Denkmaldatenbank

Lietzenseepark mit ehem. Dernburgplatz und Witzlebenplatz

Obj.-Dok.-Nr. 09046344,T
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Charlottenburg
Adressen Lietzenseeufer & Dernburgstraße & Herbartstraße & Kantstraße & Witzlebenplatz & Wundtstraße
Denkmalart Gartendenkmal
Sachbegriff Stadtpark
Datierung 1824
Umbau 1905-1906, 1912-1913, 1919-1920
Ausführung Toebelmann, Hans & Brettschneider, August & Rudolf, Walter & Neßler, Ludwig? (Gartenarchitekt)
Entwurf Barth, Erwin & Seeling, Heinrich
Entwurf Barth, Erwin

Südwestlich des alten Stadtkerns von Charlottenburg liegt der Lietzensee, ein Gewässer natürlichen Ursprungs, das dem anliegenden Lietzenseepark, Lietzenseeufer, seinen Namen gab. Der Park erstreckt sich vom Nordostufer bis zum Witzlebenplatz und dann entlang des Westufers bis zur Großen Kaskade am ehemaligen Dernburgplatz im Süden. Die etwa einen Kilometer lange und 60 bis 100 Meter breite Anlage gehört zu den eindrucksvollsten Projekten des Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth, der 1919-20 trotz schwieriger finanzieller Bedingungen einen Stadtpark schuf, in dem sich landschaftliche Bereiche mit streng architektonischen abwechseln. Dank Barths vorausschauender Stadt- und Freiraumplanung bietet der Park bis heute für die Besucher einen freien Uferzugang und vielfältige Erholungsmöglichkeiten. Neben Stauden- und Blumenschmuck beeindruckt der besonders vielgestaltige und teilweise sehr alte Baumbestand, darunter Trauerweide, Stieleiche, Kaukasische Flügelnuss, Feldahorn, Sommerlinde, Rosskastanie, Blutbuche, Weißdorn, Echte Sumpfzypresse, Schwarz-Pappel und die über 100 Jahre alten Platanen, die auf den weiten Rasenflächen besonders zur Geltung kommen. Bis heute sind die von Erwin Barth präzise geschaffenen Landschaftsbilder ein großartiges Erlebnis beim Durchschreiten des 1920 eröffneten Parks, dessen verschiedene Funktionsbereiche nahtlos und gartenkünstlerisch höchst gelungen ineinander übergehen.

Die Anlage geht auf einen Privatpark zurück, den sich ab 1824 Generalleutnant Job von Witzleben am Westufer des Lietzensees für seinen Sommersitz anlegen ließ. (1) Nach mehreren Eigentümerwechseln kaufte 1899 die private "Terrain-Aktiengesellschaft Park Witzleben" den See mit seinen Uferbereichen, um das Gebiet als Bauland zu entwickeln. (2) Für die Erschließung erfolgte 1904-05 die Verlängerung der Kantstraße nach Westen als Neue Kantstraße, die, um die Kosten für den Brückenschlag über den See möglichst gering zu halten, auf einem Straßendamm verläuft und für das Gewässer nur einen kleinen Durchlass offen lässt. (3) Etwa zeitgleich legte die Stadt Charlottenburg 1905 am Südufer des Sees auf einem mittlerweile in ihrem Besitz befindlichen Grundstück den Dernburgplatz an, an dessen Planung Stadtbaurat Georg Toebelmann und Baurat August Bredtschneider beteiligt waren. (4) Die kleine öffentliche Grünanlage unterhalb einer Sandsteinbrüstung hatte eine zeittypische landschaftliche Gestaltung. (5) 1906 erfolgte nach Plänen des Stadtbauinspektors Rudolf Walter und vermutlich mit Unterstützung durch den Stadtgarteninspektor Ludwig Neßler am Witzlebenplatz samt nordöstlichem Ufer die Anlage einer weiteren öffentlichen Grünfläche (6), die im landschaftlichen Stil gestaltet und mit zahlreichen Rhododendren, Koniferen und "sehr schönblühender anderer vielartiger Gehölze" geschmückt war, einen Kinderspielplatz besaß und die verbliebenen Reste des Parks Witzleben integrierte. (7) Während am Ostufer die ersten Wohnhäuser errichtet wurden, blieb das restliche Ufer noch unbebaut. Diese Verzögerung nutzte der Magistrat Charlottenburgs, der mittlerweile den hohen städtebaulichen Wert des Ufergeländes erkannt hatte, und erwarb 1910-11 in zwei Schritten sowohl den See als auch das Westufer, um die Bauplanung nicht mehr in privatwirtschaftlicher Hand zu belassen. Stattdessen sah die Stadt vor, am Ufer einen öffentlichen Park anzulegen und das restliche Gelände an den Straßen selbst als Bauland zu veräußern. (8)

Doch zunächst wünschte die Hochbauverwaltung die Umgestaltung des Dernburgplatzes mit einer repräsentativen Kaskadenanlage, die gleichzeitig mit ihrem Sauerstoff angereicherten Wasser die starke Algenplage im Lietzensee eindämmen sollte. (9) Gartendirektor Erwin Barth entwickelte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar 1912 eine symmetrisch aufgebaute Anlage mit einem mittigen Kaskadenbrunnen unterhalb der vorhandenen Sandsteinbrüstung, begleitet von seitlichen Treppen- und Rasenstufen. Wildrosen, Rhododendren und Stauden gehörten zum Pflanzenschmuck, dazu kamen Sommerblumen in Gefäßen, die direkt in die Seitenmauern der Kaskade eingefügt wurden. Oberhalb der Brüstung rahmen heute geschnittene Platanen den Platzeingang, der einst zusätzlich einen Kinderspielplatz bot. Am Seeufer schließt die Anlage mit zwei weißen Holzpergolen ab, die eine kleine Brücke flankieren. Die Ausführungspläne für die über neun Wasserbecken führende Kaskade aus Beton und Muschelkalk übernahm der Stadtbaurat Heinrich Seeling nach Vorgaben Barths. (10) Bereits 1913 konnte der Dernburgplatz übergeben werden (11), 2005-06 wurde er samt der Kaskade saniert und erhielt ein modernes Pumpsystem. (12)

N1918 setzte sich Barth mit seinem Vorschlag durch, das gesamte Ufergelände bis auf einen kleinen Abschnitt an der Herbartstraße als Park anzulegen. Der Gartendirektor verstand es, der Anlage unter Berücksichtigung der Geländehöhen mit geschwungenen Wegen, einer abwechslungsreichen Gehölzauswahl, dichten Pflanzungen an den Böschungen, großen und ebenen Rasenflächen sowie einer malerischen Uferbegrünung mit Stauden, insbesondere mit Iris, einen landschaftlichen Charakter zu geben und den vorhandenen alten Baumbestand zu schonen. Als spannungsvollen Gegensatz gestaltete Barth Eingangsbereiche und Sondergärten streng architektonisch in den für ihn so typischen Formen des Jugendstils mit barocken Anklängen. Die teilweise sehr steilen Uferhänge nutzte Barth, um die Parkeingänge mit gut proportionierten Treppenanlagen zu akzentuieren, darunter sogar ein Hohlweg mit querender Fußgängerbrücke, wobei er darauf achtete, dass die Hauptzugänge stufenlose Wege für Kranken- und Kinderwagen erhielten. (13) 1919 begannen die Bauarbeiten, die im Rahmen von Notstandsarbeiten geleistet wurden. Große Schwierigkeiten stellte der Mangel an Baumaterial dar, sodass Entwürfe für Gartenarchitekturen, Treppen oder Mauern erst erarbeitet werden konnten, wenn das nur teilweise ausreichende Material beschafft war. (14)

Die Gestaltung des Witzlebenplatzes ließ Barth größtenteils unverändert. Erst 1924-25 wurde am Nordufer ein Holzhaus mit Steg für den Ruderbootverleih errichtet, das heutige Café-Gebäude stammt aus dem Jahr 2009. (15) Beim Eingang am Kaiserdamm beseitigte Barth jedoch die kleinteilige Gestaltung aus dem Jahr 1906 zu Gunsten einer großen, ovalen Rasenfläche, die einen Durchblick vom Kaiserdamm zum See ermöglicht und von Hecken mit Sitznischen gesäumt ist. An ihrem oberen Ende entstand auf Straßenniveau ein mit geschnittenen Platanen begrenzter Vorplatz, an dem sich über eine viertelkreisförmige Stufenanlage eine Parkterrasse mit Sitzmöglichkeiten anschließt. Am unteren Ende des Rasenovals bilden zwei sechseckige Plätze mit Rotdornen den Abschluss zum See. Nach vereinzelten Umbauten in den 1960er und 1970er Jahren haben 2011 umfangreiche gartendenkmalpflegerische Instandsetzungsarbeiten diesem Parkteil sein ursprüngliches Raumgefüge zurückgegeben.

In der Verlängerung der Sophie-Charlotte-Straße hatte Barth ein architektonisches Gärtchen mit einer weiteren Wasserkaskade als Pendant zu seiner 1913 vollendeten Anlage am Dernburgplatz und für die immer noch nötige Zuleitung von frischem Wasser in den See angelegt. (16) Von hier Richtung Westen schließen sich eine Spielwiese, auf der sich heute ein Kinderspielplatz befindet, das 1924-25 errichtete Parkwächterhaus und ein schmaler Staudengarten an. Über kleine geometrische Plätze, akzentuiert durch niedrige Hecken, Zäune oder hohe Gehölzpflanzungen, führen die Wege weiter durch den Park und über die Neue Kantstraße hinweg in den Südteil, der seit 1954 auch direkt über einen Steg unterhalb der Lietzenseebrücke zu erreichen ist; eine Verbindung, die Barth aus finanziellen Gründen nicht hatte realisieren können. (17)

1924-25 wurde nach Plänen des Architekten Eugen Schmohl ein Gefallenen-Ehrenmal des Garde-Grenadier-Regiments "Königin Elisabeth" unterhalb der Böschung zur Wundtstraße eingefügt. (18) Als Ersatz für den im Zweiten Weltkrieg verlorenen Skulpturenschmuck des Parks (19) wurden in den 1950er Jahren auf dem Spielplatz im Südteil (20) die von Karl Wenke 1956 geschaffene Pinguingruppe aus Muschelkalk sowie ein Trinkbrunnen aus demselben Material von Wilhelm Scharfenberg, vermutlich auch 1956 geschaffen, aufgestellt. Die Vogeltränke mit zwei Seelöwen aus rötlichem Main-Sandstein im nördlichen Parkteil am Ufer nahe der Neuen Kantstraße fertigte die Künstlerin Rosemarie (Romy) Henning 1955. Im Nordteil, mittig auf einem großen Platz am Westufer, befindet sich ebenfalls seit den 1950er Jahren der Bronzeabguss "Jüngling mit Speer" nach einem Modell, das der Künstler Bernhard Bleeker etwa 1940 schuf. (21) Die drei Edelstahlplastiken, "Skulptur mit Kern - blau-rot" (1967), "Tangentiale Berührung" (1988-90) und "Woge mit Kugel - der Anfang und das Ende" (1994-95), südlich des Witzlebenplatzes stammen von Volkmar Haase und wurden 1973 und 2002 aufgestellt. (22) Am ovalen Uferplatz direkt gegenüber dem 1910-13 realisierten Kuno-Fischer-Platz am Ostufer steht seit 1962 die Bronze "Sandalenlösender Knabe", deren Modell Fritz Röll 1910-14 entwarf. (23)


(1) Land, Dietmar: Dernburgplatz. In: Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze, Petersberg 2013, S. 34, vgl. auch Wendland, Folkwin: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main-Berlin-Wien 1979, S. 378 f.

(2) Wiese, Anja: Zur Entstehungsgeschichte und Entwurfsplanung der Großen Kaskade. In: Stiftung Denkmalschutz Berlin (Hrsg.): Die Große Kaskade am Lietzensee, Wasserpflege und Gartenkunst in Charlottenburg, Berlin 2005, S. 5.

(3) Land, Dietmar/Wenzel, Jürgen: Heimat, Natur und Weltstadt, Leben und Werk des Gartenarchitekten Erwin Barth, Leipzig 2005, S. 210; Wiese 2005, S. 5.

(4) Land 2013, S. 34.

(5) Wiese 2005, S. 6. (6) Land/Wenzel 2005, S. 210; Land 2013, S. 34. (7) Charlottenburgs Gartenkunst am Lietzensee. In: Die Gartenwelt 10 (1906), H. 46, S. 545-547, hier S. 546. (8) Land/Wenzel 2005, S. 211. (9) Wiese 2005, S. 6 ff., Land 2013, S. 40. (10) Land 2013, S. 40. (11) Land/Wenzel 2005, S. 214. (12) Wiese 2005, S. 24 ff. (13) Barth, Erwin: Der Lietzenseepark-Charlottenburg. In: Die Gartenkunst, 34 (1921), H. 2, S. 15-26, hier S. 17 f. (14) Barth 1921, S. 18. (15) Land 2013, S. 37. (16) Am Eingang zur Straße entspringt das Wasser zunächst aus dem Springstrahl eines runden Brunnens. Treppen führen links und rechts am Brunnen vorbei und enden vor einem tiefer gelegenen rechteckigen Wasserbecken, in dem über zwei Sprudler das Wasser wieder zum Vorschein kommt. Hinter dem Wasserbecken schließt sich nach einem kreuzenden Weg eine schmale Kaskade an, über die das Wasser ruhig durch kleine, runde und achteckige Bassins in den See fließen kann. Den Reiz dieser Wasseranlage erhöhte Barth, in dem er die Bassins in eine dichte Bepflanzung aus Taglilie, Iris und Funkien legte. Die Wege führte der Stadtgartendirektor seitlich durch gebogene Laubengänge, die heute in vereinfachter Form im Park stehen. (17) Barth 1921, S. 17, Land 2013, S. 35, 39. (18) Land/Wenzel 2005, S. 245 ff. Nicht weit entfernt vom Ehrenmal hatte Barth an geschützter Stelle nahe der Neuen Kantstraße als gesonderten Raum einen Kinderspielplatz mit Unterstandhäuschen angelegt, das heute nicht mehr vorhanden ist. (19) Dies waren die Bronzen "Diana" und "Bogenschütze" von Hugo Lederer sowie die Marmorskulptur einer "Mater Dolorosa" von Rudolf Plathe. (20) Der Spielplatz im Süden des Parks nahe der Ev. Kirche am Lietzensee war zunächst Kleingartenland und wurde erst 1976 angelegt. Vgl. Lange 1989, S. 19. (21) Ebenfalls Anfang der 1950er Jahre war im nördlichen Teil des Parks die Marmor-Figur Friedrich Schillers aufgestellt worden, die von dem 1868 von Reinhold Begas geschaffenen Schiller-Denkmal auf dem Berliner Gendarmenmarkt stammte. Die große Denkmalanlage war 1935 beim Transport vom Gendarmenmarkt zum Schillerpark im Wedding beschädigt worden, die Überreste wurden eingelagert. 1941 erhielt der Schillerpark eine Bronzekopie der Dichterfigur. Das restaurierte Marmor-Original wurde 1951 im Lietzenseepark aufgestellt. Die allegorischen Figuren der Denkmalanlage waren in Ost-Berlin zwischengelagert. Nach einem Ost-West-Abkommen 1986 wurden im Dezember 1988 alle erhaltenen Einzelteile am ursprünglichen Ort auf dem Gendarmenmarkt wieder aufgestellt. Vgl. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 493 f., Abb. 665; Wikipedia, Stichwort "Schiller-Denkmal Berlin" (22) Zu den hier genannten Entstehungsdaten der Plastiken siehe: www.bildhauerei-in-berlin.de. Auf der eigenen Internetseite des Künstlers (www.volkmarhaase.de) sind nur die Daten der Aufstellung angegeben. (23) Kähler, Susanne: Erfassung/Inventarisation von Werken der bildenden Kunst in öffentlichen Gartendenkmälern von Charlottenburg. Erstellt im Auftrag des Landesdenkmalamts Berlin, Fachreferat für Gartendenkmalpflege, 2005, Objekt Nr. 90.

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 466ff.; Tafelband Nr. 607-612
  • BusB XI 1972 / Seite 267
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 19 (1899) / Seite 322f.
  • Bauamt und Gemeindebau 3 (1921) / Seite 119
  • Gartenkunst 15 (1913) / Seite 95
  • Gartenkunst 34 (1921) / Seite 15-26
  • Gartenwelt 26 (1922) / Seite 25-27
  • Bauwelt 4 (1913) 7 / Seite 25
  • Tagesspiegel, 24.04.2017 / Seite .
  • Bauwelt 9 (1918) 37 / Seite 34-39
  • Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Gartendenkmale in Berlin Parkanlagen und Stadtplätze, Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin Nr. 39, Petersberg 2013

Teilobjekt Kaskadenanlagen

Teil-Nr. 09046344,T,001
Sachbegriff Kaskade
Datierung 1912
Ausführung Barth, Erwin (Gartenarchitekt)
Ausführung Seeling, Heinrich (Architekt)

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