Karl-Heinz: Entstehung und Gestaltung, in: Bühnentechnische Rundschau, Berlin 1961, H. 6, / Seite 15-19
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