Denkmaldatenbank

258. und 271. Gemeindeschule (seit 1999: Heinrich-Ferdinand-Eckert-Oberschule)

Obj.-Dok.-Nr. 09085019
Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil Friedrichshain
Adressen Eckertstraße 16
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Schule
Datierung 1907-1908
Entwurf (?) Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf & Ausführung Rauch, Josef (Bildhauer)
Bauherr Stadtbauinspektion III

Erkunden wir die Gegend von West nach Ost, so stoßen wir zunächst auf die 1. Haupt- und 2. Realschule von 1907-08 (ehem. Gemeindedoppelschule mit Rektorenwohnhaus) in der Eckertstraße 16. Es ist eine der 46 Gemeindeschulen Berlins, die nach den Plänen des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann und seiner Mitarbeiter errichtet wurden. (1) Es handelt sich um einen sogenannten "Blockinnentyp", der sowohl aus finanziellen als auch aus Gründen des Lärmschutzes von Vorteil war: (2) Hinter einem in die Straßenfront eingepaßten Rektorenwohnhaus wird der Turnhof von der Dreiflügelanlage des eigentlichen von der Straße aus nicht sichtbaren Schulgebäudes umschlossen. Außerhalb der Flügel liegen die damals streng getrennten Pausenhöfe für Knaben (nördlich) und Mädchen (südlich).

Im Aufbau gleicht diese Anlage der einige Jahre früher in der Hausburgstraße 20 gebauten Schule. Die Größe des Rektorenwohnhauses wurde durch die Vorgabe bedingt, hier neben den Wohnungen für Schuldiener und Heizer im Erdgeschoß und den beiden Rektorenwohnungen im zweiten Geschoß auch ein Armenamt im ersten und zwei Wohnungen für städtische Beamte im obersten Stockwerk unterzubringen. (3)

Hoffmanns Bauten sind häufig in sorgfältig ausgewählten historischen Architekturstilen ausgeführt, wobei jedoch stets die Anforderungen moderner Bauprogramme erfüllt wurden. So entlehnte der Architekt hier mit den rustizierten Kolossalpilastern und profilierten Lisenen, den mehrfach gesproßten und dadurch länger wirkenden Fenstern sowie dem Mansardwalmdach Elemente barocker Stadthausfassaden preußisch strengen Zuschnitts, wie sie seinerzeit noch in Berlin und heute beispielsweise noch in Potsdam zu finden sind. Dabei paßte er die Architektur des Rektorenwohnhauses mit vier Geschossen an die Proportionen der Straßenflucht an. Auf die besondere Funktion dieses zu einer Schule gehörenden Wohnhauses deutet lediglich die von dem Bildhauer Josef Rauch geschaffene Bauskulptur hin - beispielsweise die Embleme (1x1 und ABC) sowie Bärengruppen an den Lisenen in Sandstein. Die architektonisch einfache Gestaltung der ziegelverkleideten Schulgebäude im Hof begründete Hoffmann mit deren "Lage abseits von der Straße". (4)


(1) Für die Planung und den Bau dieser Schule nennt Hoffmann selbst die Magistratsbauräte Matzdorff und Wollenhaupt sowie die Architekten Mettke und Gerecke. Vgl. Hoffmann 1912, S. VII.

(2) BusB 1896, Bd. II, S. 298.

(3) Hoffmann 1912, S. VII.

(4) Ebenda.

Literatur:

  • Architektonische Rundschau 25 (1909) / Seite 83, Taf. 75
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 56, 172-174
  • Christa Junge (Hrsg.): Der Berliner Bär, Mitteilung der Berliner Bärenfreunde e.V., Nr. 76, 2019, Berlin 2019 / Seite 22-28

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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