Denkmaldatenbank

Dorfkern Stolpe

Obj.-Dok.-Nr. 09075473
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Wannsee
Adressen Wilhelmplatz 1, 2, 3, 4

Glienicker Straße 1, 3
Denkmalart Ensemble
Sachbegriff Dorfkern

Am Nordufer des Stölpchensees liegt der historische Siedlungskern von Wannsee, das Dorf Stolpe. Ihm zugehörig stehen rund um Dorfkirche und Wilhelmplatz die letzten erhaltenen kleinen Wohnhäuser der Fischer und Kossäten. Sie dokumentieren anschaulich die einfachen Lebensumstände der früheren Dorfbewohner. Ihr Erscheinungsbild wird bestimmt durch einen baulichen Umbruch in den 1870er Jahren. Damals lösten traufständige Wohnhäuser mit spätklassizistischem Stuckdekor, Kellersockel und Drempelfenstern die alten zum Teil Reet gedeckten Bauernhäuser ab. In den Proportionen - eingeschossig mit Satteldach und symmetrischem Aufbau - wurde jedoch der dörfliche Maßstab beibehalten. Zu den bäuerlichen Wohnhäusern kommen die Kirche und die Schule als Hauptelemente des dörflichen Gemeinwesens. Sie bilden mit der historischen Wegeführung, der Parzellenstruktur, der Kopfsteinpflasterung und mit dem Wilhelmplatz den Dorfkern Stolpe, Wilhelmplatz 1-4 u.a.. Das Dorfensemble wird durch eine Reihe von Gebäuden mitgeprägt, die wieder aufgebaut oder rekonstruiert worden sind und die nicht mehr die authentische historische Bausubstanz besitzen. Dazu gehört auf der Ostseite des Wilhelmplatzes das Gasthaus Wilhelmplatz 4, das in seiner heutigen Form erst 1968-69 nach dem Vorbild des Vorgängerbaus, eines Kossätenhauses von 1875-76, entstanden ist. (1) Das eingeschossiges Leutewohnhaus, das rückwärtig in der Blickachse des Zugangsweges zwischen Kirche und Gasthaus liegt, stammte ursprünglich aus ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das lange Zeit leer stehende Haus wurde unter Erhalt seiner äußeren Gestalt modernisiert. Von der einstigen Vierseitanlage des Kossätenhofes Zinnow, Glienicker Straße 1, ist nur das Wohnhaus annähernd im Original bewahrt. (2) Es wurde 1874 von Maurermeister Wilhelm Franke und Zimmermeister A. Hobach für den Kossäten Ludwig Zinnow errichtet. (3) Auch das benachbarte Wohnhaus Glienicker Straße 3, das sich 1876 der Büdner Wilhelm Stuttrich erbauen ließ, wurde 1981 erheblich baulich verändert. Hinter dem Haus liegen auf dem zum Stölpchensee auslaufenden Grundstück zwei aneinander gebaute Wirtschaftsgebäude von 1925: ein niedriger Stall- und Waschküchenbau sowie ein größerer, heute umgebauter Bootsschuppen.


1) Rach 1990, S. 325.

2) Rach 1990, S. 324 f.; Bappert/Immenhausen/Schneider 2000, S. 21-23.

3) Abb. in: Bappert/Immenhausen/Schneider 2000, S. 21.

Literatur:

  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 59
  • Rach, Hans-Jürgen: Die Dörfer in Berlin, Berlin 1990 / Seite 324f
  • Bappert/Immenhausen/Schneider: Ein Wannsee-Bilderbuch, Berlin 2000 / Seite 21-23

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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