Denkmaldatenbank
NSKK-Transportstandarte Speer
| 09040487 | |
| Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
| Ortsteil | Charlottenburg-Nord |
| Adressen | Adam-von-Trott-Straße 7 |
| Denkmalart | Gesamtanlage |
| Sachbegriff | Mannschaftsgebäude |
| Datierung | 1942 |
| Entwurf | Lörcher, Carl Christoph (Architekt) |
| Bauherr | Generalbauinspektion (GBI) |
Nördlich vom Heckerdamm erstrecken sich Kleingartenkolonien bis an den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal. Dort, wo einst Eisteiche und Ausflugslokale lagen, hat sich seit den 1990er Jahren verstärkt ein Gewerbegebiet herausgebildet. Teil dieses Gebietes ist das ehemalige Kasernengelände der NSKK-Transportstandarte Speer, das als so genannte Speerplatte bekannt wurde. (1) Heute ist der riesige 300 mal 300 Meter große betonierte Fahrzeugabstellplatz allerdings verschwunden. Er wurde 1992 abgebrochen, das Areal von der neuen Adam-von-Trott-Straße erschlossen und ab 2000 mit großflächigen Gewerbegebäuden überbaut. Auch die dazugehörigen Mannschafts- und Verwaltungsgebäude, die den Zweiten Weltkrieg teilweise überstanden hatten, wurden bis auf ein Haus beseitigt. Das zwischen den neuen Gewerbebauten liegende frühere Betriebs- und Verwaltungsgebäude, Adam-von-Trott-Straße 7, ist seitdem das letzte Zeugnis von den megalomanen Plänen Albert Speers zur Neugestaltung der Reichshauptstadt in "Germania", die hier bauliche Spuren hinterließen.
Der Kasernenkomplex entstand 1939-42 auf dem Terrain des ehemaligen Eiswerks Thater nach Plänen von Carl Christoph Lörcher. (2) Die Bauarbeiten lagen in den Händen der Organisation Todt vom Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, die unter anderem zuständig für den Bau von Militäranlagen war. (3) In der Nähe des Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanals entstanden zwölf Kasernengebäude: drei U-förmige Häuser für Betrieb und Verwaltung sowie neun weitere als Unterkünfte für das Fahrpersonal. (4) Südlich von den Gebäuden lag der Stellplatz des Baustabes Speer, auf dem bis zu 200 Schwerlastkraftwagen für die Materialtransporte zu den Baustellen Platz fanden. Alle Kasernengebäude waren dreigeschossig, wobei die Erdgeschosse als bombensichere Luftschutzbunker angelegt waren, während die darüberliegenden Stockwerke nur aus verputzten Ziegelmauerwerk bestanden. (5) Das erhaltene Gebäude ist eines der drei U-förmigen Betriebs- und Verwaltungsgebäude und dient heute modernisiert als Bürogebäude. Neben seiner Bauform zeigt er noch besondere charakteristische Merkmale. Über den Hauseingängen mit Naturstein-Gewänden kragen als Verdachung schwere Betonplatten auf klobigen Betonkonsolen aus, die auf das untere ehemalige Bunkergeschoss verweisen. Die Hoffront dazwischen zeigt einen mittigen Führerbalkon, ebenfalls von klotzigen Betonbalken gestützt. Der letzte Bau der Speerplatte zählt neben dem Großbelastungskörper in Tempelhof und den Unterkunftshäusern der Arbeiterstadt "Große Halle" auf dem Gelände des heutigen Waldkrankenhauses Spandau, für die ebenfalls Carl Christoph Lörcher Pläne ausarbeitete, zu den geschichtlichen Denkmalen, die zum logistischen Bereich der Speerplanungen gehörten. (6)
(1) Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil III, Bauwerke für Regierung und Verwaltung, Berlin-München 1966, S. 97, 110; Reichhard, Hans J./Schäche, Wolfgang: Von Berlin nach Germania, Ausstellungskat. Berlin 1984, S. 72 f.; Huse, Norbert (Hrsg.): Verloren, gefährdet, geschützt, Baudenkmale in Berlin, Berlin 1988, 137, S. 212 f.: Arnold, Dietmar/Janick, Reiner: Bunker, Sirenen und gepackte Koffer, Berlin unter Stahlbeton, Berlin 2017, S. 162; Bauen in Berlin, 1900-2000, hrsg. v. Josef Paul Kleihues, Jan Gerd Becker-Schwering, Paul Kahlfeldt, Ausstellungskat., Berlin 2000, S. 194; Nitsch, Ute: Charlottenburg-Wilmersdorf von A bis Z, Ein Lexikon, hrsg. v. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Berlin 2003, S. 243 f.
(2) Carl Christoph Lörcher (1884-1966), seit 1931 Mitglied der NSDAP, war 1933 zum Leiter der Reichsstelle für Raumplanung beim Reichserziehungsministerium berufen worden. Ab 1937 war er zuständig für den Bau einer Arbeiterstadt Große Halle für den Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer in Berlin-Spandau (heute Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau). Vgl. Wasmuths Lexikon der Baukunst, Bd. V, Berlin 1937, S. 376.
(3) Nach dem Tod von Fritz Todt übernahm 1942 der Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, Albert Speer, das Ministerium. Das Nationalsozialistische Kraftfahr-Korps (NSKK) unterstand nun Speer, der es als Transportstandarte Speer für das Bauvorhaben zur Umgestaltung Berlins einsetzte.
(4) Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil III, Bauwerke für Regierung und Verwaltung, Berlin-München 1966, S. 97.
(5) 1949 ließ die britische Besatzungsmacht Fensteröffnungen in die Stahlbetonwände der Erdgeschosse sprengen, um Wohnraum zu schaffen. Vgl. Arnold, Dietmar/Janick, Reiner: Bunker, Sirenen und gepackte Koffer, Berlin unter Stahlbeton, Berlin 2017, S. 162.
(6) "Alles Einrichtungen, in denen sich das Organisationsvermögen und die absolute, jeder Rücksicht bare Verfügungsgewalt manifestierten, ohne die Hitlers Baupläne schon an der Logistik gescheitert wären." Vgl. Huse, Norbert (Hrsg.): Verloren, gefährdet, geschützt, Baudenkmale in Berlin, Berlin 1988, S. 137.
Literatur:
- BusB III 1966 / Seite 97, 110
- Huse, Norbert: Bauten des "Dritten Reiches", in: Verloren - gefährdet - geschützt, Berlin 1988 / Seite 137
- Gruhn-Zimmermann, Antonia: "Speerplatte", in: Verloren - gefährdet - geschützt, Berlin 1988 / Seite 212-213
- Reichardt, Schäche: Von Berlin nach Germania, 1985 / Seite 42-43
Kontakt
Juliane Stamm
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