Denkmaldatenbank

Glühlampenwerk Siemens und Halske, Osram Werk S

Obj.-Dok.-Nr. 09040506
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Charlottenburg
Adressen Helmholtzstraße 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Fabrik
Datierung 1898-1899, 1900-1901, 1906, 1908-1909, 1910-1911
Entwurf De La Sauce, Martin & Janisch, Karl (Architekt)
Bauherr Siemens und Halske

Unmittelbar nördlich an das ehemalige Kabelwerksgelände am Salzufer schließt sich ein großes Areal bis zur Helmholtzstraße an, das die Firma Siemens & Halske in mehreren Bauabschnitten zwischen 1898 und 1911 mit einem umfangreichen Industriekomplex nach Entwürfen von Martin de la Sauce und Karl Janisch bebaut hat. Die mächtige Backsteinfront des ehemaligen Glühlampenwerks Siemens & Halske, seit 1919 Osram Werk S (1), Helmholtzstraße 2-9, war bis 1973, als die gesamte Glühlampen-Produktion in die Siemensstadt verlagert wurde, in Betrieb und prägt bis heute das Straßenbild. (2) Die sanierten und mit einem 2004 östlich angefügten Neubau als Gewerbehof dienenden Backsteinbauten sind im Gegensatz zu den beiden anderen ehemaligen Charlottenburger Standorten der Firma Siemens & Halske weitgehend erhalten. Sie stellen ein bedeutendes Zeugnis für die rasante Entwicklung der elektrischen Beleuchtung und ihrer Produktion seit dem Ende des 19. Jahrhunderts dar.

Der breit gelagerte, fünfgeschossige Backsteinbau lässt schon an der Straßenseite zwei unterschiedliche Bauabschnitte erkennen: Der längere westliche Teil besitzt mit seiner lebhaften, durch Pilaster, Gesimse und erkerartige Vorsprünge gegliederten Gestaltung repräsentativen Charakter, er entstand 1898-99 nach Entwurf von Martin de la Sauce. Während die unteren Geschosse mit Segmentbogenfenstern undekoriert sind, werden am dritten und vierten Obergeschoss die Wandflächen zwischen den Rechteckfenstern durch Lisenen mit stilisierten Basen und Kapitellen gegliedert. Das fünfte Obergeschoss mit schmalen, jeweils zu dritt gekoppelten Fenstern ist abgesetzt, das Dachgeschoss wurde nachträglich ausgebaut. Der kürzere östliche Abschnitt des Gebäudes wurde 1910-11 von Karl Janisch angefügt; er ist mit einer strengen Rhythmisierung durch Wandpfeiler, einen kräftig bossierten Natursteinsockel und den Verzicht auf plastischen Bauschmuck charakterisiert. Bereits 1900-01 war parallel hinter dem ersten Fabrikgebäude ebenfalls von Martin de la Sauce ein etwa gleich langer Bau, das so genannte Blockwerk, errichtet worden. 1906 verband Karl Janisch beide Gebäude durch einen Quertrakt und fügte 1908-09 im hinteren Hofbereich ein weiteres fünfgeschossiges Gebäude im spitzen Winkel an. Die beiden parallel stehenden Fabrikbauten der Jahrhundertwende verlängerte Karl Janisch 1910-11 nach Osten und verband die Erweiterungsbauten durch zwei weitere Quertrakte, sodass sich drei Innenhöfe ergaben. An die schlichten Klinkerfassaden der Hofseite sind die nachträglich aufgesetzten Dachgeschosse und der Neubau an der Helmholtzstraße gestalterisch angepasst.


(1) Nach wirtschaftlichen Einbrüchen und Absatzschwierigkeiten der drei größten deutschen Glühlampenhersteller durch den Ersten Weltkrieg gründeten die AEG, die Auer-Gesellschaft und Siemens & Halske 1919 gemeinsam die Osram GmbH Kommanditgesellschaft. Die Fabrikanlage an der Helmholtzstraße ging als Werk S an die neue Firma über; auch in den kommenden Jahrzehnten wurden hier Beleuchtungskörper entwickelt und hergestellt. 1973 wurde die gesamte Berliner Produktion in einem neuen Werk in der Spandauer Siemensstadt zusammengefasst. Vgl. Geschichtslandschaft Berlin, Orte und Ereignisse, Bd. 1, hrsg. v. Helmut Engel, Stefi Jersch-Wenzel, Wilhelm Treue, Charlottenburg, Teil 1, Die historische Stadt, Berlin 1986, S. 246 ff.

(2) Osram GmbH Kommanditgesellschaft, Leipzig 1922; Osram nach dem Wiederaufbau, hrsg. v. Osram-Gesellschaft, Berlin 1953; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 641; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IX, Industriebauten - Bürohäuser, Berlin-München-Düsseldorf 1971, S. 43 f., 95; Ribbe, Wolfgang/Schäche, Wolfgang: Die Siemensstadt. Geschichte und Architektur eines Industriestandortes, Berlin 1985, S. 74 f., 99-101; Geschichtslandschaft Charlottenburg 1986, Teil 1, S. 232-269; Hildebrand, Werner/Lemburg, Peter/Wewel, Jörg: Historische Bauwerke der Berliner Industrie (Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, hrsg. v. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, H. 1), Berlin 1988, S. 198 f.; Elektropolis Berlin, Architektur- und Denkmalführer, hrsg. v. Thorsten Dame, Berlin 2014, S. 163; Barth, Matthias: Kathedralen der Arbeit, Industriekultur in Berlin, Berlin 2016. S. 23, 42 f.

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 641
  • BusB IX 1971 / Seite 95
  • Hirschfeld/ Berlins Großindustrie, Ergänzungsband, Berlin 1901 / Seite 1
  • Osram, Osram GmbH Kommanditgesellschaft, Leipzig 1922 / Seite 8
  • Osram nach dem Wiederaufbau, Berlin 1953 / Seite .
  • Hildebrand, Lemburg, Wewel/ Historische Bauwerke, 1988 / Seite 198ff.
  • Grzywatz, Berthold/ Glühlampenwerk von Siemens und Halske =Geschichtslandschaft, Charlottenburg 1, 1986 / Seite 232-269

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Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
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