Denkmaldatenbank

Haus Langenscheidt mit Stallgebäude

Obj.-Dok.-Nr. 09075489,T
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Wannsee
Adressen Colomierstraße 1, 2
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Wohnhaus & Stall
Datierung 1899-1901
Entwurf Ebhardt, Bodo (Architekt)
Bauherr Langenscheidt, Frieda

Auf dem nördlichen Nachbargrundstück, in der Colomierstraße 1-2, befindet sich das aus Landhaus und Stallgebäude mit Kutscherwohnung bestehende Anwesen Haus Langenscheidt. 1899 wurde zunächst das am Wendekreis gelegene Wohnhaus Colomierstraße 2 gebaut. Frühe Planungen, dieses zunächst als Sommerhaus mit Kutscherwohnung und Remise zu nutzen, um später eine größere Villa zu errichten, ließ man bereits vor 1901 wieder fallen. (1) 1902 entstand stattdessen das stattliche Stall- und Remisengebäude Colomierstraße 1. Der bekannte Verleger Carl Langenscheidt und seine Frau Frieda ließen ihr Sommerhaus von dem bekannten Architekten und Burgenrestaurator Bodo Ebhardt entwerfen. (2) Es unterscheidet sich formal und stilistisch grundlegend von den umgebenden Landhäusern und Villen, die immer auch repräsentativen Ansprüchen zu genügen hatten. Das Haus Langenscheidt ist hingegen ganz Privathaus und Refugium, bescheiden in seinem Raumprogramm und von malerischer, beinahe verwunschener Erscheinung. Am Ende der Sackgasse gelegen, ist es mit seinen schmalen Giebelseiten zur Straßen- und Seeseite ausgerichtet. Die äußere Gestaltung ist an fränkische und niedersächsische Fachwerkbauten der Renaissance angelehnt (3), zeigt aber auch Anklänge an den Jugendstil. Über einem verklinkerten Gebäudesockel mit Rundbogenfenstern erhebt sich das ebenfalls massiv gemauerte Erdgeschoss mit vorgeblendeter Fachwerkfassade. Das an den Giebelseiten wie beim Stockwerksbau leicht auskragende Dachgeschoss ist hingegen vollständig in Fachwerk ausgeführt. Es wird von einem weit ausladenden Krüppelwalmdach umschlossen. Das insbesondere an den Giebelseiten reich gestaltete Fachwerk zeigt eine Mischung von historischen Motiven, darunter typische Figuren wie den "Mann" und das "Andreaskreuz". Alle Bestandteile wie Rähme, Stützen, Riegel, Balkenköpfe und Sparrenfüße sind mit Schnitzereien reich verziert. Der Hauseingang an der rechten Längsseite ist über eine vorgestellte zweiarmige Treppe mit Podest zu erreichen. An der Nord- und Ostseite, also zum Garten hin, treten zwei Bauteile aus dem sonst kompakten Baukörper hervor: ein gedeckter Sitzplatz an der Seeseite und der tiefer, in einer Art Hofsituation liegende ehemalige Pferdestall, der von einem außergewöhnlich geschwungenen, einem Kielbogen ähnlichen Dach überspannt wird. Das Gebäudeinnere entspricht dem eines Sommerhauses und entbehrt jeglicher Repräsentation. Im Erdgeschoss gehen von einem kleinen Flur zwei Wohnräume, Veranda, Küche und Treppenhaus ab; im Obergeschoss liegen ein großes Schlafzimmer, drei kleine Räume und ein Bad. Die Ausgestaltung der Räume ist ländlich schlicht, mit Dielen und Kamin, einzig im Schlafzimmer ist eine umlaufende Holztäfelung der Wände erhalten.

Das zweigeschossige Stallgebäude mit Kutscherwohnung auf dem Eckgrundstück Colomierstraße 2, Ecke Straße am Großen Wannsee, wurde 1901 ebenfalls von Bodo Ebhardt entworfen. Der massive Mauerwerksbau besitzt ein hell geputztes Erdgeschoss, eine horizontale Holzverschalung im Obergeschoss und ein rotes Ziegelwalmdach. Seine dekorative Gestaltung ist für ein Nebengebäude aufwendig - dies gilt vor allem für den turmartigen Bauteil rechts, der zwei auskragende Obergeschosse auf Knaggen, reiches Fachwerk mit Zierstreben, eine runde Uhr und einen spitzen Fachwerkgiebel mit gekreuzten Giebelhölzern zeigt. (4) 1972 wurde das Remisengebäude zum Clubhaus eines Rudersportvereins umgebaut. Das mit einem Stabgitterzaun auf rotem Klinkersockel eingefriedete Grundstück wurde damals geteilt. Unmittelbar vor dem Gebäude befindet sich noch das schmiedeeiserne Einfahrtstor in geschwungenen Formen mit bemerkenswertem Blattwerkdekor, von dem einst ein breiter Fahrweg durch den Garten zur Villa Langenscheidt führte.


1) Bauzeichnungen und Lageplan in: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Bau- und Wohnungsaufsicht, Bauakte.

2) Carl Langenscheidt (1870-1952) war der Sohn des Verlagsgründers Gustav Langenscheidt. Zu Bodo Ebhardt siehe: Bekiers, Andreas: Bodo Ebhardt, Architekt, Burgenbauer und Restaurator 1865-1945, Berlin 1984.

3) Neupert, Sabine: Das Landhaus Langenscheidt des Bodo Ebhardt in Berlin (Wannsee), unveröff. Magisterarbeit an der TU Berlin 1990.

4) Das Erdgeschoss mit großen Toren bot ursprünglich Platz für drei Pferde und zwei Wagen, Geschirrkammer, Geräteraum und Hühnerstall. Im Obergeschoss lag eine Bedienstetenwohnung.

Literatur:

  • Heinisch/Schumacher / Seite (in BusB)
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 100f
  • Bekiers, Andreas: Bodo Ebhardt, Architekt, Burgenbauer und Restaurator 1865-1945, Berlin 1984 Neupert, Sabine: Das Landhaus Langenscheidt des Bodo Ebhardt in Berlin (Wannsee), unveröff. Magisterarbeit an der TU Berlin, 1990

Teilobjekt Landhaus

Teil-Nr. 09075489,T,001
Sachbegriff Landhaus
Datierung 1899
Ausführung Mangelsdorff (Maurermeister)

Teilobjekt Stall

Teil-Nr. 09075489,T,002
Sachbegriff Stall
Datierung 1901-1902
Ausführung Schiess, Hans (Architekt)

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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