Denkmaldatenbank

AEG-Glühlampenfabrik

Obj.-Dok.-Nr. 09050253
Bezirk Mitte
Ortsteil Moabit
Adressen Sickingenstraße 70, 71

Berlichingenstraße
Denkmalart Baudenkmal
Sachbegriff Fabrik
Datierung 1904-1912
Umbau 1990
Entwurf Kraaz, Johannes (Architekt)
Entwurf Kühn, Viktor & Teske, Gustav (Bauingenieur)
Ausführung Actiengesellschaft für Bauausführungen
Bauherr Union Elektrizitäts-Gesellschaft

Die AEG-Glühlampenfabrik, Berlichingenstraße 25 und Sickingenstraße 70-71, besetzt einen ganzen Baublock nördlich der AEG-Turbinenfabrik. (1) Der fünfgeschossige Fabrikbau wurde in mehreren Abschnitten zwischen 1904 und 1912 errichtet, um dort die Glühlampenherstellung der AEG zu konzentrieren, die bis dahin in einer beengten innerstädtischen Fabrik in der Oranienburger Vorstadt untergebracht war. (2) Die architektonische Gestaltung lag in den Händen von Johannes Kraaz, während Viktor Kühn und Gustav Teske für die konstruktive Durcharbeitung verantwortlich waren. Die Glühlampenfabrik ist ein frühes Beispiel für die veränderte, reformierte Industriearchitektur des beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Zweckbestimmung wird nach außen vermittelt und nicht hinter einem historisierenden Stilgewand versteckt. Das umlaufende gleichförmige Raster aus hervortretenden Wandpfeilern und zurückgesetzten Brüstungsbändern verdeutlicht das konstruktive Gerüst und die offene Disposition der Geschossflächen. Da die Treppenhäuser in blockartigen, an der Hofseite vorgesetzten Türmen untergebracht wurden, blieben die durchgehenden Geschossflächen frei von massiven Einbauten. Die Geschosse werden lediglich von einer Stützenreihe unterteilt. Mit diesem offenen Grundriss war es möglich, die Produktion rasch an veränderte Bedingungen anzupassen, ohne große Umbauten vornehmen zu müssen. Dem funktionalen Grundriss entspricht der weitgehende Verzicht auf Baudekor. Mit hellen Putzblenden und fialenartigen Aufsätzen, die allerdings verloren sind, wurde zurückhaltend die märkische Backsteingotik zitiert. Die AEG-Glühlampenfabrik ging 1919 in der Osram GmbH auf, die 1919 von AEG, Auer-Gesellschaft und Siemens für die gemeinsame Herstellung von neuartigen Metallfadenglühlampen gegründet wurde. Die Fabrik in Martinickenfelde, die als Osram Werk A firmierte, wurde bereits 1939 zugunsten von Osram Werk B in Wedding geschlossen, sodass Telefunken, eine AEG-Tochtergesellschaft, die Röhren und elektrotechnische Geräte produzierte, das Fabrikgebäude übernehmen konnte. Bis 1999 wurde die Fabrik von der AEG Kondensatoren und Wandler GmbH genutzt. (3) Seit 2005 ist hier das Jobcenter Berlin-Mitte eingerichtet.


1) BusB IX, S. 45-46, 96-97; Grzywatz, Berthold: Die AEG-Glühlampenfabrik/Telefunken-Röhrenfabrik, Sickingenstraße 70-71, in: Geschichtslandschaft 1987, S. 61-75; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 220-221; Schäche 1993, S. 100, 102.

2) Der erste Bauabschnitt wurde 1904-05 ausgeführt. Das Gebäude wurde 1907-12 nach Süden und Westen verlängert und um den Westflügel erweitert.

3) Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft wurde 1995 aufgelöst. Der Markenname AEG darf jedoch noch von einigen Nachfolgeunternehmen benutzt werden.

Literatur:

  • Schmidt, H.P.: Chronik des Bezirks Tiergarten, Berlin 1961 / Seite 43
  • BusB IX 1971 / Seite 45f., 96f.,
  • Berlin/ Residenzstadt, 1981 / Seite Bd. 2, 127
  • Grzywatz, Berthold: Die AEG-Glühlampenfabrik/Telefunken-Röhrenfabrik, in: Geschichtslandschaft, Tiergarten 2, 1987 / Seite 60-74
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel: Historische Bauwerke, 1988 / Seite 220f.
  • Beusselkiez und Hutteninsel, Berlin 1993 / Seite 100-102
  • Katamon Exposé / Seite 298
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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