Denkmaldatenbank

Wohnhaus Ahornallee 47

Obj.-Dok.-Nr. 09096066
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Westend
Adressen Ahornallee 47
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Wohnhaus
Datierung 1870-1871
Entwurf Titz, Eduard (Bauunternehmer)
Bauherr Kühn, Cleon

Ein eindrucksvolles Landhaus aus der Gründungsepoche der Villenkolonie ist die Ahornallee 47, errichtet 1870-71. (1) Es gehört zu den frühen, in seinem ursprünglichen Erscheinungsbild selten bewahrten Häusern in Westend. Sein Baumeister war Eduard Titz, der vor allem Wohnhäuser und Theater, unter anderem das Deutsche Theater in Berlin-Mitte, entwarf. (2) Das einstige Sommerhaus im ländlichen Villenstil repräsentiert spätklassizistische Baukunst der Karl Friedrich Schinkel nachfolgenden Berliner Schule. Es ist mit seinen farbig gefassten Dekorelementen aus Stuck und Holz (restauriert 1978) ungewöhnlich reich gestaltet. Das ursprünglich quadratische Grundstück erstreckte sich einst bis zur Soorstraße, womit es zu den größten Parzellen der Kolonie zählte. Die einfassende Stabgittereinfriedung an der Ahornallee hat sich im Original bewahrt. Der Bauherr Leon Kühn und seine Familie betrieben in dritter Generation die Herstellung der berühmten Neuruppiner Bilderbogen. (3) Die repräsentative Schaufassade zur Ahornallee zeigt einen ausgeglichen proportionierten, asymmetrischen, tektonischen Baukörper. Der zweigeschossige, vorspringende Mitteltrakt mit drei Fensterachsen besitzt ein flach geneigtes Satteldach. Ihm ist eine reich verzierte Loggia vorgestellt: Die Fenster sind von Pilastern und Halbsäulen gerahmt, die Brüstungsfelder mit Rankenornament geschmückt, die korinthischen Kapitelle mit einem Palmettenband optisch verbunden. Die hell verputzten Wandflächen mit klassizistischem Putzdekor und feinen Malereien bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den weit vorkragenden, hölzernen Dachunterseiten. Dem linken eingeschossigen Seitentrakt ist ein hölzerner, rotbraun gefasster Wintergarten vorgelagert, der den Charakter des Landhauses als einer villa suburbana betont. (4) An den rechten einachsigen Seitentrakt fügt sich der Eingang mit Windfang. Die Innenaufteilung des Einfamilienhauses entsprach dem Zeitgeschmack: Im Hauptgeschoss befanden sich fünf Wohnräume und das Treppenhaus. Der Salon mit Erker war zur Straße nach Westen hin orientiert. In den tiefergelegenen Garten gelangte man vom rückwärtigen Zimmer über eine Treppe. Im Obergeschoss befanden sich die Schlafräume. Heute ist das Landhaus in mehrere Wohn- und Büroeinheiten untergliedert.


(1) Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Textband u. Tafelband, Berlin 1961, S. 404; Börsch-Supan, Eva: Berliner Baukunst nach Schinkel 1840-1870, (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, Bd. 39), München 1977, Abb. 339; Weber, Annemarie/Safft, Nikolaus von: Westend. Ein Berliner Ortsteil in Geschichte und Gegenwart, Berlin 1986, Abb. S. 29; Worbs, Dietrich: Villen in Westend - Ausgewählte Gründerzeitbauten in Berlin-Charlottenburg. In: Großstadtdenkmalpflege: Erfahrungen und Perspektiven (Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, H. 12), Berlin 1998, S. 51-54, S. 52; Haddenhorst, Michael/Börsch-Supan, Helmut: Westend, Berlin 1997, S. 46 u. 57; Worbs, Dietrich: Villen in Westend. In: Worbs, Dietrich: Einblicke in die Berliner Denkmal-Landschaft, Berlin 2002, S. 19, Abb. S. 21; Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Berlin, bearb. v. Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke u. a., 3. Aufl., durchgesehen u. ergänzt v. Michael Bollé, München-Berlin 2006, S. 280. (2) Eduard Titz (1819-90), vgl. Börsch-Supan, Eva: Berliner Baukunst nach Schinkel 1840-1870, (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, Bd. 39), München 1977, S. 52, 125, 709; Ribbe, Wolfgang/Schäche, Wolfgang (Hrsg.): Baumeister, Architekten, Stadtplaner. Biographien zur baulichen Entwicklung Berlins, Berlin 1987, S. 661; Kieling, Uwe: Berlin. Baumeister und Bauten. Von der Gotik bis zum Historismus, Berlin 1987, S. 116, 197, 217, 233; Kieling, Uwe: Berlin. Bauten und Baumeister von der Gotik bis 1945, Berlin 2003, S. 283 f.^

(3) Bark 1937, S. 31, 54. Leon Kühn hatte in Berlin-Mitte eine Papier- und Schreibmaterialien-Handlung, Druckerei, Contorbücher-Fabrik und Buchbinderei.

(4) Der Wintergarten war ursprünglich eine Veranda (vgl. Bauantragszeichnungen).

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 404
  • Baumeister, Architekten, Stadtplaner, 1987 / Seite 661
  • Börsch-Supan, Berliner Baukunst nach Schinkel, 1977 / Seite 52, 125, 709
  • Weber, Annemarie, Westend, Berlin 1986 / Seite 29

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Landesdenkmalamt Berlin
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