Denkmaldatenbank

Haus Ebeling, Villa Ebeling

Obj.-Dok.-Nr. 09075483
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Wannsee
Adressen Am Sandwerder 12

Kronprinzessinnenweg 10A
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Wohnhaus & Pförtnerhaus & Stall
Datierung 1891-1892
Bauherr Ebeling (Bankier)
Entwurf Erdmann und Spindler

An der östlichen Straßenseite bildet das imposante Torgebäude des Hauses Ebeling mit Pförtnerhaus und Stall, Am Sandwerder 12, Kronprinzessinnenweg 10A, einen eindrucksvollen Akzent. (1) Auf dem heute geteilten Grundstück wurden 1891 eine weit zurückliegende Turmvilla, Kronprinzessinnenweg 10A (Abb. 90), und 1892 das dicht an der Straße Am Sandwerder stehende monumentale Pförtnerhaus mit Torturm, Stall und Remise errichtet. (2) Bauherr der großzügigen Anlage war der Berliner Bankier Franz Ebeling vom Bankhaus Emil Ebeling. Sein Name ist am Pförtnerhaus oberhalb des Eingangs in einem freigelegten Putzfeld sichtbar, die Namen der Architekten Erdmann & Spindler sind in einen Stein links neben der Toreinfahrt gemeißelt. (3) Das mit Putz und gelblichem Werkstein bekleidete Torgebäude besteht aus drei Bauteilen: ein traufständiges Pförtnerhaus mit steilem Ziegelwalmdach und Stufengiebeln, rechts daneben ein vierkantiger Turm mit spitzem Ziegeldach und hoher Toreinfahrt, hofseitig im rechten Winkel an das Pförtnerhaus anschließend das malerisch gruppierte Remisen- und Stallgebäude mit Stufengiebeln und Laubengang.

Die Villa wird heute von der ehemaligen Rückseite am Kronprinzessinnenweg erschlossen. Sie besitzt geputzte Fassaden und Fachwerkdekor im Ober- und Dachgeschoss. Durch ein Sockelgeschoss, zwei Hauptgeschosse und ein steiles Walmdach ohnehin sehr hoch, wird sie nochmals von einem seitlichen Treppenturm mit polygonalem Kegeldach überragt. An der Südfront befindet sich ein Anbau des Architekten Adolph Klein, der 1939 auch den Umbau zur Mietetagenvilla vornahm. Die Westfassade mit seitlicher Freitreppe und Loggien war ursprünglich die Eingangsseite - man erreichte sie über eine lange Zufahrt durch die Gartenanlage vom Sandwerder her. Die Architekten Erdmann & Spindler entwarfen hier ganz im Sinne der damaligen baukünstlerischen Mode eine Gesamtanlage, die den Eindruck eines nach und nach im Laufe von Jahrhunderten gewachsenen "Edelhofs der Frührenaissance" erwecken sollte. So zeigen sowohl die Torgebäude als auch die Villa Zwerchgalerien in romanischen Formen, während Spitzbögen und steile Dächer den gotischen Stil vertreten. Stufengiebel, Laubengänge und gerade geschlossene Fenster entsprechen der Gestaltungsweise der Renaissance. Die Baugruppe ist in ihrem Aufwand und ihren Gestaltungsabsichten kennzeichnend für die Entwicklung im Villenbau des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dementsprechend war sie 1893 schon Gegenstand einer Architektenführung durch die Villenkolonie. (4) Der relativ freie Umgang mit den historischen Stilformen, der durchaus auch moderne Gestaltungstendenzen seiner Zeit zeigt, wurde 1895 in einem Artikel der Deutschen Bauzeitung wie folgt kommentiert: "Auf diese Weise ist ein Ganzes entstanden, welches dem, der gewohnt ist, an einem Bau einen Stil mit puristischer Folgerichtigkeit durchgeführt zu sehen, manchen Anlass zu Ausstellungen aller Art geben wird, welches aber dem, der die Anwendung der Stilformen unter freieren Gesichtspunkten zu betrachten gewohnt ist, - und zu denen rechnen auch wir uns - als eine Komposition von hohen künstlerischen Eigenschaften entgegentritt." (5)


1) Brönner 2009, S. 310-311, 321, 332; BusB 1896, Bd. II/III, S. 172, 176; BusB IV C, S. 149.

2) Ein ferner geplanter, mit den Gebäuden durch Arkadengänge verbundener Bankettsaal wurde nicht mehr ausgeführt.

3) Erdmann & Spindler erbauten 1914-15 auch das Bankgebäude Ebeling in der Jägerstraße 54-55 in Berlin-Mitte. Vgl. Denkmaltopographie Mitte 2003, S. 325. Das Bankhaus Ebeling wurde 1911 von dem auf dem Nachbargrundstück Am Sandwerder 11 ansässigen Bankier Max Richter übernommen (zu Richter siehe auch Am Sandwerder 13).

4) Deutsche Bauzeitung 54 (1893), S. 478.

5) Deutsche Bauzeitung 56 (1895), S. 349, 350 ff.

Literatur:

  • BusB II/III 1896 / Seite 172, 175, 176, 177
  • BusB IV C 1975 / Seite 149
  • Deutsche Bauzeitung 29 (1895) 56 / Seite 349, 350, 352,353
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 131
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 325
  • Deutsche Bauzeitung 54 (1893) / Seite 478
  • Deutsche Bauzeitung 56 (1895) / Seite 349, 350 ff
  • Brönner 2009 / Seite 310-311, 321, 332

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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