Denkmaldatenbank
Technische Universität, Technische Hochschule (ehemals)
09020527 | |
Bezirk | Charlottenburg-Wilmersdorf |
Ortsteil | Charlottenburg |
Adressen | Ernst-Reuter-Platz 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 Straße des 17. Juni 152 Bismarckstraße & Hardenbergstraße & Marchstraße & Otto-Suhr-Allee & Schillerstraße |
Denkmalart | Ensemble |
Sachbegriff | Institutsgebäude |
Datierung | 1956-1974 |
Entwurf | Hermkes, Bernhard & Kreuer, Willy & Gutbrod, Rolf & Kiess, Hermann & Binder, Bernhard & Sobotka, Franz & Müller, Gustav & Scharoun, Hans (Architekt) |
Entwurf | Geber und Risse & Schwebes und Schoszberger & Kröplin und Widmann |
Der Ernst-Reuter-Platz in seiner heutigen Form als großflächiger Verkehrskreisel mit runder Mittelinsel und einer Randbebauung aus unterschiedlich hohen, frei stehenden Büro- und Geschäftshochhäusern entstand zwischen 1955 und 1974 nach einem städtebaulichen Entwurf von Bernhard Hermkes. Platzgestaltung und Hochbauten, U-Bahnlinie und U-Bahnhof sowie zwei Bronzeskulpturen im Straßenraum sind zusammengefasst zum Denkmalensemble Ernst-Reuter-Platz 2-10 u.a., das eines der bedeutendsten Zeugnisse für den Städtebau sowie für die politische Situation und den Wiederaufbau der Nachkriegszeit in West-Berlin darstellt. Den modernen, großstädtischen Charakter des Platzes kennzeichnen sowohl die pulsierenden Verkehrsströme, die aus fünf einmündenden Straßen in den dreispurigen Kreisel gepumpt werden, als auch die klare geometrische Ordnung der Flächen und Baukörper, die durch tanzende Wasserspiele und die Bepflanzung der Platzinnenfläche wirkungsvoll durchbrochen werden sollte. (1)Die seit dem frühen 18. Jahrhundert bestehende und seit 1831 als "Knie" bezeichnete Abknickung des Verbindungsweges zwischen den Schlössern von Berlin und Charlottenburg wurde im 19. Jahrhundert zur Straßenkreuzung ausgebaut. Diese wurde bei der Umgestaltung der ehemaligen Berliner Straße zur monumentalen Ost-West-Achse durch Albert Speer 1937-39 in einen Kreisverkehr umgewandelt, dessen Randbebauung nach dem Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört war. Am 3. Oktober 1953 wurde dieser Ort zu Ehren des gerade verstorbenen Regierenden Bürgermeisters von Berlin in Ernst-Reuter-Platz umbenannt. (2) Nach verschiedenen Vorschlägen für eine Neugestaltung des gesamten Bereichs hatte Bernhard Hermkes 1955 einen den städtebaulichen Leitbildern der Nachkriegsmoderne verpflichteten "aufgelockerten" und "verkehrsgerechten" Entwurf vorgelegt: Um die knapp fünf Hektar große Verkehrsfläche ordnete er die Gebäude, ein Hochhaus und mehrere, in der Höhe abgestufte Scheibenhäuser, in lockerer Gruppierung und von Freiflächen umgeben, an. Zu diesem Zeitpunkt war an der Ostseite des Platzes der Neubau für die TU-Fakultät für Bergbau und Hüttenwesen von Willy Kreuer bereits begonnen und musste von Hermkes in seine Planung einbezogen werden. Die Ausführung der anderen Bauten begann 1956-57 an der Nordseite des Platzes mit dem Osram-Haus von Hermkes, 1958-60 folgte das Telefunken-Hochhaus von Schwebes & Schoszberger als Höhendominante an der Westseite. Ebenfalls an der Nordseite wurden 1960-62 nach Entwurf von Sobotka & Müller das Pepper-Haus und 1963 der dazugehörige Pavillon erbaut. An der südlichen Platzseite entstand 1960-61 das IBM-Haus von Rolf Gutbrod. Die Pflasterung der Außenbereiche und die gärtnerische Gestaltung mit Beeten und Wasserspielen im Inneren des Platzes mit einer quadratischen Gliederung auf einem Raster von zehn mal zehn Metern, eine Gestaltung von Werner Düttmann, wurde 1959-60 ausgeführt. Die Haltestelle Ernst-Reuter-Platz (ehemals Knie) der heutigen U-Bahnlinie U2, die seit 1906 als so genannte Stammstrecke den Platz im Verlauf der Hardenberg- und der Bismarckstraße unterquert, war 1958-59 neu gestaltet worden. Nachdem 1966-68 das Architekturgebäude von Hermkes und Hans Scharoun mit dem Gartenhof von Herta Hammerbacher und der "Flamme" von Bernhard Heiliger (3) sowie 1971-74 das Raiffeisen-Haus von Geber & Risse und 1969-74 das Eckhaus an der Bismarckstraße von Bernhard Binder fertig gestellt waren, war der Ernst-Reuter-Platz weitgehend in seiner heutigen Form vollendet. Er stellt mit den modernen, den Platzraum definierenden Bauwerken, die in einem stadträumlichen Zusammenhang mit den anschließenden Baudenkmalen der TU Berlin stehen, ein städtebauliches Gesamtwerk dar. Die 1963 vor dem Gebäude Ernst-Reuter-Platz 1 aufgestellte Bronzeskulptur "Wachsende Flügel" von Ernst Hartung gehört ebenfalls zum Ensemble. (4)
(1) Der Ernst-Reuter-Platz war als Verkehrsplatz einer Großstadt konzipiert, der als - anfangs noch ohne Ampeln funktionierender - Kreisverkehr für das unaufhörliche Fließen des Verkehrs sorgen sollte. Die später immer wieder kritisierte fehlende Aufenthaltsqualität war nie Bestandteil der Planung. Vgl. Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Text- u. Tafelband, Berlin 1961, S. 512 f.; Gruhn-Zimmermann, Antonia: Ernst-Reuter-Platz. In: Huse, Norbert (Hrsg.): Verloren, gefährdet, geschützt, Baudenkmale in Berlin, Berlin 1988, S. 222 f.; Gausmann, Dagmar: Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin, Die Geschichte eines öffentlichen Raumes der fünfziger Jahre, Münster 1992 (Oktogon, Bd. 8). 1992; Brachmann, Christoph/Suckale, Robert: Die Technische Universität Berlin und ihre Bauten, Ein Rundgang durch zwei Jahrhunderte Architektur- und Hochschulgeschichte, Berlin 1999, S. 119 ff.; TU intern 01/2012, S. 11-13; Baukunst der Nachkriegsmoderne, Architekturführer Berlin 1949-1979, hrsg. v. Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper, Berlin 2013, S. 190 ff.
(2) Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter (1889-1953), Bernhard Hermkes (1903-1995).
(3) Bronzeskulptur "Die Flamme", die 1963 von Bernhard Heiliger als Erinnerung an den früheren Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter geschaffen und am nördlichen Platzrand vor der Architekturfakultät der Technischen Universität aufgestellt wurde. Vgl. Endlich, Stefanie/Wurlitzer, Bernd: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin 1990, S. 6; Börsch-Supan, Eva u. Helmut/Kühne, Günther/Reelfs, Hella: Berlin, Kunstdenkmäler und Museen, 4. Aufl. Stuttgart 1991 (Reclam, Kunstführer Deutschland), S. 285; Fricke, Manfred (Hrsg.) u. Märtz, Gisela (Bearb.), Die Sammlungen und Kunstdenkmäler der Technischen Universität Berlin, Berlin 1991, S. 161; Kat. Bernhard Heiliger (Staatliche Museen zu Berlin), Berlin 1991, S. 18; Gausmann 1992, S. 192-198; Der Campus, Ein Architekturführer durch das Gelände der Hochschule der Künste und der Technischen Universität Berlin, hrsg. v. Michael Bollé, Berlin 1994, S. 116; Brachmann/Suckale 1999, S. 135; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil V, Bd. B, Hochschulen, Petersberg 2004, S. 107 Lingenauber 2013, S. 30. Möglicherweise ließ sich Heiliger von dem Gipsabguss der Nike von Samothrake inspirieren, der seit 1956 im Lichthof des TU-Hauptgebäudes aufgestellt ist.
(4) Während das Gebäude Ernst-Reuter-Platz 1 nicht zum Ensemble Ernst-Reuter-Platz 2-10 u.a., sondern zur Gesamtanlage TU, Straße des 17. Juni 115, 135, 145 u.a. gehört, ist die Bronzeskulptur Teil des Ensembles. Die 1963 vor dem Gebäude aufgestellte Figur zeigt auf einem drei mal drei Meter großen Sockel aus Muschelkalk zwei große Bronze-Schwingen mit einer Spannweite von rund fünf Metern, die mit vier vorstehenden Spitzen vorn und hinten auf fünf kleinen Füßen stehen. Vgl. Endlich/Wurlitzer 1990, S. 6; Krause, Markus: Karl Hartung (1908-1967), Metamorphosen von Mensch und Natur, Ausstellungskat. Nürnberg und Bremen, München 1998; www.welt-der-form.net/Karl
Literatur:
- Gruhn-Zimmermann, Antonia/ Berliner Baudenkmale. Beispiele. Ernst-Reuter-Platz, Charlottenburg. in
Huse, Norbert (Hg.)/ Verloren - gefährdet - geschützt, Berlin 1988 / Seite 222-223 - Gausmann, Dagmar/ Der Ernst-Reuter-Platz in Berlin. Geschichte eines öffentlichen Raumes der fünfziger Jahre, Münster 1992 / Seite .
- 4. Jahresbericht des Bauamts Charlottenburg, Berlin 1960 / Seite 32
Kontakt
Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem
- Tel.: (030) 90259-3653
- Fax: (030) 90259-3700
- E-Mail juliane.stamm@lda.berlin.de
Verkehrsanbindungen
-
U-Bahn
-
Bus
-
Jüdenstr.
- 248
- 300
-
Nikolaiviertel
- N8
- N40
- N60
- N65
-
Jüdenstr.