Denkmaldatenbank

Landgut Eule

Obj.-Dok.-Nr. 09075554
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Wannsee
Adressen Kremnitzufer 49, 50, 51
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Wohnhaus
Datierung um 1800
Umbau 1916
Ausführung Stiebitz und Köpchen

Auf halber Strecke befinden sich dort inmitten der Ausläufer der Potsdamer Parforceheide die Reste des früheren Landgutes Eule, Kremnitzufer 49-51. (1) Sie liegen, von der Straße und dem Kanal abgerückt, etwas erhöht auf dem Höhenrücken des Teltow. Der lang gestreckte eingeschossige Putzbau, mit Satteldach und Mittelrisalit ist das letzte erhaltene Gebäude eines von König Friedrich Wilhelm I. 1725 gegründeten Forstgutes. In dem Anwesen wohnten die Wild- und Zaunwärter, die das vom König eingerichtete eingezäunte Jagdrevier, die Potsdamer Parforceheide, zu beaufsichtigen hatten. Unter seinem Nachfolger, Friedrich dem Großen, der kein besonderes Interesse an der Jagd hatte, wurde die "Eule" genannte Einrichtung in eine Kolonistenstelle umgewandelt. 1850 übernahm sie ein Berliner Tischlermeister, der an Sommergäste Zimmer vermietete. Ende des 19. Jahrhunderts kaufte der preußische Fiskus den Hof und errichtete die "Centrale für wissenschaftlich-technische Untersuchungen", die vornehmlich mit Sprengstoffen experimentierte. Nach 1918 übernahm die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft das ganze Areal und schuf an diesem Standort das Institut für Metallforschung. Ab 1933 richtete die Technische Universität Berlin-Charlottenburg hier das Hochspannungsinstitut Neubabelsberg ein, das unter anderem Blitzversuche vornahm. (2) Nach 1945 kam es zur Teilung der Anlage. Das Haupthaus und zahlreiche Nebengebäude befanden sich nun auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone und wurden gesprengt. Der kleinere nördliche West-Berliner Teil mit den noch heute vorhandenen Gebäuden unterstellte man der Berliner Technischen Universität. Das landeseigene Haus, das ursprünglich vermutlich um 1800, zur Zeit der Kolonistenstelle, bereits als Wohnhaus für Instleute entstanden war, dient heute ausschließlich zu Wohnzwecken. Seine Baugestalt geht jedoch auf umfangreiche Umbauten zurück, die für die wissenschaftlich-technische Zentraleinrichtung ab 1899 vorgenommen wurden. Sie standen unter der entwurflichen Betreuung der Charlottenburger Architekturfirma Stiebitz & Köpchen. Zunächst kam es zu einem über sieben Meter breiten Anbau am Westgiebel. 1900 folgte eine Erweiterung an der Längsfront zum Kanal, die 1916 beim Umbau zu einem Dreifamilienwohnhaus nochmals mit einem Anbau verlängert wurde. Dadurch entstand ein lang gestreckter Hauskörper mit zum Teil ausgebauten Dachkammern im Satteldach mit Zwerchhaus. Während sich die Hausverlängerung von 1899 deutlich auf der Westseite abzeichnet, bleibt der im östlichen Hausteil liegende Kernbau mit Lehmfachwerk-Teilen den Blicken verborgen. Mit der länglichen Hausform, dem Eingangsrisalit und den breiten Fledermausgauben erhielt der Bau den Charakter eines Gutshauses. Dazu passt der 1899 mit dem Giebel zum Kremnitzufer erbaute Fachwerkstall, der 1916 zu einem Wirtschaftsgebäude ausgebaut wurde.


1) Wie es zu dem Namen "Eule" für diesen Wohnplatz kam, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Eule im Ortsnamen kommt im niederdeutschen Raum in Form von Uhlenhorst oder Uhlenberg jedoch häufiger vor. Vgl. Wetzel 1988, S. 59.

2) Der Chemiker Max von Duttenhofer hatte 1898 die "Centralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen GmbH" zur Entwicklung und Anwendung von Sprengstoffen, von Patronen- und Geschosshülsen, von Handfeuer- und Artilleriewaffen gegründet. Bis 1902 entstand im Waldstreifen neben dem Landgut Eule nach Plänen des königlichen Baurates Astfalk eine Vielzahl von Baulichkeiten, in denen schließlich 22 Ingenieure und Chemiker sowie 110 sonstige Beamte und Arbeiter tätig waren. Bis auf die Ruine des für die Blitz-Versuche erbauten massiven achteckigen Turmes, der sich etwas weiter südlich im Wald befindet, existieren keine anderen Institutsgebäude mehr. Vgl. Jopke, G.: Landgut Eule soll Ausflugsziel werden. In: Potsdamer Nachrichten vom 14.9.2004.

Literatur:

  • Wolff, Karl, Wannsee, 4. Aufl., Berlin 1974 / Seite S. 41
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 155f
  • Wetzel, Jürgen: Zehlendorf, Berlin 1988, / Seite 59
  • Jopke, G.: Landgut Eule soll Ausflugsziel werden in
    Potsdamer Nachrichten vom 14.9.2004

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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