Denkmaldatenbank

Haus Sallentien

Obj.-Dok.-Nr. 09080421
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Grunewald
Adressen Winkler Straße 5
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Landhaus
Datierung 1908-1909
Umbau 1922
Entwurf Paul, Bruno
Bauherr Sallentien, Adeline & Sallentien, Franz
Ausführung Vereinigte Werkstätten für Kunst und Handwerk

Das 'Haus Sallentien' in der Winkler Straße 5 entstand 1908-09 nach einem Entwurf von Bruno Paul, der im Vorjahr der Berufung zum Direktor der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums gefolgt war. Als maßgeblicher Künstler der 1898 in München gegründeten 'Vereinigung für Kunst im Handwerk' hatte Paul mit der Übersiedlung nach Berlin die Möglichkeit ergriffen, seine bis dahin auf die Gestaltung von Innenräumen konzentrierte Arbeit auf den Entwurf ganzer Häuser auszuweiten. Mit seinem Umzug formierten sich die 'Vereinigten Werkstätten' zu einer Aktiengesellschaft um und begaben sich mit ihrem Geschäftsführer Franz Otto August (F.A.O.) Krüger und Bruno Paul auf einen großangelegten Expansionskurs mit Niederlassungen in München, Berlin und Bremen.

Das zwischen den Charakteren eines Landhauses und einer Villa fein austarierte Haus zählt zu den ersten Bauten, die Bruno Paul zusammen mit den 'Vereinigten Werkstätten' ausgeführt hat. Adeline und Franz Sallentien, deren Familie in Brasilien zu Vermögen gekommen war, hatten das Haus und seine Ausstattung zum Jahresende 1908 in Auftrag gegeben und konnte es im Herbst 1909 beziehen.

Das mit zwei Geschossen und einem hohen Walmdach ausgeführte Wohnhaus ist weit von der Straße abgerückt, so dass der größte Teil des Gartens im Süden vor der Schauseite des Hauses liegt. Belebt und gegliedert wird der kräftige Baukörper durch versetzte Volumina und Versprünge, eine im Obergeschoss eingepasste Loggia mit toskanischen Säulen und einen halbrunden Standerker im Erdgeschoss.

Innerhalb des Hauses setzt das von Bernhard Pankok geschaffene 'Turiner Damenzimmer' einen Höhepunkt, der durch die herausgehobene Erschließung in der Längsachse der zentralen Diele, die Ausrichtung des Raums zur Mittelachse des Gartens und seine Auszeichnung durch den Standerker zusätzlich betont wird.

1922 erhielt das Haus eine Überdeckung der Terrasse und darauf einen Balkon im Obergeschoss. Zwischen 1960 und 1985 wurde das Haus von Carl-Gustav Svingel als schwedisches Erholungsheim, als Verhandlungsort für den Freikauf politischer Häftlinge und als erste Anlaufstelle für geflüchtete und ausgereiste Bürgerinnen und Bürger der DDR genutzt.

Literatur:

  • Drebusch, Thomas: Bruno Paul. Schönheit ist Freude, Soest 2019 / Seite .
  • Günther, Sonja: Interieurs um 1900. Bernhard Pankok, Bruno Paul und Richard Riemerschmid als Mitarbeiter der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk, München 1971 / Seite .
  • Günther, Sonja: Bruno Paul. 1874-1968, Berlin 1992 / Seite .
  • Hofer, Sigrid: Reformarchitektur 1900-1918. Deutsche Baukünstler auf der Suche nach dem nationalen Stil, Stuttgart, London 2005 / Seite .
  • Klaiber, Hans-Andreas (Hg.): Bernhard Pankok, 1872-1943. Kunsthandwerk, Malerei, Graphik, Architektur, Bühnenausstattung, Stuttgart 1973 / Seite .
  • O.A.: Landhaus im Grunewald, Winkler Straße 5; in: Blätter für Architektur und Kunsthandwerk, 2, 1913 / Seite .
  • O.A.: Der heimliche Botschafter; in: Der Spiegel, 12, 1992 / Seite .
  • Paret, Peter: Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im Kaiserlichen Deutschland, Berlin 1983 / Seite .
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  • Post, Hermann: Bruno Paul als Architekt; in: Deutsche Kunst und Dekoration, 1, 1909 / Seite .
  • Schur, Ernst: Bruno Paul; in: Dekorative Kunst, Bd. 19, November 1911 / Seite .
  • Steigenberger, Thomas: Münchner Jugendstil in Berlin. In einer Grunewalder Villa wurde ein Hauptwerk Bernhard Pankoks wieder entdeckt; in: Museum-Journal, 4, 2005 / Seite .
  • Steigenberger, Thomas: Vorbild und Feindbild. Münchner Jugendstil in Berlin; in: Bröcker, Nicola; Moeller, Gisela; Salge, Christiane (Hg.): August Endell, 1871-1925, Architekt und Formkünstler, Petersberg 2012 / Seite .
  • Steigenberger, Thomas: Bruno Paul; in: Hänsel, Jessica; Baumeister - Ingenieure - Gartenarchitekten, Berlinische Lebensbilder, Bd. 11, Berlin 2016 / Seite .
  • Unternehmensgruppe Neue Heimat (Hg.): Bruno Paul. Stadt, Monatsheft für Wohnungs- und Städtebau, 10, 1982 / Seite .
  • Vereinigte Werkstätten für Kunst im Handwerk (Hg.): Blick zurück in die Zukunft. 90 Jahre Vereinigte Werkstätten, München 1988 / Seite .
  • Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster (Hg.): Bernhard Pankok. Malerei, Graphik, Design im Prisma des Jugendstils, Münster 1986 / Seite .
  • Ziffer, Alfred: Bruno Paul. Deutsche Raumkunst und Architektur zwischen Jugendstil und Moderne, München 1992 / Seite .

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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