Denkmaldatenbank

Kaserne der Garde du Corps (ehem.)

Obj.-Dok.-Nr. 09040605,T
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Charlottenburg
Adressen Schloßstraße 1, 1A, 70

Spandauer Damm 7, 17
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Kaserne & Marstall & Reithalle & Mannschaftsgebäude & Offizierswohnhaus
Datierung 1851/1893
Bauherr Friedrich Wilhelm IV. (König von Preußen)

Mit prachtvollen, überwiegend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichteten Wohnhäusern und Vorgärten, mit der als Grünanlage gestalteten Allee und den schmalen, Kopfstein gepflasterten Verkehrsspuren gilt die Schloßstraße als eine der schönsten Straßen Berlins (1) - ihr historischer Bestand ist als Denkmalensemble Schloßstraße 1-1A u.a. zusammengefasst. Darüber hinaus ist die Schloßstraße Teil des barocken Achsensystems, welches das Schloss in die Umgebung einband, sowie als Sichtachse auf dessen Kuppelturm von großer städtebaulicher Bedeutung. Zeugnisse aus der frühesten Bebauungsphase der Straße, als nach dem Bau des Lustschlosses Lützenburg ab 1702 die ersten Häuser für Handwerker und Schlossbedienstete entstanden und sich das so genannte Schlossviertel neben dem mittelalterlichen Dorf Lützow zum zweiten Siedlungskern auf heutigem Charlottenburger Gebiet entwickelte (2), sind nicht mehr vorhanden. Die historischen Gebäude, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überdauert haben, sind um die Mitte des 19. Jahrhunderts, zum größten Teil seit den 1880er Jahren, erbaut worden. Die 1851-59 von Friedrich August Stüler errichteten Kasernenbauten am Spandauer Damm waren 1945 schwer beschädigt; die Dächer waren eingestürzt, die Kuppeltürme aber standen noch. In die beiden architekturhistorisch bedeutenden Bauten zogen nach dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren das Ägyptische und das Antikenmuseum ein. (3) Zur Schloßstraße, die 1841-42 erstmals als Baumallee mit Mittelpromenade angelegt, 1845 verschönert und 1885-86 von Hermann Mächtig umgestaltet wurde, gehört im Norden das 1901 enthüllte Denkmal des Prinzen Albrecht sowie der fünfarmige Kandelaber auf der Straßeninsel am südlichen Ende. (4) Nachdem die noch nicht bebauten Areale westlich der Schloßstraße nach dem 1862 von James Hobrecht aufgestellten Bebauungsplan für die Umgebung Berlins aufgeteilt worden waren, entstanden hier ganze Straßenzüge mit Mietskasernen. (5) Auch an der Schloßstraße selbst wurden die kleinen Wohnhäuser des 18. Jahrhunderts vor allem in den 1880er und 1890er Jahren meist durch große Mietshäuser mit Seitenflügeln und Quergebäuden ersetzt. Die ältesten Beispiele der erhaltenen Wohnbauten, die Häuser Schloßstraße 13, 18-18 A und 67, stammen noch aus den 1850er und 1870er Jahren; sie sind als Einzeldenkmale ausgewiesen. Die zweigeschossigen spätklassizistischen Wohnhäuser Nr. 18-18A und 67 sind die letzten Vertreter dieses Typs an der Schloßstraße; das Haus Nr. 13 wurde 1875-76 bereits als viergeschossiges Eckmietshaus erbaut. Auch die zwischen 1882 und 1891 errichteten Häuser Schloßstraße 4A, 12 und 65 sind wegen ihres guten Erhaltungszustands als Einzeldenkmale geschützt; Nr. 4A und 12 sind eindrucksvolle Vertreter der ersten Generation der drei- bis viergeschossigen Mietshäuser mit nur einem Seitenflügel; während das Haus Schloßstraße 65 als imposantes fünfgeschossiges Eckhaus ein typisches Beispiel für die 1890er Jahre darstellt. Die übrigen der zwischen 1882 und dem Beginn des Ersten Weltkrieg ausgeführten Mietshäuser, die Teile des Ensembles Schloßstraße sind, zeigen sich in unterschiedlichen Bautypen und Zustand: Die heute an einer der begehrtesten Wohnadressen Charlottenburgs stehenden Häuser sind zumeist hochwertig renoviert, zum Teil mehr oder weniger stark verändert oder rekonstruiert. Gut erhaltene Stuckfassaden wechseln sich ab mit vereinfacht wiederhergestellten, mit vollständig entstuckten oder rekonstruierten Fassaden; Hofgebäude sind teilweise erhalten, die Höfe begrünt. Mit den 1986 auch im Bereich der Nachkriegsbauten wiederhergestellten Vorgärten zeigt sich die Schloßstraße heute mit einer heterogenen, historisch gewachsenen Bebauung, die in ihrem Gesamtbild jedoch einer einheitlichen Gestaltung verpflichtet erscheint.


(1) May, Herbert: Einst eine Zierde der Residenz, Die Schloßstraße in Charlottenburg, Berlin 1992, S.5.

(2) Ein Gasthof stand am nördlichen Ende der Straße, das erste Rathaus der Stadt zog 1705 in das Haus Schloßstraße 1, die beiden türkischen Kammerdiener der Kurfürstin, Aly und Hassan, errichteten sich auf den Grundstücken Schloßstraße 4 und 6 ihre Häuser, die zum Vorbild für die weitere Bebauung wurden. Vgl. May 1992, S. 6 ff.

(3) Siehe Gesamtanlage Schloßstraße 1-1A, 70, ehem. Kaserne der Gardes du Corps.

(4) Siehe Gartendenkmal Schloßstraße, Allee.

(5) Siehe Ensembles Christstraße 1, 4-5 u.a., Christstraße 17-20 u.a., Gardes-du-Corps-Straße 1-2 u.a.

Literatur:

  • Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Teil 2/ Stadt und Bezirk Charlottenburg, Berlin 1961 / Seite 163-67, 172, 490f.
  • Gundlach II, 1905 / Seite 416-17
  • BusB V A 1983 / Seite 64
  • Gundlach I, 1905 / Seite 280-282
  • Bergau, Rudolf/ Inventar der Bau- und Kunstdenkmäler in der Provinz Brandenburg, Berlin / Seite 301-02
  • Bauwelt 21 (1930) / Seite 132-134
  • Bauwelt 65 (1974) / Seite 434, 878-881
  • May, Herbert/ "Einst eine Zierde der Residenz". Die Schloßstraße in Charlottenburg. Berlin 1992 / Seite 17
  • Fischer, Berliner Sportstätten, 1992 / Seite 21-27
  • BusB II/III 1896 / Seite 387
  • SenBauWohn (Hrsg.)/ Preußische Bauten in Berlin, Berlin 1981 / Seite 13
  • Börsch-Supan, Eva und Müller-Stüler, Dietrich/ Friedrich August Stüler (1800-1865), München/Berlin 1997 / Seite 902
  • Fischer, Gerhard/ Berliner Sportstätten. Geschichte und Geschichten, Berlin 199221-27Wichmann, Hermann/ Gesammelte Aufsätze 2, Leipzig 1887 / Seite 144

Teilobjekt östlicher und westlicher Kasernenbau

Teil-Nr. 09040605,T,001
Sachbegriff Kaserne
Datierung 1851-1859
Umbau 1929, 1953-1958, 1983, 1989, 2007-2008
Entwurf Stüler, Friedrich August

Die heute vom Museum Berggruen, der Sammlung Scharf-Gerstenberg und dem Bröhan-Museum genutzten Gebäude Schloßstraße 1-1A, 70, Spandauer Damm 7, 17, gehören zur Gesamtanlage der ehemaligen Kaserne der Gardes du Corps, die erst seit den 1950er Jahren als Museumsstandort dient. Die beiden klassizistisch, mit prägnanten Kuppelaufsätzen gestalteten Bauten an den Straßenecken sowie der Marstall am Spandauer Damm waren unter Friedrich Wilhelm IV. und nach Entwurf von Friedrich August Stüler 1851-59 für die Königliche Leibgarde (1) errichtet und 1860 durch eine Reithalle im westlichen Hofinnenbereich ergänzt worden; das Mannschaftsgebäude (Schloßstraße 1 A) und das Wohnhaus für Unteroffiziere (Spandauer Damm 17) kamen erst nach dem Abzug der Gardes du Corps 1892-93 für das Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 ("Elisabether") dazu. (2) Die dem Schloss gegenüberliegenden, auf den ersten Blick nicht unbedingt als Kasernen erkennbaren Bauten sollten auf Wunsch des Königs mit ihrer repräsentativen Architektur sowohl ältere Wohn- und Stallgebäude des Garde-Regiments verdecken und die Einmündung der Schloßstraße rahmen als auch den Zusammenhang mit dem Schloss und seinem mächtigen Kuppelturm verdeutlichen. Diese städtebauliche Funktion erfüllen die im Zweiten Weltkrieg zum Teil stark beschädigten und 1953-58 in ihrem Äußeren originalgetreu wiederhergestellten Bauten noch immer. Darüber hinaus entstand mit der Antikensammlung im westlichen Stülerbau und dem Ägyptischen Museum im östlichen Pendant nach dem Zweiten Weltkrieg im Bereich des wieder aufgebauten Charlottenburger Schlosses einer der Schwerpunkte in der neu geordneten Museumslandschaft West-Berlins. (3) Auch nach der Wiedervereinigung und der damit verbundenen Rückkehr der Bestände auf die Museumsinsel bilden die 2008 und 2013 für die beiden bedeutenden Privatsammlungen (4) umgebauten Eckgebäude zusammen mit dem Bröhan-Museum im Mannschaftsgebäude und dem Schloss einen wichtigen Museumsstandort in Berlin.

Auch wenn sich die beiden 1845 von Friedrich August Stüler entworfenen und unter Leitung von Carl Wilhelm Drewitz 1851-59 ausgeführten Kasernenbauten in ihrem heutigen Bestand und in ihrer Nutzungsgeschichte nach 1945 unterscheiden, sind sie in ihrer architektonischen Gestaltung jedoch identisch. Die ursprünglich frei stehenden, flach gedeckten Putzbauten auf quadratischem Grundriss mit 23 Metern Seitenlänge sind an allen vier Seiten gleich gegliedert mit geschossübergreifenden kannelierten Eckpilastern und dreiachsigen Mittelrisaliten, die ebenfalls mit einer Kolossalpilasterordnung betont und von einem Dreiecksgiebel überfangen sind; Adler mit ausgebreiteten Schwingen an den korinthischen Kapitellen verweisen auf die einstige militärische Nutzung. Souterrain und Erdgeschoss sind mit einer Putzquaderung als Sockelgeschoss zusammengefasst; die beiden glatt verputzten Obergeschosse, von denen das erste in Höhe und Dekor der Fensterrahmungen als Piano Nobile ausgezeichnet ist, sind vom Sockel durch ein kräftiges Gesims getrennt und nach oben durch eine reich dekorierte Attika, ein Kranzgesims aus Terrakotta und eine Balustrade abgeschlossen. Als Bekrönung tragen die beiden Gebäude über einem runden Unterbau einen offenen Rundtempel mit einem Kranz aus 16 korinthischen Säulen und einer Kupfer gedeckten Kuppel, der die Form eines griechischen Monopteros aufgreift.(5) Der Säulenkranz rahmt ein verglastes Oberlicht, das das runde, im Zentrum des Gebäudes gelegene Treppenhaus belichtet. Um diesen Kern herum liegen die etwa gleich großen Räume in regelmäßiger Anordnung. Nach Verlegung der Charlottenburger Schwadron der Gardes du Corps nach Potsdam 1889 nutzte das Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment die Gebäude bis zum Ersten Weltkrieg, danach zog die Berliner Polizei mit verschiedenen Dienststellen ein.

Im westlichen Stülerbau und in den beiden benachbarten Kasernenbauten für die Elisabether war 1929 die Polizeischule Charlottenburg eingerichtet worden. (6) Dabei waren im Stülerbau das Treppenhaus sowie Räume für die Unterbringung von Lehrmittelsammlungen verändert worden, sodass nach dem Wiederaufbau des stark beschädigten Gebäudes, der 1956-58 durch Karl Heinz Wuttke ausgeführt wurde, das Innere für die Nutzung als Antikenmuseum 1959-60 unter Beteiligung von Wils Ebert weitgehend neu gestaltet wurde. (7) Nach dem Auszug der Antikensammlung ließ die Stiftung Staatliche Museen zu Berlin das Haus 1995-96 für die als Leihgabe zur Verfügung gestellte Sammlung Berggruen vom Architekturbüro Hilmer & Sattler und Albrecht behutsam instand setzen. Nach dem Ankauf der Sammlung im Jahr 2000 und der Vergrößerung der Bestände durch Leihgaben der Erben des 2007 verstorbenen Heinz Berggruen wurde 2008-13 mit Umbau und Anbindung des Wohnhauses für Unteroffiziere am Spandauer Damm durch die Architekten Kuehn/Malvezzi die Ausstellungsfläche deutlich vergrößert. (8) Dabei fassten sie die beiden Gebäude durch einen verglasten Verbindungsgang zusammen und legten im Hofinnenbereich einen Skulpturengarten an.

Im Gegensatz zum westlichen Stülerbau, der trotz der zahlreichen Umbauten heute sein ursprüngliches äußeres Erscheinungsbild weitgehend wiedererlangt hat, präsentiert sich das östliche Gegenstück mit modernen Anbauten zur Schloßstraße als ein eher heterogener Gebäudekomplex. Nach dem Wiederaufbau 1953-55 unter Landeskonservator Hinnerk Scheper war der etwas weniger schwer beschädigte Bau, in dessen Treppenhaus sich originale Ausstattungsdetails wie das Eisengeländer, die Voluten verzierten Konsolen und das Terrakottarelief erhalten hatten, 1967 für die in West-Berlin verbliebenen Ausstellungsstücke des Ägyptischen Museums ausgebaut worden. Eine erste umfangreiche Erweiterung erfuhr das Gebäude 1982-84, als es durch die Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte umgebaut und mit dem benachbarten Marstall verbunden wurde. Dabei ersetzte man den ursprünglichen Verbindungstrakt durch einen größeren Neubau für das Kalabscha-Tor. 1983-89 führten die Architekten zudem an der Südseite des Marstalls einen kubischen Anbau für die monumentalen Säulen des ägyptischen Sahuré-Tempels aus. (9) Auch die südlich gelegenen Neubauten unter anderem für das Heimatmuseum Charlottenburg entstanden 1985-89 nach Plänen des Büros Schüler/ Schüler-Witte. (10) Für die Generalsanierung des Museums und die Präsentation der Privatsammlung Scharf-Gerstenberg wurde 2005 ein Wettbewerb ausgelobt, den das Büro Sunder-Plassmann Architekten gewann. Bis zur Eröffnung im Juli 2008 entstand ein gläserner Hallenbau mit weit vorstehendem Flachdach, der als Foyer, Café und Museumsshop dient, den Vorplatz nach Osten abschließt und die älteren Bauten zu einer Einheit zusammenfasst, ohne sie zu verdecken.

Der Marstall war 1855-58 ebenfalls von Carl Wilhelm Drewitz für Pferde und Wagen der Gardes du Corps ausgeführt worden; er liegt als eingeschossiger gelber Sichtziegelbau mit flachen Satteldächern zweiflügelig an Spandauer Damm und Nithackstraße. (11) Die Straßenecke markiert ein zweieinhalbgeschossiger würfelförmiger Wohnbau mit Zeltdach, Rundbogenfenstern und einer Lisenengliederung mit Konsolfriesen an den Obergeschossen. Die Fassaden der Flügel sind durch schlichte Rundbogenfenster und -portale sowie einen weiten Dachüberstand geprägt. Das Innere des Haupttraktes besteht aus einer dreischiffigen Halle mit Kreuzgratgewölben über gusseisernen Säulen, in der sich noch Details des ehemaligen Stalles wie Halter für Zaumzeug und eine Futterluke in der Decke zum darüberliegenden Speicher erhalten haben. Der Marstall gehört zu den ältesten erhaltenen Bauten dieses Typus in Berlin.

Auf dem südwestlichen Teil des Grundstücks Schloßstraße 1-1A war 1860 von Friedrich Wilhelm Boelcke und G. Schmidt von der Garnison-Bauverwaltung eine Reithalle errichtet worden. (12) Nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt erhalten, wurde der Bau 1958-59 zur Sporthalle umgebaut. Der lang gestreckte, eingeschossige gelbe Sichtziegelbau mit Satteldach und ursprünglich durch Lisenen und Rundbogenfenster gegliederten Fassaden erhielt dabei an seiner nördlichen Längsseite neue Rechteckfenster und zwei niedrige Zugangsbauten, das Innere wurde modernisiert. Bauliche Details des 19. Jahrhunderts zeigt nur noch der zweigeschossige südliche Bauteil mit Satteldach, Giebeln und geschnitztem Holzzierwerk an der östlichen Schmalseite, während der eingeschossige Vorbau daneben wohl verändert wurde.

Das Mannschaftsgebäude (Schloßstraße 1A) und das Offizierswohnhaus (Spandauer Damm 17), beide 1892-93 nach Entwurf von Garnison-Bauinspektor Kahl für das Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment errichtet, wurden zusammen mit dem westlichen Stülerbau 1929 zur Polizeischule umgebaut. Nach 1945 beherbergte das weitgehend unbeschädigte Mannschaftsgebäude zunächst das Arbeitsamt West und 1971-78 das Bauhaus Archiv; 1979-83 wurde das Gebäude von Winnetou Kampmann und Ute Weström behutsam modernisiert und für das Bröhan-Museum umgebaut. (13) Der dreieinhalbgeschossige Putzbau mit Souterrain, der an der Südseite mit einer Brandwand an die Nachbarbebauung anschließt, ist in seiner Gestaltung den Stülerbauten angepasst. Die mittleren Fensterachsen der beiden Längsseiten sind als Risalit vorgezogen, der um ein Geschoss erhöht und an der Rückseite durch zwei Anbauten ergänzt wird; die nördliche Schmalseite zeigt einen dreiachsigen Mittelrisalit mit dem Säulen flankierten Hauptportal. An allen Fassaden sind Souterrain und Erdgeschoss mit einer Putzrustika zusammengefasst und zum ersten Obergeschoss durch ein kräftiges Gesims abgeschlossen. Die Obergeschosse sind glatt geputzt, die Gebäudeecken jedoch durch Lisenen mit Putzquaderung betont; die Fenster werden von einfachen Profilen gerahmt, nur im ersten Obergeschoss durch schmale Verdachungen ausgezeichnet. Wie bei den Stülerbauten bildet die Attika mit querrechteckigen Fenstern und gerahmten Putzfeldern den oberen Abschluss der Fassade; am Mittelrisalit gibt es zusätzlich ein Konsolgesims. Im Inneren ist die Grundrissstruktur im Wesentlichen erhalten, bauliche Details sind jedoch weitgehend verloren.

Das Offizierswohnhaus Spandauer Damm 17, ein dreigeschossiger flach gedeckter Putzbau mit Souterrain und Attikageschoss, der sich ohne Seitenflügel an die Bebauung am Spandauer Damm anschließt, gehört heute zum Museum Berggruen. (14) Beim Umbau durch die Architekten Kuehn/Malvezzi 2008-13 wurde die Fassadengliederung mit rustiziertem Sockel und gerahmten Fenstern an den Obergeschossen weitgehend erhalten, das Innere mit wenigen Eingriffen an die Museumsnutzung angepasst. Der Zugang erfolgt heute nicht mehr über das von Säulen flankierte Hauptportal am Spandauer Damm, sondern über einen gläsernen Verbindungsgang vom Stülerbau, der an der Straße durch eine Einfriedung mit mächtigen Pfeilern und schmiedeeisernen Toren verdeckt wird.


(1) Das Regiment der Gardes du Corps war 1740 von König Friedrich II. als persönliche Leibgarde gegründet worden; es stellte innerhalb der Preußischen Armee die vornehmste Einheit der Kavallerie dar, deren Anführer der jeweilige König von Preußen selbst war. Die Offiziere stammten vornehmlich aus dem Hochadel, sie waren an Brust- und Rückenpanzern sowie an ihren ausschließlich braunen Pferden zu erkennen. Ab 1889 gab es nur noch in Potsdam eine Garnison. Vgl. Wikipedia, Stichwort "Regiment der Gardes du Corps".

(2) Schmitz, Frank: Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin 2009; Börsch-Supan, Eva/Müller-Stüler, Dietrich: Friedrich August Stüler (1800-1865), München-Berlin 1997, S. 902; Börsch-Supan, Eva: Friedrich August Stüler. In: Ribbe, Wolfgang/Schäche, Wolfgang (Hrsg.): Baumeister, Architekten, Stadtplaner; Biographien zur baulichen Entwicklung Berlins, Berlin 1987, S. 196-218; Klünner, Hans-Werner: Preußische Bauten in Berlin, Berlin 1981, S. 12 f.; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 163-167, 172.

(3) Berlin und seine Bauten, hrsg. v. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, Teil V, Bd. A, Bauten für die Kunst, Berlin-München 1983, S. 7 f.: Mit Stand 1983 werden hier neun Gebäude mit Museumsnutzung aufgeführt. Während die meisten der historischen Museumsbauten im Ostteil Berlins lagen, wurden für die erhaltenen Bestände der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz die Museumskomplexe in Dahlem und am Kulturforum zu weiteren Standorten ausgebaut.

(4) Das Museum Berggruen und die Sammlung Scharf-Gerstenberg gehören ebenso wie die Alte und die Neue Nationalgalerie, der Hamburger Bahnhof und die Friedrichswerdersche Kirche zur Berliner Nationalgalerie, die für die Berliner Bestände der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Gegenwart zuständig ist. Vgl. www.smb.museum.

(5) In den ungewöhnlichen Dachaufbauten wird sowohl eine Anspielung auf den gegenüberliegenden Schlossturm vermutet wie auch ein Zitat der beiden Türme am Gendarmenmarkt in Berlin, die 1780-85 nach Entwurf von Carl v. Gontard ebenfalls als reine Schmuckbauten für den Platz errichtet wurden. Vgl. Börsch-Supan, Eva: Friedrich August Stüler. In. Ribbe/Schäche 1987, S. 208; Wörner, Martin/Mollenschott, Doris/Hüter, Karl-Heinz: Architekturführer Berlin, 3. Aufl. Berlin 1991, Nr. 131.

(6) Den Umbau führte die Preußische Bau- und Finanzdirektion noch Plänen von Alfred Richter aus. Ab 1937 wurden die Gebäude als Führerschule der Sicherheitspolizei genutzt, nach 1945 als Arbeitsamt und Passierscheinstelle untergebracht. Vgl. www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-berggruen/ho me.html; Inventar Charlottenburg 1961, S. 164, 172.

(7) 1976 wurde durch das Architekturbüro Ralf Schüler, Ursulina Schüler-Witte und Helge Sypereck im Keller eine Schatzkammer eingebaut. Vgl. Rave, Rolf/Knöfel, Hans-Joachim: Bauen der 70er Jahre in Berlin, Berlin 1981, Nr. 367.

(8) Das so genannte Kommandantenhaus: Entwurf 2008, Eröffnung März 2013 von Wilfried und Johannes Kuehn, Simona Malvezzi. Wegen Mängeln in der Bauausführung mussten 2013-16 Sanierungsarbeiten durchgeführt werden, im Juni 2016 konnte das Gebäude wiedereröffnet werden. Vgl. Kuhn, Nicola: Berggruen-Museum, Schatzhaus der Moderne. In: Der Tagesspiegel vom 15.03.2013; Woeller, Marcus: Nach dem Umbau ist das Berliner Museum Berggruen mit seiner Sammlung der Klassischen Moderne wieder für das Publikum zugänglich. In: Berliner Morgenpost vom 16.03.2013.

(9) Kalabscha-Tor und Sahuré-Saal sollen langfristig, d.h. nach Fertigstellung des Pergamonmuseums, auf die Museumsinsel verbracht werden. Vgl. Schmitz, Frank: Sammlung Scharf-Gerstenberg, Berlin 2009, S. 10.

(10) Schloßstraße 69: Bezirksmuseum Charlottenburg, 1987; Schloßstraße 69 A: Naturwissenschaftliche Sammlungen Land Berlin, 1987-89; Schloßstraße 69 B: Abguss-Sammlung, 1985-88, zusammen mit Helge Sypereck. Vgl. Wikipedia: "Ralf Schüler-Witte".

(11) Baurat Carl Wilhelm Drewitz (1806-1888) führte in Berlin mehrere Kasernenbauten aus, z.B. die Dragonerkaserne am Mehringdamm. Vgl. Wikipedia, Stichwort "Karl Wilhelm Drewitz"; Inventar Charlottenburg 1961, S. 166 f.

(12) Inventar Charlottenburg 1961, S. 167.

(13) 1983 wurde das Bröhan-Museum eröffnet, nachdem der Kunstsammler Karl Bröhan seine Sammlung von Kunst des Jugendstils und des Art Déco dem Land Berlin geschenkt hatte. Vgl. Inventar Charlottenburg 1961, S. 172; BusB 1896, Bd. 2, S. 387; SenBauWohn (Hrsg.): Preußische Bauten in Berlin, Berlin 1981, S. 13.

(14) Das Gebäude war 1929 durch Regierungsbaumeister Massilin zum Beamtenwohnhaus umgebaut worden. Vgl. Inventar Charlottenburg 1961, S. 172. Zum Umbau vgl. Kuhn, Nicola: Berggruen-Museum, Schatzhaus der Moderne. In: Der Tagesspiegel vom 15.03.2013; Woeller, Marcus: Nach dem Umbau ist das Berliner Museum Berggruen mit seiner Sammlung der Klassischen Moderne wieder für das Publikum zugänglich. In: Berliner Morgenpost vom 16.03.2013.

Teilobjekt Marstall

Teil-Nr. 09040605,T,002
Sachbegriff Marstall
Datierung 1855-1858
Umbau 1967, 1977, 1983
Entwurf Drewitz, Carl

Teilobjekt Mannschaftsbau & Elisabetherkaserne

Teil-Nr. 09040605,T,003
Sachbegriff Kaserne
Datierung 1892-1893
Umbau 1979-1983
Entwurf Kahl

Teilobjekt Wohnhaus für verheiratete Offiziere

Teil-Nr. 09040605,T,004
Sachbegriff Kaserne & Wohnhaus
Datierung 1892-1893
Entwurf Kahl

Teilobjekt Reithalle

Teil-Nr. 09040605,T,005
Sachbegriff Reithalle
Datierung 1860
Umbau 1958-1959
Entwurf Boelcke, Friedrich Wilhelm & Schmid, G.

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Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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