Denkmaldatenbank

240. und 254. Gemeindeschule

Obj.-Dok.-Nr. 09050338
Bezirk Mitte
Ortsteil Moabit
Adressen Waldenserstraße 20, 21
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Schule
Datierung 1902-1904
Umbau 1942, 1953
Entwurf Hoffmann, Ludwig Ernst Emil & Matzdorff, Georg & Roemert, Carl (Architekt)
Entwurf Stiehl, Otto (Architekt)
Ausführung Hoffmann & Wüstenhagen (Baugeschäft)
Bauherr I. Stadt-Bauinspektion

Das schlossartige viergeschossige Gebäude mit einem schmuckreichen Renaissanceportal vor der Einmündung der Waldenserstraße in die Waldstraße ist die 240. und 254. Gemeindeschule, die 1902-04 Stadtbaurat Ludwig Hoffmann unter Mitarbeit von Georg Matzdorff, Carl Roemert und Otto Stiehl ausführte. (1) Für den Schulbau stand eine doppelte Mietshausparzelle an der Waldenserstraße 20-21 zur Verfügung, die sehr tief in die Blockinnenfläche hineinreicht. An der Straßenseite ordnete Ludwig Hoffmann einen kompakten Klassentrakt an, bestehend aus Vorder- und Quergebäude, die zusammen mit außerordentlich schmalen Seitenflügeln einen Schulhof umschließen. Dahinter folgt ein zweiter, mit regelmäßigen Baumreihen begrünter Hof, der von der Turnhalle begrenzt wird. (2) Ludwig Hoffmann, der 1896 das Amt des Stadtbaurats übernommen hatte, wählte eine zeitgemäße Architektur, die sich von dem akademischen Backsteinstil seines Vorgängers Hermann Blankensteins deutlich abhob. Die Baugruppe strahlt eine große Homogenität aus. Mit der sandsteingegliederten Putzfassade und dem umbauten Innenhof erinnert die Gemeindedoppelschule an Schlossbauten der Renaissance oder des Frühbarock. Dazu trägt nicht zuletzt das prächtige, von Säulen flankierte barocke Sandsteinportal in der Mittelachse bei. Die Fenster der Straßenfront sind zu Gruppen zusammengefasst und in die verputzten, weiß gestrichenen Wandflächen eingegliedert, während kräftige Rustikastreifen aus Sandstein für eine rhythmische vertikale Gliederung sorgen. Der klare Aufbau und die sorgfältig eingesetzten Schmuckformen kennzeichnen den unaufdringlichen, auf Schönheit bedachten Stil Ludwig Hoffmanns. Der qualitätsvolle Baudekor, vor allem am Hauptportal, soll für eine freundliche Stimmung sorgen. Die Wappenkartusche mit dem Berliner Bären steht für den kommunalen Schulträger, sitzende Eulen symbolisieren die Weisheit, während über den Säulen stämmige Bären zu sehen sind, die einem Jungen und einem Mädchen das Lesen beibringen. Diese hervorragenden Arbeiten schuf Otto Lessing, der zu den bedeutenden Bildhauern des wilhelminischen Kaiserreichs zählte.


(1) Hoffmann, Ludwig: Neubauten der Stadt Berlin 3 (1904), S. IX-X, Tafeln 25-28; Wirth 1955, S. 91, BusB V C, S. 25, 36, 355; Dehio Berlin 2000, S. 439.

(2) Die im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörte Turnhalle wurde 1953 verändert wieder aufgebaut und 1953 aufgestockt.

Literatur:

  • Baumeister 1 (1903) / Seite 45-47
  • Architektonische Rundschau 18 (1902) / Seite 20
  • Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe (1903) / Seite 3
  • Hoffmann, L., Neubauten der Stadt Berlin, Bd. 3, 1904 / Seite IX-X
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 93
  • BusB V C 1991 / Seite 25, 36, 355
  • Katamon Exposé / Seite 283
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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