Denkmaldatenbank

Wohnanlage Weisbachgruppe

Obj.-Dok.-Nr. 09085020
Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil Friedrichshain
Adressen Weisbachstraße 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8

Kochhannstraße 13, 14, 14A, 14B, 15, 15A, 15B

Ebelingstraße 12, 13, 14, 14A

Ebertystraße 11, 12
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Wohnanlage
Datierung 1899-1905
Entwurf Messel, Alfred (Architekt)
Ausführung Warnebold und Nasse (Baufirma)
Bauherr Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin (Aktiengesellschaft)

Nach den beiden Arbeiterwohnhausgruppen in der Proskauer Straße von 1897-98 und in der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg von 1899-1900 entstand ebenfalls unter der Leitung Alfred Messels westlich des Vieh- und Schlachthofes eine weitere Wohnreformanlage. Dieses Areal hatte der Bankier Valentin Weisbach schon 1891 für den "Verein zur Verbesserung der kleinen Wohnungen in Berlin" erworben. (1) Messels erster Entwurf von 1892 kam nicht zur Ausführung. 1899-1900 und 1903-05 erbaute der Verein in zwei Baublöcken in der Weisbachstraße 1-8 sechzehn fünfgeschossige Mietshäuser in Blockrandbebauung mit großem begrünten Innenhof. (2)

Grundrisse, Größe und Ausstattung der Wohnungen folgten dem Vorbild der Wohnanlage in der Proskauer Straße. Jede Wohnung war mit Balkon und Innentoilette - damals in Arbeiterquartieren so gut wie gar nicht vorhanden -ausgestattet. Immerhin 70 Prozent der Wohnungen ließen eine Querbelüftung zu. Da die Wohnungen nicht mit Bädern ausgestattet waren, hatte Messel als Gemeinschaftseinrichtung auf dem Innenhof ein Badehaus vorgesehen, das allen Bewohnern einmal wöchentlich kostenlos zur Verfügung stand. Außerdem verzichtete der Verein auf Mietsteigerungen.

Diesen Ansprüchen an Wohn- und Lebensqualität entsprechend schuf Messel auch äußerlich ein anderes Erscheinungsbild. Er verzichtete auf die damaligen Gewohnheit, Mietshäusern beliebige, historisierende Stuckfassaden vorzusetzen, sondern bewies, daß Schönheit auch durch eine geschickte Materialwahl (Wechsel von Klinker- und Putzflächen) und eine lebendige Dachlandschaft zu erreichen war. Er vermied künstliche Symmetrien und bildete die Fassade nach den Erfordernissen der inneren Raumstruktur. Zur unmittelbaren Versorgung der Bewohner waren Läden in den Erdgeschoßräumen eingeplant, die jedoch schon von Anfang an zumeist als Ladenwohnungen vermietet wurden. (3)

Die Wohnanlage Weisbachgruppe stellt neben den bereits erwähnten Projekten eines der frühesten Beispiele von Reformarchitektur dar, die erst nach 1900 verstärkt in Erscheinung trat.


(1) Weisbach war gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des als Aktiengesellschaft organisierten Vereins.

Die Häuser Ebertystraße 13, 14 und Ebelingstraße 10, 11 wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den siebziger bzw. achtziger Jahren durch Neubauten ersetzt. - Zur ersten Planung vgl. Zentralblatt der Bauverwaltung 12/1892, S. 212 ff. und 13/1893, S. 445 ff. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde die ursprünglich mit zahlreichen in die Traufe gestellten Giebeln gestaltete Dachlandschaft begradigt.

(2) Die Häuser Ebertystraße 13, 14 und Ebelingstraße 10, 11 wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den siebziger bzw. achtziger Jahren durch Neubauten ersetzt. - Zur ersten Planung vgl. Zentralblatt der Bauverwaltung 12/1892, S. 212 ff. und 13/1893, S. 445 ff. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurde die ursprünglich mit zahlreichen in die Traufe gestellten Giebeln gestaltete Dachlandschaft begradigt.

(3) Die gesamte Anlage umfaßte 388 Wohnungen und 18 Ladenwohnungen in 10 zweispännigen und 21 dreispännigen Aufgängen. Darin wohnten 898 Erwachsene und 582 Kinder (BusB IV B, S. 145 f.)

Literatur:

  • BusB IV B 1974 / Seite S. 145 ff
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 79, 167

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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