Denkmaldatenbank

Gemeindehaus der ev. St.-Annen-Gemeinde

Obj.-Dok.-Nr. 09075430
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil Dahlem
Adressen Thielallee 1, 3

Königin-Luise-Straße 56
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Gemeindehaus
Datierung 1926-1927
Entwurf Jessen, Hans (Architekt)
Ausführung Hermann Schäler (Baugeschäft)
Bauherr Evangelische Kirchengemeinde Dahlem

1926-27 entstand das Gemeindehaus der St.-Annen-Gemeinde, Thielallee 1/3, nach Entwurf von Hans Jessen. (1) Hier- der Kirche gegenüber, an der südwestlichen Ecke der Kreuzung von Königin-Luise-Straße und Thielallee- befand sich einst der Dorfteich, der Mitte des 19. Jahrhunderts austrocknete und später zugeschüttet wurde. Der weitgehend unverändert erhaltene, zweigeschossige Backsteinbau mit Walmdach und weiß gerahmten Sprossenfenstern bezieht sich - wie schon das Pfarrhaus - in seiner architektonischen Gestaltung sowohl auf die Dorfkirche als auch auf die Landhausbebauung der Umgebung. (2) Darüber hinaus bildet der abgewinkelte dreiflügelige Gebäudekomplex in Richtung Straßenkreuzung eine stadträumlich äußerst wirkungsvolle Situation, die den Anger optisch aufweitet und die St.-Annen-Kirche mehr in den Mittelpunkt rückt.

Für die nach der Jahrhundertwende stetig wachsende Dahlemer Gemeinde waren die Räumlichkeiten in Pfarrhaus und Kirche bald zu klein geworden, so dass man 1925 einen Wettbewerb für ein Gebäude mit großem Saal für Gottesdienste und Veranstaltungen sowie einem umfangreichen Raumprogramm für die verschiedensten Gemeindeaufgaben ausgelobt hatte. (3) Den Saal mit Bühne und Empore - durch einen separaten Raum erweiterbar - brachte der Architekt im eingeschossigen, etwas niedrigeren Nordflügel unter. Dieser Bauteil, direkt gegenüber der Kirche, ist mit einem Kreuz und einer Uhr außen an der chorartig vortretenden Stirnwand als Raum gekennzeichnet, in dem auch Gottesdienste abgehalten werden können. Der südliche Flügel an der Thielallee wird über ein zentrales, von Sandsteingewände und halbrunder Treppe gerahmtes Eingangsportal erschlossen. Hier befinden sich das Haupttreppenhaus sowie die Büro- und Diensträume der Gemeinde. Der Verbindungstrakt zwischen den beiden Flügeln nimmt im Erdgeschoss den mit Stützenvorhalle und Ziegelmustern repräsentativ gestalteten Eingang zum Saal mit Foyer, Garderobe und Toiletten auf. Ein zweites Treppenhaus an der Rückseite tritt durch einen turmartigen Runderker in Erscheinung. Die Räume sind im Wesentlichen in ihrer originalen Ausstattung erhalten.

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(1) Der Hamburger Architekt und Regierungsbaumeister Hans Jessen (1874-1930) wurde in Berlin vor allem durch den Bau von Bank- und Geschäftshäusern, aber auch von Landhäusern und Siedlungsbauten bekannt.

(2) Das Haus, das 1939-45 als Lazarett genutzt worden war, hatte den Zweiten Weltkrieg ohne Schäden überstanden. Ab 1945 diente es als Übungsraum für die Berliner Philharmoniker unter Leitung Herbert von Karajans, die ihre Konzerte bis zur Fertigstellung der neuen Philharmonie 1963 wegen der guten Akustik in der Dahlemer Jesus-Christus-Kirche gaben. Im Gemeindehaus wurden 1949-51 kleinere Instandsetzungsarbeiten ausgeführt und 1963/64 Dachgauben über dem Saal entfernt. Vgl. Dahlem - St. Annen 1989, S. 118 f. Vor dem Gemeindehaus wurde 1929 die Bronzeplastik eines Johannes des Täufers vom Dahlemer Bildhauer Arthur Lewin-Funcke (1866-1937) aufgestellt. Sie wurde vermutlich im Krieg zerstört, da sie auf Fotos der unmittelbaren Nachkriegszeit bereits nicht mehr vorhanden ist. Vgl. Arthur Lewin-Funcke, Bildhauer, Broschüre im Heimatmuseum Zehlendorf.

(3) Säuglingsfürsorge, Kindergarten, Konfirmanden etc. Vgl. Dahlem - St. Annen 1989, S. 118 f.

Literatur:

  • Bauwelt 20 (1929) / Seite 1099 f.
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 84
  • Moderne Bauformen 28 (1929) / Seite 314, 323-325
  • Karl-Robert Schütze (Hrsg.): Dahlem - St. Annen, Dahlemer Materialien Nr. 2, Berlin 1989 / Seite 118
  • Kaak, Heinrich: Die Kirchengemeinde Dahlem, in: Geschichtslandschaft, Zehlendorf, 1992 / Seite 141-159

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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