Denkmaldatenbank

Adam Opel AG

Obj.-Dok.-Nr. 09066400
Bezirk Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil Schöneberg
Adressen Bessemerstraße 28, 30, 32, 34, 36
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Werkhalle & Ausstellungsgebäude & Verwaltungsgebäude
Datierung 1917-1919
Datierung 1960-1961
Entwurf Buch, Bruno (Industriearchitekt)
Entwurf Stasch, Georg
Bauherr Adam Opel AG

Eine bedeutende Anlage der Automobilindustrie ist auf dem Grundstück Bessemerstraße 28/36 erhalten: Die imposante Werkhalle im Hofbereich wurde 1917-19 von Bruno Buch als Hauptwerkstatt für Kraftfahrzeuge und Flugmotoren der Rüsselsheimer Fahrräder- und Motorwagenfabrik Adam Opel errichtet und 1960-61 an der Straße durch ein Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude nach Entwurf von Georg Stasch ergänzt. (1) Die als Betonskelettkonstruktion ausgeführte Werkstatthalle zählt in Berlin zu den frühesten Beispielen dieser für Fabrikhallen ungewöhnlichen Bauart. (2) Der erfahrene Industriearchitekt Bruno Buch gestaltete die Opel-Hauptwerkstatt sowohl als von allen Seiten gut belichtete fünfschiffige Werkhalle wie auch als Repräsentationsbau für eine aufstrebende Firma der damals noch jungen Automobilbranche. Im Zweiten Weltkrieg leicht beschädigt, wurde die Halle 1946 wiederhergestellt und weiter als Autowerkstatt genutzt. Von den äußeren Seitenschiffen blieb nur jeweils eine Hälfte erhalten. An der Nordseite errichtete Georg Stasch den fehlenden Teil des äußeren Seitenschiffs 1972/73 als Stahlkonstruktion mit Fachwerkträgern neu. (4) Mit einem angedeuteten Flugdach, einer klaren Rasterung und großflächigen Schaufenstern dokumentiert der 1960-61 errichtete funktionale Neubau des Ausstellungs- und Verwaltungsgebäudes die Architektur der Nachkriegszeit sowie den wirtschaftlichen Aufschwung und die zunehmende Motorisierung in dieser Zeit, als die Adam Opel AG zu den führenden Automarken in Deutschland gehörte.

Die guten Lichtverhältnisse in der Halle ergeben sich aus der Bauform, die aus einem hohen Mittelschiff und niedrigeren, in der Höhe abgestuften Seitenschiffen besteht: Das etwa 120 Meter lange Mittelschiff mit einer Höhe von 14 Metern und einer Spannweite von 13 Metern wird durch zwei Längsreihen von Oberlichtfenstern und einer durchlaufenden Firstlaterne im halbrund gewölbten Hallendach belichtet; die zweigeschossigen inneren Seitenschiffe mit flachen Dächern und die eingeschossigen äußeren Seitenschiffe mit korbbogenförmig gewölbten Betonschalendächern verfügen über quer angeordnete Oberlichtraupen und über Fensterreihen an ihren Längsseiten. Die von der Firma Dyckerhoff & Widmann ausgeführten, nur elf Zentimeter dicken Betonschalendächer gehören zu den frühen Beispielen einer Dachkonstruktion, die in den 1920er Jahren von der Firma weiterentwickelt wurde. (5) Die basilikale Form der Halle und ihr fünfgeschossiger turmartige, von einem hohem Walmdach bekrönter Vorbau an der östlichen Giebelseite lassen an die sprichwörtliche Industriekathedrale denken.

Der zweigeschossige Ausstellungs- und Bürobau von 1961 wirkt in seiner Gestaltung mit großen Schaufenstern im Erdgeschoss, und dem durchgehenden Band aus hochrechteckigen Fenstern für die Büros im Obergeschoss transparent und funktional. Die gleichmäßige Gliederung der Straßenfassade wird in der Horizontalen durch ein gelbes Gesimsband mit dem Firmenschriftzug zwischen den Geschossen betont, in der Vertikalen jedoch unterbrochen durch einen aus der Mittelachse gerückten Eingangs- und Treppenhausrisalit, der den genau dahinter stehenden Turm der Werkstatthalle zitiert. Zum Hof gelangt man durch eine zweispurige überdachte Einfahrt mit einer Pförtnerloge in der Mitte. Das kleine Gebäude auf ovaler Grundfläche, dessen leicht ausgestellten Wände über einem niedrigen, mit hellen Spaltklinkern verkleideten Sockel fast vollständig in Glasflächen mit zarten eloxierten Rahmen aufgelöst sind, spiegelt am deutlichsten den Zeitgeist 1960er Jahre wider.


(1) Adam Opel hatte 1863 mit dem Bau von Nähmaschinen begonnen und 1868 in Rüsselsheim eine Nähmaschinenfabrik gegründet. Nach dem Tod des Firmengründers 1895 leiteten seine Witwe und die fünf Söhne die Firma; sie nahmen zusätzlich die Herstellung von Fahrrädern, ab 1899 auch von Automobilen und ab 1901 von Motorrädern auf. Seit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft1929 gehörte das Unternehmen zum US-amerikanischen Konzern General Motors. Seit 1906 hatte die Firma eine Zweigniederlassung in Berlin, 1907 wurde sie Hoflieferant des Kaisers.

(2) Die "Hauptwerkstatt für Kraftfahrzeuge und Flugmotoren" an der Bessemerstraße ist ab 1919 im Berliner Adressbuch verzeichnet. Vgl. De Fries, Heinrich: Industriebaukunst. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 5 (1920/21), S. 178 f.; Lindner, Werner: Bauten der Technik, ihre Form und Wirkung, Werkanlagen, Berlin 1927, S. 166; Möbius, Richard (Hg.), Bruno Buch, Industriearchitekt, Neue Werkkunst, Berlin 1929, S. X, Abb. S. 18; Bauwelt 26 (1935), H. 25, S. 598; Paape, Angelika: Bruno Buch, Industrie-Architekt, Berlin o. J. (1987), S. 2; Bauwelt 90 (1999), H. 28, S. 1536 f.

(3) Diese wurden damals überwiegend als Stahlbauten ausgeführt. Möglicherweise nutzte Bruno Buch die Erfahrungen, die der Architekt und Stadtbaurat Max Berg und die Firma Dyckerhoff & Widmann beim Bau der Jahrhunderthalle 1911-13 in Breslau, der mit 65 Metern Spannweite damals weltweit größten Halle mit einer Betonkonstruktion, gesammelt hatten. Vgl. Ilkosz, Jerzy: Die Jahrhunderthalle und das Ausstellungsgelände in Breslau - das Werk Max Bergs, München 2006.

(4) Bei der Instandsetzung wurden an der Hauptfassade des Turms zusätzliche Fenster eingebaut. An der östlichen Stirnwand der Seitenschiffe wurden die Fensteröffnungen verändert.

(5) Vgl. Bauwelt 90 (1999), H. 28, S. 1536 f.

Literatur:

  • De Fries, Heinrich, Industriebaukunst in
    Wasmuths Monatshefte für Baukunst 5 (1920/21) / Seite 127-129, 178-179 (Abb.)
  • N.N./ Betonbauten von Dyckerhoff & Widmann A.G, Biberach a. Rhein in
    Deutsche Bauhütte 26 (1922) / Seite 101-102
  • N.N./ Persönliches (Bruno Buch) in
    Bauwelt 26 (1935) 25 / Seite 598
  • Vollmer, Bd. 1 / Seite 340
  • Paape, Bruno Buch, 1985 / Seite 2
  • Baumeister, Architekten, Stadtplaner, 1987 / Seite 605
  • Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Ortsteil Schöneberg, Petersberg 2018 / Seite S. S. 272 f.

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