Denkmaldatenbank

Wasserturm-Ost, Wasserturm-West

Obj.-Dok.-Nr. 09020487,T
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil Westend
Adressen Akazienallee 35, 37, 39

Spandauer Damm 165, 167
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Wasserturm & Pumpstation & Verwaltungsgebäude
Datierung 1881, 1909-1910
Bauherr Charlottenburger Wasserwerke AG

Einen weithin sichtbaren Akzent im Stadtbild und eine Landmarke Westends bilden der ehemalige Wasserturm-Ost und der ehemalige Wasserturm-West auf dem großen Grundstück Akazienallee 35/35A, 37, Spandauer Damm 165/165A. Die beiden aufragenden, ziegelsichtigen Türme fügen sich mit den einstigen Nebengebäuden im holländischen Architekturstil zu einer baulichen Einheit von herausragender stadtbildprägender Bedeutung. (1) 1994 wurde die Gesamtanlage auf dem Spandauer Berg durch die Berliner Wasserbetriebe veräußert. Seit 2008 sind in die Wassertürme sieben und 12 exklusive Eigentumswohnungen eingefügt. Im Zuge der Umnutzung wurden beiden Türmen monumentale Betontrakte mit Aufzug, Treppenhaus und Balkonen angefügt.

Der kastellartige, 32 Meter hohe Wasserturm-Ost mit einem Durchmesser von 16 Metern entstand 1881-82 nach Entwürfen des Dresdener Baurat Bernhard Salbach für die Charlottenburger Wasserwerk AG (gegründet 1878). (2) Er zählt zu den ältesten erhaltenen Wassertürmen Berlins und versorgte einst Villenkolonie und Charlottenburger Stadtgebiet mit Trinkwasser aus dem Wasserwerk am Teufelssee. Der Standort auf dem Spandauer Berg liegt 60 Meter über Normalnull. Die Gestaltung des Wasserturms-Ost erinnert an norditalienische Wehrtürme der Frührenaissance, etwa die runden Ecktürme des Castello Sforzesco in Mailand. Auf dem einst fensterlosen Turmschaft erhebt sich der vorkragende Turmkopf mit Arkadenband, kräftigen Gesimsen und sehr flachem Kegeldach. Der schlankere, 64 Meter hohe Wasserturm-West mit einem Durchmesser von 14 Metern wurde als Ergänzung des bestehenden Wasserturms-Ost 1908-09 durch Stadtbaurat Heinrich Seeling unter Mitarbeit von Max Niedenhoff und Wilhelm Walther errichtet. Der enorme Bevölkerungszuwachs und die mehrgeschossigen Mietshausneubauten erforderten die Bereitstellung von mehr Wasser bei höherem Druck. Diesen Anforderungen wurde man mit zwei übereinander gelegenen Behältern mit je 500 Kubikmetern Fassungsvermögen gerecht, wodurch die Kapazität der Westender Anlage exakt verdoppelt wurde. (3) Seine Baugestalt differenzierte Seeling bewusst vom älteren Wasserturm-Ost, wodurch, so ein Zeitgenosse, "ein feines, wirkungsvolles architektonisches Großstadtbild" entstand. (4) Er folgt in seiner Form der norddeutschen Renaissance. Aufgrund des geringen Turmdurchmessers tritt ungewöhnlicher Weise das Treppenhaus mit Wendeltreppe und Laterne in Kupfer aus dem Turmrund hervor. Der einst fensterlose Turmschaft ist nach oben dreifach abgetreppt und mit einer Aussichtswarte für den Blick über die Villenkolonie sowie einer Kupferlaterne bekrönt. Der obere Anschluss des Turmes erinnert an einen Leuchtturm. Die hohe ästhetische Qualität der Anlage zeigt sich auch an den zwischen die Türme gespannten Nebengebäuden für Technik, Verwaltung und Wohnen. (5) Diese kleidete Seeling ins Gewand holländischer Wohnhausarchitektur der Renaissance. Schweifgiebel, Fenster- und Türformen und die komplexe Verschachtelung der Einzelbauten verweisen auf die Baukultur der Niederlande. Die Nebengebäude bilden ein feinsinniges Bindeglied zwischen den hohen Wassertürmen und der Bebauungsstruktur der Villenkolonie Westend.


(1) Architekten-Verein zu Berlin u. Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Bd. I, Berlin 1896, S. 305f., 320; Berliner Architekturwelt 19 (1916/17), S. 180, Abb. 239-252; Deutsche Bauzeitung 59 (1925), S. 347; Die Baugilde (1936), S. 230-239; Bark, Willy: Chronik von Alt-Westend mit Schloß Ruhwald, Spandauer Bock und Fürstenbrunn (Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, H. 56), Berlin 1937, S. 54 f.; Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg, bearb. von Irmgard Wirth, Textband u. Tafelband, Berlin 1961, S. 607 f.; Woll, Stefan: Berliner Wassertürme, Berlin 1986, S. 18-22; Karner, Stefan/Wichniarz, Peter J.: Berliner Wassertürme, Berlin 1987, S. 21 f., 35-38, 68; Bärthel, Hilmar: Wasser für Berlin, Berlin 1997, S. 98 f., 133, 155-157; Haddenhorst, Michael/Börsch-Supan, Helmut: Westend, Berlin 1997, S. 78; Schmidt, Jens U.: Wassertürme in Berlin, Cottbus 2001, S. 26-33, Abb. S. 41-43, S. 44 f.; Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Berlin, bearb. v. Sibylle Badstübner-Gröger, Michael Bollé, Ralph Paschke u. a., 3. Aufl., durchgesehen u. ergänzt v. Michael Bollé, München-Berlin 2006, S. 279; Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil X, Bd. A (2), Anlagen und Bauten für Versorgung - Stadttechnik, Petersberg 2006, S. 60-62, Abb. 119, 140-142, S. 354, 356; Architekturführer Berlin, hrgs. v. Wörner, Martin/Hüter, Karl-Heinz/Sigel, Paul/ Mollenschott, Doris, Berlin 2013, S. 237, Nr. 369.

(2) Einen ersten Wasserturm gab es an der Kastanienallee/Ecke Rüsternallee (1871 errichtet). Ein weiterer Wasserturm, der sogenannte "Germaniaturm", war 1872 an der Eschenallee (heute Nr. 28-30) entstanden, beauftragt vom zweiten Koloniegründer Heinrich Quistorp und ausgeführt nach Plänen Ernst Petzholtz´. Das ambitionierte Bauprojekt blieb unvollendet und wurde 1892 abgetragen.

(3) Der Behälter des Wasserturms-Ost fasste 1000 Kubikmeter Wasser.

(4) Berliner Architekturwelt (19) 1917, S. 180.

(5) Wasserturm und Nebengebäude wurden in innovativer Kalksteinbauweise gebaut und mit Rathenower Handstrichziegeln verblendet. Vgl. dazu Deutsche Bauzeitung 59 (1925), S. 347.

Literatur:

  • Inventar Charlottenburg, 1961 / Seite 607f. (Textband)
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 45 (1925) / Seite 203
  • Berliner Architekturwelt 19 (1917) / Seite 180
  • Deutsche Bauzeitung 8 (1874) / Seite 241-243, 249-251
  • BusB I 1896 / Seite 305f, 320

Teilobjekt Wasserturm-Ost

Teil-Nr. 09020487,T,001
Sachbegriff Wasserturm
Datierung 1881
Entwurf Salbach, B. (Architekt)
Adressen Akazienallee 35

Spandauer Damm 165

Teilobjekt Wasserturm-West

Teil-Nr. 09020487,T,002
Sachbegriff Wasserturm & Werkstatt & Verwaltungsgebäude
Datierung 1909-1910
Umbau 1928, 1957, 1964
Entwurf Seeling, Heinrich & Niedenhoff, Max (Architekt)
Ausführung Walter, Rudolf (Architekt)
Bauherr Städtische Wasserwerke GmbH
Adressen Akazienallee 37, 39

Spandauer Damm 167

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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