Denkmaldatenbank

Verein Seglerhaus am Wannsee

Obj.-Dok.-Nr. 09075477
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Wannsee
Adressen Am Großen Wannsee 24, 26
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Vereinshaus & Bootshaus
Datierung 1909-1910
Entwurf Berlich, Otto (Architekt)
Bauherr Verein Seglerhaus am Wannsee

Schräg gegenüber dem Abzweig der Koblanckstraße erstreckt sich das Gelände des traditionsreichen Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) mit seinen Vereinshäusern, Am großen Wannsee 24/26. Der 1881 gegründete Seglerverein erwarb das Grundstück im gleichen Jahr und ließ das heute zur linken Nachbargrenze hin gelegene erste Clubhaus errichten. Wie Vorstandsmitglied Otto Protzen berichtet, stifteten die Vereinsmitglieder und Architekten Ende & Böckmann dafür eine Holzscheune, die auf ihrem Grundstück am Griebnitzsee unbenutzt stand. (1) Das Steinfachwerk-Gebäude in Holzständerbauweise mit Ziegeldach ist im Kern der heutigen Anlage erhalten. 1883-94 wurde die Scheune zum Festsaal umgebaut und durch Anbauten erheblich erweitert. (2) Eine letzte Erweiterung erfolgte 1910, als die Kegelbahn des Vereins als lang gestreckter Trakt mit Kopfbau am Wasser dem Vereinshaus zugeschlagen wurde - die heutigen Jugendräume. Der stete Zuwachs an Mitgliedern führte schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu Neubauplänen. In Folge eines Architekturwettbewerbs wurde das neue Seglerverbandshaus 1909-10 nach einem Entwurf des Architekten Otto Berlich errichtet. (3) Dem Zeitgeist entsprechend in seinen Dimensionen reichlich bemessen, dominiert es seitdem das Grundstück und es gehört zu den exponierten, prägenden Gebäuden am westlichen Wannseeufer. Nach einer Erläuterung des Architekten "war zu berücksichtigen, dass die Architektur sich in das Landschaftsbild einfügen sollte und das Haus folglich im Landhausstile entworfen werden musste." (4) So entstand auf einer Grundfläche von 750 Quadratmetern gleichsam ein Landhaus im Monumentalen, bestehend aus mehreren sich durchdringenden Baukörpern, die ein facettenreiches Fassadenbild mit vor- und zurückspringenden Bauteilen, Erkern, Loggien, Terrassen und Treppen bilden. Darüber erstreckt sich eine bewegte Dachlandschaft mit steilen Walmdächern, großen und kleinen Giebeln, Gauben, Fachwerk, Schindelbehang und hohen Kaminen. Sprossenfenster und Klappläden, ein heller Fassadenputz sowie eine Verkleidung des Sockelgeschosses aus rotem Klinker und bossiertem Sandstein runden das Bild ab. Seiner Zweckbestimmung als Wassersportclub entsprechend bildet die seeseitige Fassade - mit prächtigem Fachwerkgiebel und Saalfenster, bossiertem Sockelgeschoss, breiter Aussichtsterrasse und repräsentativer Freitreppe ausgestattet - die Hauptschauseite des Gebäudes. Der dagegen bescheiden anmutende Haupteingang befindet sich im Sockelgeschoss der nördlichen Seitenfassade; das schlichte Portal zeigt Sandsteinschmuck in Form von zwei Seefroschköpfen, die Laternen tragen, und einen Schlussstein mit dem Relief des Vereinszeichens - Anker, Stander, Tau im Vierpass. Der am ganzen Haus dezent eingesetzte Baudekor, überwiegend figürliche Reliefs aus Kalksandstein, stammt von dem seinerzeit bedeutenden Bildhauer Gotthold Riegelmann. (5) In einige bossierte Steine des Sockelgeschosses sind die Bootsnamen der ersten Vereinsmitglieder eingeritzt. Das Gebäudeinnere ist in drei Bereiche geteilt. Im Sockelgeschoss, das überwiegend der Unterbringung der Segelutensilien dient, sind unter anderem die originalen Stahldrahtschränke der Herrengarderobe erhalten. Vom gefliesten Vestibül führt eine breite Holztreppe mit Wendepodest in das den Vereins- und Gesellschaftsräumen vorbehaltene Hauptgeschoss und weiter über die holzgetäfelte Halle zum darüber gelegenen Billardraum. Ober- und Dachgeschoss bieten eine große Anzahl an Gästezimmern. Einzigartig in Wannsee ist der 147 Quadratmeter große, über zwei Geschosse reichende, holzgetäfelte Festsaal mit Musikerempore. Trotz einiger Vereinfachungen gehören die beiden Häuser des VSaW auch heute zu den beeindruckenden Bauwerken in Wannsee. Einst waren sie "Mittelpunkt der gesamten Kolonie, welche sich wie eine große Familie täglich des Nachmittags nach des Tages Mühen, vor allem Sonntags zu Sport und freundschaftlichem Verkehr zusammenfand." (6)


1) Protzen, Otto: Herrensegler, Die Geschichte unseres Seglerhauses, 1923/24, hrsg. v. Matthias Bonnes, Norderstedt 2010, S. 26-31.

2) Ob es sich tatsächlich um eine alte Scheune handelte, ist aufgrund der aufwendigen Gestaltung mit Holzzierwerk fraglich. Die Bauzeichnung vom 13.06.1881 zum "Neubau eines Segler-Hauses aus Steinfachwerk mit Ziegeldach auf der Colonie Wannsee für den Geheimen Commercienrath Herrn Conrad zu Berlin" stammt von Ende & Böckmann. Die Ausführung erfolgte durch den Potsdamer Ludwig Tieck. Vgl. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Bau- und Wohnungsaufsicht, Bauakte. Scheunentore und Wandgemälde stiftete der Historienmaler Max Friedrich Koch. Vgl. Protzen, Otto: Herrensegler, Die Geschichte unseres Seglerhauses, 1923/24, hrsg. v. Matthias Bonnes, Norderstedt 2010, S. 29.

3) VSAW (Hg.), Festschrift 100 Jahre Clubhaus, mit Beiträgen von Peter Rieck, Angelika Kaltenbach und Martin Pritzel, Berlin 2010.

4) Das neue Heim des Vereins Seglerhaus am Wannsee (Verf. Otto Berlich). In: Von Fluss und See, Illustrierte Beilage zum "Wassersport", Nr. 28 vom 22.09.1910.

5) Bildhauerische Werke von Gotthold Riegelmann (1864-1935) befinden sich u.a. an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der deutschen evangelischen Kirche in Rom, dem Kaiserschloss Wilhelms II. in Posen.

6) Protzen, Otto: Die Geschichte des Vereins Seglerhaus am Wannsee 1923/24, hrsg. v. Matthias Bonnes, Norderstedt 2010, S. 28.

Literatur:

  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 93f
  • Protzen, Otto: Herrensegler, Die Geschichte unseres Seglerhauses, Norderstedt 2010 / Seite 26-31
  • Berlich, Otto: Das neue Heim des Vereins Seglerhaus am Wannsee, in: Von Fluss und See, Illustrierte Beilage zum "Wassersport", Nr. 28 vom 22.09.1910 / Seite .
  • Festschrift 100 Jahre Clubhaus, mit Beiträgen von Peter Rieck, Angelika Kaltenbach und Martin Pritzel, Berlin 2010

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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