Denkmaldatenbank

Siedlung Gebag

Obj.-Dok.-Nr. 09020137,T
Bezirk Treptow-Köpenick
Ortsteil Oberschöneweide
Adressen Zeppelinstraße 73, 75, 77, 79, 81, 83, 85, 87

An der Wuhlheide 26, 28, 30, 32, 34, 36, 38, 40

Fontanestraße 3, 4, 5, 6, 7

Triniusstraße 10, 11, 11A
Denkmalart Gesamtanlage
Sachbegriff Siedlung
Datierung 1923-1927

An die Siedlung Oberschöneweide schließt die Gebag-Siedlung an, die in zwei Bauetappen 1924/25 und 1928/30 von der Gemeinnützigen Bau-Aktiengesellschaft Oberschöneweide errichtet wurde. (1) Im Vergleich zur benachbarten Siedlung sind die Wandlungen im Wohnungsbau der 1920er Jahre erkennbar. Mehrfamilienhäuser in aufgelockerter Blockrandbauweise erbrachten mit geringeren Kosten ein größeres Wohnungsangebot. Die Gebag-Siedlung war die erste Wohnanlage in Oberschöneweide, das von der staatlichen Wohnungsbauförderung profitierte. Die neuen Wohnungen wurden bevorzugt an Angestellte der AEG-Betriebe vergeben.

Für den ersten Bauabschnitt konnte die Gebag den Architekten Jean Krämer gewinnen, der in mehreren Projekten für die AEG und andere Industrieunternehmen tätig war. (2) 1924/25 entstand die dreigeschossige Eckbebauung Fontanestraße 3-6 und Zeppelinstraße 73/79 mit dem frei stehenden Wohnhaus Fontanestraße 7. An der Kreuzung der Straßen bildete Krämer einen kleinen hofartigen Platz aus. Die begrünte Fläche wird von zwei rechtwinklig angeordneten Wohnhäusern umschlossen, die auf den gegenüberliegenden Eckbau Spitzners Bezug nehmen. Die abwechslungsreich gegliederte Baumasse ist von Sattel- und Walmdächern bekrönt. Der Architekt wiederholte die Fassadenelemente der gegenüberliegenden Reihenhaussiedlung. Durchlaufende aufgeputzte Gesimse binden die Straßenfronten zusammen, Klappläden geben der Siedlung einen heimatlichen Charakter. Mit verschieden strukturierten Risaliten, Loggien und Dachaufbauten sind die Häuser aufgelockert. Eine eher expressionistische Gestaltung zeigen die beiden zum Platz orientierten Haupteingänge: Im Norden sieht man ein rechteckiges Stufenportal aus Betonwerkstein, das mit seinem monumentalen Gestus an die altägyptische Architektur erinnert. Der südliche Eingang wird von backsteinverkleideten Wandfeldern flankiert, die wie archaische Pylone erscheinen.

Die Häuser des zweiten Bauabschnitts, errichtet 1929-30, gehen auf Ernst Ziesel zurück. Der Architekt, der in den 1930er und 1940er Jahren alle Großbauten der AEG entwarf, verzichtete zu Gunsten einer klaren, modernen Bauweise auf alle Motive der Heimatschutzarchitektur. Die Wohnhäuser sind einfache kubische Bauten mit eingeschnittenen Fenstern und offenen Loggien. Bestimmend sind die vertikalen bandartigen Klinkerstreifen der Gebäudekanten und der Verandavorbauten, die sich deutlich von den verputzten Wandflächen abheben. In der Fontanestraße setzte Ziesel die ältere Bebauung mit einem frei stehenden dreigeschossigen Gebäude fort. Die beiden lang gestreckten Mehrfamilienhäuser An der Wuhlheide 26/40 sind dagegen zweigeschossig angelegt. Die Hofeinfahrt zwischen den Häusern wird von markanten Kopfbauten eingefasst, die durch ein Tor mit parabelförmiger Bogenöffnung verbunden sind. An der Ecke Zeppelin-/Triniusstraße schuf Ernst Ziesel eine platzartige Erweiterung. Das nördlich anschließende Haus Triniusstraße 10-11 a ist durch vorstehende Altane gegliedert, während das rechtwinklig angeordnete Wohnhaus Zeppelinstraße 81/87 eine eher zurückhaltende Fassade besitzt. Der Hof in der Mitte des Baublocks ist nicht in Nutzgärten aufgeteilt, sondern mit einer großen Rasenfläche versehen. Die Ausstattung der Wohnungen war außergewöhnlich. Die Gebag-Siedlung gehörte zu den ersten vollständig elektrifizierten Wohnanlagen. (3) In Küche und Bad konnten Haushaltsgeräte mit Strom betrieben werden. Damit war ein richtungsweisender Standard für den Wohnungsbau geschaffen. Nicht zuletzt die Automobil-Garagen im Souterrain der Wohnhäuser deuten auf den hohen Lebensstandard der bei der AEG beschäftigten Mieter. Die Gebag-Siedlung wurde 2001 restauriert.


1) Osborn, Max: Jean Krämer. Neue Werkkunst. Berlin-Leipzig-Wien 1927, S. 40-43; Gerken, Kurt: Elektrische Versorgung von Küche und Bad. Siedlung in Oberschöneweide. Architekt BDA Ernst Ziesel. in: Bauwelt 22 (1931), S. 158-160; Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, S. 329; Bucciarelli, Piergiacomo: Moderne, Metropole, Avantgarde. Das Werk Jean Krämers im Berlin der 20er Jahre. Nachwort zu Osborn, Max: Jean Krämer. Neue Werkkunst. Nachdruck der Ausgabe Berlin-Leipzig-Wien 1927. Berlin 1996, S. VII; Seeböck 2000, S. 44-46.

2) Jean Krämer leitete ab 1911 das Architekturbüro von Peter Behrens in Neubabelsberg. In den Jahren 1920-22 plante er die Erweiterung der AEG-Siedlung in Hennigsdorf. Die Bauten in Oberschöneweide lassen sich mit den Hennigsdorfer Siedlungshäusern vergleichen, betrachtet man Aufbau und Fassadengestaltung. Zu Leben und Werk von Jean Krämer siehe Osborn, Max: Jean Krämer. in: Neue Baukunst 2 (1926), Heft 18; Osborn, Max: Jean Krämer. Neue Werkkunst. Berlin-Leipzig-Wien 1927; Bucciarelli, Piergiacomo: Moderne, Metropole, Avantgarde. Das Werk Jean Krämers im Berlin der 20er Jahre. Nachwort zu Osborn, Max: Jean Krämer. Neue Werkkunst. Nachdruck der Ausgabe Berlin-Leipzig-Wien 1927. Berlin 1996.

3) Gerken, Kurt: Elektrische Versorgung von Küche und Bad. Siedlung in Oberschöneweide. Architekt BDA Ernst Ziesel. in: Bauwelt 22 (1931), S. 158-160.

Literatur:

  • Gerken, Kurt, Elektrische Versorgung von Küche und Bad in
    Bauwelt 22 (1931) / Seite 158 -160
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 129 f.

Teilobjekt Siedlung Gebag

Teil-Nr. 09020137,T,001
Sachbegriff Siedlung
Datierung 1923-1925
Entwurf Krämer, Jean (Architekt)
Ausführung Boswau und Knauer (Baugeschäft)
Bauherr Gemeinnützige Bauaktiengesellschaft Oberschöneweide (Gebag) (Siedlungsbauunternehmen)
Adressen Zeppelinstraße 73, 75, 77, 79

Fontanestraße 3, 4

Literatur:

  • Osborn, Max, Jean Krämer in Neue Baukunst 2 (1926) 6

Teilobjekt Siedlung Gebag

Teil-Nr. 09020137,T,002
Sachbegriff Wohnanlage
Datierung 1924-1927
Entwurf Krämer, Jean (Architekt)
Entwurf Ziesel, Ernst (Architekt)
Bauherr Gemeinnützige Bauaktiengesellschaft Oberschöneweide (Gebag) (Siedlungsbauunternehmen)
Adressen Fontanestraße 5, 6

Teilobjekt Siedlung Gebag

Teil-Nr. 09020137,T,003
Sachbegriff Wohnanlage
Datierung 1928
Entwurf Ziesel, Ernst (Architekt)
Ausführung Richter und Schädel (Baugeschäft)
Bauherr Gemeinnützige Bauaktiengesellschaft Oberschöneweide (Gebag) (Siedlungsbauunternehmen)
Adressen Zeppelinstraße 81, 83, 85, 87

Teilobjekt Siedlung Gebag & Block A und D

Teil-Nr. 09020137,T,004
Sachbegriff Wohnanlage
Datierung 1928
Entwurf Ziesel, Ernst (Architekt)
Ausführung Georg O. Richter und Schädel (Baugeschäft)
Bauherr Gemeinnützige Bauaktiengesellschaft Oberschöneweide (Gebag) (Siedlungsbauunternehmen)
Adressen An der Wuhlheide 26, 28, 30, 32, 34, 36, 38, 40

Teilobjekt Siedlung Gebag & Block B

Teil-Nr. 09020137,T,005
Sachbegriff Wohnanlage
Datierung 1928
Entwurf Ziesel, Ernst (Architekt)
Ausführung Georg O. Richter und Schädel (Baugeschäft)
Bauherr Gemeinnützige Bauaktiengesellschaft Oberschöneweide (Gebag) (Siedlungsbauunternehmen)
Adressen Fontanestraße 7

Kontakt

Juliane Stamm
Landesdenkmalamt Berlin
Redaktion Denkmalinformationssystem

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