Denkmaldatenbank
Telefunken-Haus, Haus der Elektrizität
09020531 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Charlottenburg |
Adressen | Ernst-Reuter-Platz 7 |
Denkmalart | Baudenkmal |
Sachbegriff | Bürogebäude & Hochhaus |
Datierung | 1958-1960 |
Entwurf | Schwebes und Schoszberger & Kröplin und Plath (Architekt) |
Bauherr | Haus der Elektrizität AG (Baugeschäft) |
Ausführung | Dyckerhoff und Widmann |
Das markanteste Gebäude an dem in den 1950er Jahren neu gestalteten Ernst-Reuter-Platz ist das ehemalige Telefunken-Haus, Ernst-Reuter-Platz 7, das 1958-60 nach Entwurf von Paul Schwebes und Hans Schoszberger errichtet wurde. (1) Das mit 22 Geschossen und einer Höhe von etwa 80 Metern damals höchste Bürogebäude Berlins wird seit Mitte der 1960er Jahre von der TU Berlin genutzt; aber erst bei Renovierungsmaßnahmen 1994-97, als auch die Fenster und die grüne Mosaikverkleidung an Teilen der Fassade ersetzt wurden, tauschte man die vertikalen Schriftzüge "Telefunken" gegen "Technische Universität" aus. (2) Mit seiner wechselvollen Nutzungsgeschichte stellt das Telefunken-Haus ein bedeutendes Zeugnis der Nachkriegszeit in der geteilten Stadt dar: Einen derartigen Neubau für die Hauptverwaltung eines der führenden Unternehmen der Elektroindustrie zu errichten, wurde in der geteilten Stadt als "Symbol des Vertrauens" in die Zukunft Berlins verstanden. Nach dem Mauerbau dauerte es jedoch nicht lange, bis auch Telefunken die Hauptverwaltung nach Westdeutschland verlagerte. (3)
Standort und Bauform als Scheibenhochhaus waren bereits im städtebaulichen Entwurf für den Ernst-Reuter-Platz von Bernhard Hermkes 1955 festgelegt. Mit der architektonischen Gestaltung suchten Schwebes und Schoszberger Anschluss an internationale Strömungen wie das damals im Bau befindliche Pirelli-Hochhaus in Mailand. (4) Ähnlich wie dort zeigt das Telefunken-Haus einen linsenförmigen Grundriss, ist jedoch wesentlich kleiner. Das Stahlbetonskelett bildeten die Architekten an beiden Längsseiten aus vier sich nach oben verjüngenden Betonstützen, die durch massive Betonbrüstungen verbunden sind und zusammen mit den beiden Betontürmen für die Treppenhäuser an den Schmalseiten und der Fahrstuhlanlage an der Westseite das Gebäude aussteifen. Im Inneren ergeben sich für die Bürogeschosse Mittelflure, die zu den Enden schmaler werden, sodass die Räume überall die gleiche Tiefe haben. Nur die beiden unteren Geschosse sind sowohl innen wie außen abgesetzt: Das großflächig verglaste Erdgeschoss mit großem Eingangsfoyer, das vom überdachten Haupteingang an der Ostseite betreten wird, und das erste Obergeschoss, das als Ausstellungsraum diente, sind durch den unteren Teil der Betonstützen, die sich hier nach unten keilförmig zuspitzen, zusammengefasst. Das Ausstellungsgeschoss ist zudem durch ein vorkragendes Rahmenelement, das an den Seiten schräge, fensterlose Wangen ausbildet, betont. Die Fassade, die ursprünglich vom Kontrast heller Sichtbetonelemente mit grünen Mosaiksteinen an Brüstungen und vertikalen Streifen für den Schriftzug bestimmt war, wurde nach der Sanierung durch neue Fenster (5), Granitplatten an den gedämmten Brüstungen sowie durch die gedämmten und verkleideten Betonteile stark verändert. Nur einige Stellen am ersten Obergeschoss zeigen noch die ursprüngliche Mosaikverkleidung. Die Fernwirkung des Gebäudes, die auch durch die strukturelle Klarheit der Fassadengliederung mit vertikalen (Stützen, Schriftzug) und horizontalen Elementen (Brüstungen, Gesimse (6)) wirkt, wurde jedoch bewahrt.
(1) Mitarbeiter: Kröplin und Plath. Vgl. Baumeister 57 (1960), S. 456-459; BW 51 (1960), S. 352 f., 356, 425; Deutsche Bauzeitschrift 3 (1960), S. 1534-1537; db 65 (1960), S. 311-315; Progressive Architecture 41 (1960), S. 55; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 666 f.; Rave, Rolf/Knöfel, Hans-Joachim: Bauen seit 1900 in Berlin, Berlin 1963, Nr. 103; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil IX, Industriebauten - Bürohäuser, Berlin-München-Düsseldorf 1971, S. 168 f., 217; Gausmann, Dagmar: Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin, Die Geschichte eines öffentlichen Raumes der fünfziger Jahre, Münster 1992 (Oktogon, Bd. 8). 1992, S. 96-98, 121-125, 174-177; Der Campus, Ein Architekturführer durch das Gelände der Hochschule der Künste und der Technischen Universität Berlin, hrsg. v. Michael Bollé, Berlin 1994, S. 84 f.; Wörner, Martin/Mollenschott, Doris/Hüter, Karl-Heinz: Architekturführer Berlin, 5. Aufl. Berlin 1997, S. 162, Nr. 267; Brachmann, Christoph/Suckale, Robert: Die Technische Universität Berlin und ihre Bauten, Ein Rundgang durch zwei Jahrhunderte Architektur- und Hochschulgeschichte, Berlin 1999, S. 129-134; Bauen in Berlin, 1900-2000, hrsg. v. Josef Paul Kleihues, Jan Gerd Becker-Schwering, Paul Kahlfeldt, Ausstellungskat., Berlin 2000, S. 259; Dorsemagen, Dirk: Büro- und Geschäftshausfassaden der 50er Jahre, Konservatorische Probleme am Beispiel West- Berlin, Diss. Berlin 2004, S. 173-176, Kat.-Nr. 8; Baukunst der Nachkriegsmoderne, Architekturführer Berlin 1949-1979, hrsg. v. Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Berlin 2013, S. 192 f.
(2) 1974 wurde das Gebäude an die TU verkauft, die vorher schon Mieterin war. Vgl. Brachmann/Suckale 1999, S. 130.
(3) Brachmann/Suckale 1999, S. 129-134.
(4) 1956-60 von Gio Ponti und Pier Luigi Nervi. Eine Exkursion der Architekten nach Mailand ist überliefert. Vgl. Brachmann/Suckale 1999, S. 132.
(5) Ursprünglich wurde das Haus durch eine Klimaanlage belüftet, nun besitzen die Fenster eine Thermoverglasung und können geöffnet werden.
(6) Über den Fenstern ziehen sich auf Höhe der Geschossdecken schmale, weit vorkragende Gesimse über die gesamte Breite der Fassade, auch über die Stützen. Sie dienen gleichzeitig als Feuerschutz. Vgl. Brachmann/Suckale 1999, S. 133.
Literatur:
- Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 666f.
- BusB IX 1971 / Seite 217
- Bauwelt 51 (1960) 13 / Seite 352-56
- Baumeister 57 (1960) 7 / Seite 456-59
- Deutsche Bauzeitung 65 (1960) 6 / Seite 311-15
- Baukunst und Werkform (1960) / Seite 558-561
- Bautrichter 1960, Ausgabe A / Seite 266-270
- Rave/ Knöfel: Bauen seit 1900 / Seite Nr.. 103
- Telefunken GmbH (Hrsg.): Zwischen Brandenburger Tor und Funkturm, Berlin 1960 / Seite .
- 4. Jahresbericht des Bauamts Charlottenburg, Berlin 1960 / Seite 32
- Reclam Berlin, 1977 / Seite 450-51
- Reiher, Monika: Tendenzen der städtebaulichen EntwicklungCharlottenburgs seit 1945, in: Von der Residenz zur City,1980 / Seite 579-80
- Odenthal, Anna Maria: Telefunken-Hochhaus, Ernst-Reuter-Platz, in: Reparieren, Renovieren, Restaurieren. Vorbildliche Denkmalpflege in Berlin, Berlin 1998 / Seite 34f.
- Lorenz, Werner; May, Roland; Staroste, Hubert: Ingenieurbauführer Berlin, Petersberg 2020 / Seite 226f.
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Juliane Stamm
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