Denkmaldatenbank

Amtsgericht Charlottenburg

Obj.-Dok.-Nr. 09096085
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Charlottenburg
Adressen Amtsgerichtsplatz 1

Witzlebenstraße 22
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Gericht
Datierung 1895-1897
Umbau 1915-1921
Entwurf Poetsch, Otto & Claren, Rudolf
Entwurf Schulz

Für den baulichen Aufschwung des Wohngebiets in dem damals "in guter Entwicklung begriffenen beim Bahnhof Charlottenburg belegenen Stadttheile" (1) war 1895-97 auch die Errichtung des Königlichen Amtsgerichts Charlottenburg, Amtsgerichtsplatz 1, Witzlebenstraße 22, von größter Bedeutung. (2) Der Neubau wurde nach Entwurf des Königlichen Landbauinspektors Otto Poetsch und des Regierungsbaumeisters Rudolf Claren für die "Civilabtheilungen" des Amtsgerichts ausgeführt. (1) Die Strafabteilungen und ein Gefängnis waren von Anfang an in einem zeitgleich fertig gestellten Neubau an der Kantstraße untergebracht. (3) Das Amtsgericht nahm zunächst nur die nördliche Hälfte des rechteckigen, ringsum von Straßen umgebenen Areals ein, das bereits im Hobrecht-Plan von 1862 in Form und Lage festgelegt war. (4) Vor der Eingangsseite des Gebäudes wurde ein Schmuckplatz angelegt, der den Namen Amtsgerichtsplatz erhielt; die freie Fläche an der Rückseite wurde zunächst gärtnerisch gestaltet. Erst 1915-21 ließ man den Bau in enger Anlehnung an die vorhandene Architektur in Formen des märkischen Barock durch Regierungsbaumeister Schulz erweitern, sodass das Amtsgericht seitdem den gesamten, mehr als 100 Meter langen Bauplatz einnimmt. Das im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigte und baulich weitgehend unveränderte Gebäude ist heute einer von zwei Standorten des für Charlottenburg-Wilmersdorf zuständigen Amtsgerichts. (5)

Der Ursprungsbau wurde 1897 von Poetsch und Claren als vierflügelige Anlage um einen zentralen Innenhof mit Souterrain, drei Obergeschossen und ausgebautem Dach errichtet. Zum Amtsgerichtsplatz ordneten sie den Haupteingang im dreiachsigen, aufwendig mit Portal, Balkon, Wandvorlagen und Dreiecksgiebel geschmückten Mittelrisalit an. Während die Platzfassade über einem Granitsockel an den unteren Geschossen mit Sandsteinquadern verkleidet ist, werden die hell verputzten Wandflächen an den beiden oberen Stockwerken durch Gliederungselemente in Sandstein, wie Gebäudeecken, Gesimse, Wandvorlagen und Fensterrahmungen, belebt. Das zweite Obergeschoss mit dem großen Sitzungsaal über dem Eingangsbereich ist als Beletage mit Dreiecksgiebeln über den Fenstern ausgezeichnet. Die Gestaltung des Inneren war dem Zweck eines Dienstgebäudes entsprechend schlicht, nur das Haupttreppenhaus, das Vestibül und der Sitzungssaal wurden repräsentativ ausgestattet. Für den Erweiterungsbau, der die Vierflügelanlage um zwei weitere Innenhöfe verlängerte, nahm der Architekt die Barockformen des ersten Gebäudes auf. Dabei setzte er jedoch nur am Souterrain die Sandsteinverblendung fort und wiederholte am Erdgeschoss die Quaderung im Putz. Die langen Seitenfassaden unterbrach er durch Mittelrisalite, die mit Dreiecksgiebeln und Halbsäulen betont sind. Ein zweiter Eingang mit Freitreppe an der Witzlebenstraße trägt die Inschrift "Amtsgericht".


(1) ZdB 17 (1897), S. 317.

(2) ZdB 17 (1897), S. 317-319; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 174 f., Abb. 172; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil III, Bauwerke für Regierung und Verwaltung, Berlin-München 1966, S. 77; Kähne, Volker: Gerichtsgebäude in Berlin, Eine rechts- und baugeschichtliche Betrachtung, Berlin 1988, S. 44-48.

(3) Der Vorgänger, das "Stadtgericht zu Charlottenburg", war zunächst im alten Rathaus an der Schloßstraße, ab 1847 in einem Gebäude an der Kirchhofstraße (heute Warburgzeile) untergebracht. 1879 wurde der Name in "Königliches Amtsgericht" geändert. Vgl. Kähne, Volker: Gerichtsgebäude in Berlin, Eine rechts- und baugeschichtliche Betrachtung, Berlin 1988, S. 44.

(4) Siehe Kantstraße 79.

(5) Suarez- und Holtzendorffstraße wurden in diesem Zusammenhang angelegt. Seit 1979 steht auf dem Amtsgerichtsplatz die Bronzeplastik "Treblinka" des sowjetischen Bildhauers Vadim Sidur (1966). Vgl. Endlich, Stefanie/Wurlitzer, Bernd: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin 1990, S. 1.

(6) Das Amtsgericht Charlottenburg ist im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zuständig für Angelegenheiten in den Gebieten Betreuung, Grundbuch, Info- und Rechtsantragsstelle, Mediation, Nachlass, Verbraucherinsolvenzen, Wohneigentum und Zivilprozess. Darüber hinaus werden das Handels-, Partnerschafts-, Vereins- und das Genossenschaftsregister für Berlin zentral geführt. Das Amtsgericht Charlottenburg hat zwei Standorte, der andere ist in der Hardenbergstraße 31. Vgl. Kiezspaziergang am 11.3.2017 (www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezi rk/spazieren-und-wandern/kiezspaziergaenge/artikel.576639.ph p)

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 174f.
  • BusB III 1966 / Seite 77
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 17 (1897) / Seite 317-319

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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